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Ulrich Hackenberg "Kampf um die Zeit"

Der Audi-Vorstand fordert von der Bundesregierung liberalere Regeln fürs autonome Fahren - und nimmt Google als Wettbewerber sehr ernst.

Das sollen die Autos der Zukunft sein
In sein erstes selbstfahrendes Auto baute der Internet-Gigant Google Lenkrad und Pedale nur ein, weil es gesetzlich noch vorgeschrieben ist. Technisch nötig wäre es bei dem Versuchsfahrzeug nicht mehr. "Unternehmen der Technologie-Branche rücken immer tiefer ins einstige Hoheitsgebiet der Autoindustrie vor", sagt Autoexperte Thilo Koslowski vom IT-Marktforscher Gartner. Das treffe nicht nur die Fahrzeuge, sondern - was viel gravierender ist - auch das Geschäftsmodell. "Ich bin mir nicht sicher, ob die Mehrheit der Autoindustrie gewappnet ist, dem Druck der neuen Player standzuhalten", sagt der Gartner-Analyst. Quelle: Presse
Auch Branchenexperte Stefan Bratzel sieht neue Spieler im Anmarsch. "Insbesondere die Big-Data Player der IT-Industrie spielen künftig in der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie eine sehr wichtige Rolle", analysiert er. Die Autobauer agierten derzeit nach dem Modell der "Co-opetition": Kooperation und Wettbewerb zugleich. So arbeiten sie einerseits vor allem mit Apple und Google zusammen, um Smartphones und Apps ins Auto zu bringen. "Andererseits sehen sie die IT-Player auch als künftige Konkurrenten für den Mobilitätskunden der Zukunft und wollen ihnen keinen umfassenden Zugang zum Auto gewähren", betont Bratzel. Quelle: Presse
In den nächsten Wochen wird der Kampf um die Zukunft des Autos gleich zwei Mal im Rampenlicht ausgetragen: Bei der Elektronik-Messe CES (6. bis 9. Januar) in Las Vegas und danach der Automesse in Detroit (12. bis 25. Januar), dem Herzen der amerikanischen Fahrzeugindustrie. Die CES, auf der früher traditionell eher Fernseher, Hifi oder Computer vorgestellt wurden, wurde in den vergangenen Jahren immer mehr auch zur Autoshow. Im vergangenen Jahr wurde Audi-Chef Rupert Stadler zu seiner Eröffnungs-Keynote in einem selbstfahrenden Auto des Unternehmens auf die Bühne kutschiert. Quelle: Presse
Diesmal übernimmt Daimler-Chef Dieter Zetsche diesen zentralen Auftritt. Kurz vor der Messe wurde eine wegweisende Partnerschaft bekannt: Der südkoreanische Elektronikriese LG soll mit seinen Stereokameras die "Augen" für die automatisierten Autos von Mercedes liefern. Quelle: Presse
Die Mercedes-Studie - hier mit CES-Messechef Gary Shapiro - namens F015 war dann tatsächlich ein gewaltiger Hingucker. Neben Design, Front und Rädern wirkt vor allem das Innenraumkonzept konsequent futuristisch. Selbstverständlich soll das Modell autonom fahren, die Insassen sitzen sich auf drehbarem Lounge-Gestühl gegenüber und beschäftigen sich anderweitig. Quelle: REUTERS
Luxury in motion ist der Beiname, den Mercedes der Studie F 015 gibt. Sie steuert gestützt auf Stereokameras, Ultraschall- und Radarsensoren durch den Verkehr. Dem Fahrer stehen Informationen auf einem breiten Hauptbildschirm im digitalen Armaturenträger sowie auf einem Head-up-Display zur Verfügung. Mit mit einer Länge von 5,22 Meter und 3,61 Meter Radstand hat die Studie Maybach-Abmessungen. Geprägt wird ihr Auftritt durch große Flächen, Alulook und 26 Zoll-Räder. Quelle: REUTERS
In der mit Leder, Edelhölzern und viel Glas gestalteten ambientebeleuchteten Lounge können Reisende während der Fahrt entspannen, kommunizieren und arbeiten. Die vorderen beiden Einzelsitze sind drehbar. Integrierte Monitore stellen cloud-basiert alle notwenigen Daten, Apps und Funktionalitäten bereit und werden per Gesten, Eye-Tracking oder Berührung gesteuert.   Quelle: REUTERS

WirtschaftsWoche: Herr Hackenberg, vergangene Woche fuhr Ihr Robo-Auto namens Jack die 880 Kilometer vom Silicon Valley zur Elektronikmesse CES in Las Vegas. Der Fahrer saß zwar hinter dem Steuer, doch Jack lenkte. Lief alles problemlos?

Ulrich Hackenberg: Für die Mitfahrer war das Spektakulärste, dass alles so normal war. Unser Auto hat sich so verhalten, wie es ein aufmerksamer menschlicher Fahrer auch getan hätte. Etwa auch rechts zu überholen, was in den USA gestattet ist. Niemand hat sich unsicher gefühlt. Das ist wichtig. Autonomes Fahren technisch hinzubekommen ist das eine. Das andere, dass der Mensch sich dabei auch wohl fühlt.

Was empfinden Sie, wenn Ihnen das Auto das Fahren abnimmt?

Ich bin das gewohnt. Ich vertraue dem System. Und genieße es sogar. Ich kann Dinge tun, die ich im normalen Auto besser ließe – wie das Handy checken.

Audi-Vorstand Ulrich Hackenberg Quelle: Presse

Wann wird Audi Jack anbieten?

Der Vorgänger James, den wir vergangenes Jahr in Las Vegas zeigten, kommt im neuen A8. James kann bis zu 60 Kilometer pro Stunde pilotiert fahren. Also das System steuern, aber der Fahrer sitzt hinter dem Lenkrad und kann jederzeit übernehmen. Jack schafft bis zu 140 Kilometer pro Stunde, ist damit fähig, autobahnübliches Tempo zu fahren. Jack wird als Update voraussichtlich in drei bis dreieinhalb Jahren kommen. Natürlich auch in anderen Modellen.

Brauchen wir künftig noch einen Führerschein?

Ja. Auch in absehbarer Zukunft bleibt die letzte Verantwortung beim Menschen, müssen wir ständig eingreifen können. Die nächste Stufe, das voll automatisierte Fahren, bei dem wir nur noch Passagier sind, ist noch weit weg.

Zur Person

Wie weit?

Ich denke, das wird in Etappen kommen und streckenabhängig sein. Auf der Autobahn etwa könnte es schon in fünf bis zehn Jahren so weit sein, weil dort der Verkehr stark reglementiert ist und die Störgrößen so überschaubar sind. In der Stadt hingegen ist alles viel komplexer, auch rechtlich. Da reden wir über mehr als zehn Jahre.

Was sind die größten Hürden fürs Robo-Fahren: technische oder regulatorische?

Die technischen Komponenten sind prinzipiell alle vorhanden oder definiert. Hard-und Software werden ständig besser. Wir meinen die Behörden überzeugen zu können, dass pilotiertes und vollautonomes Fahren im Sinne der Verkehrssicherheit sinnvoll sind. Einige Länder werden die nötigen Gesetze rascher beschließen, etwa die USA und China. Auch Großbritannien ist offener. Vor allem weil der Staat hofft, vor Ort technische Kompetenz aufzubauen.

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