Umweltbundesamt warnt Die Krux mit dem Kältemittel in Auto-Klimaanlagen

Auto-Klimaanlagen Kältemittel R1234yf Quelle: dpa

Das Kältemittel R1234yf steckt in den meisten Auto-Klimaanlagen. Es wurde eingeführt, weil es als umweltfreundlicher als der Vorgänger R134a galt. Doch nun warnt das Umweltbundesamt vor dem neuen Kältemittel.

Das Umweltbundesamt (UBA) warnt vor möglichen negativen Folgen der Verwendung des Kältemittels R1234yf in Klimaanlagen für die Trinkwassergewinnung. „Wir beobachten mit Sorge den verstärkten Einsatz des Kältemittels R1234yf in Pkw-Klimaanlagen und auch in stationären Kälteanlagen“, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger der „Frankfurter Rundschau“. Das sei problematisch, da diese Chemikalie und ihr Zerfallsprodukt Trifluoressigsäure (TFA) auch in die Umwelt gelangten und im Wasser schwer abbaubar seien. Sie halte daher einen „Verzicht auf fluorierte Kältemittel wie R1234yf für die richtige Antwort“.

Dabei galt das Kältemittel R1234yf als umweltschonender als der Vorgänger R134a, das die EU verbot, weil es als Treibhausgas wirkt, wenn es in die Atmosphäre gelangt. Deshalb ist der Einsatz von R134a in Neuwagen seit dem 1. Januar 2017 in der EU verboten und der Import des Kältemittels wird bereits seit 2015 stufenweise reduziert. Genau das sorgt in der Praxis aber immer wieder für Probleme: Denn es fahren noch mehrere Millionen ältere Autos mit dem alten Kältemittel in der EU. Müssen bei diesen Autos die Klimaanlagen repariert oder gewartet werden, könnten die Autofahrer im wahrsten Sinne ins Schwitzen kommen. Bereits im vergangenen Jahr saßen zahlreiche Kfz-Werkstätten in Sachen Kältemittel über Wochen hinweg auf dem Trockenen, wie das Branchenmagazin „kfz-betrieb“ im April berichtete. Dieses Jahr droht dem Bericht zufolge ein echter Notstand.

Prinzipiell wäre auch bei älteren Klimaanlagen der Einsatz des neuen Kältemittels möglich, da die Technik sich bei dem Wechsel zu R1234yf kaum verändert hat. Allerdings ist dem Bericht des Fachmagazins zufolge aktuell noch völlig unklar, ob das Einfüllen des neuen Kältemittels in die alte Anlage legal wäre. Denn es steht die Frage im Raum, ob durch die Verwendung des anderen Kühlmittels die Typgenehmigung des Autos erlösche, da dort das verwendete Kältemittel eingetragen ist. Die Befürchtung: Wird ein anderes eingefüllt, könnte das illegal sein.

R1234yf war bereits im Jahr 2013 in die Schlagzeilen gekommen, weil Daimler sich dagegen gewehrt hatte, das Kältemittel in seinen Autos einzusetzen. Bei Tests des Autobauers mit dem Kältemittel kam es zu Bränden, bei denen extrem ätzende Flusssäure entstand. Der Streit endete damit, dass das Kraftfahrt-Bundesamt nach eigenen Tests „keine ernste Gefahr“ in dem Kältemittel des US-Konzerns Honeywell sah – und Daimler zur Verwendung des neuen Kältemittels verdonnert wurde, Rückruf inklusive.

Das Umweltbundesamt sieht bei R1234yf nun aber ein weiteres Problem: Das neue Mittel könne das Trinkwasser belasten, sagte Krautzberger. „Aus dem Trinkwasser kann TFA mit den üblichen Aufbereitungsverfahren nicht entfernt werden, sodass weitere Einträge unbedingt vermieden werden müssen.“ Die Autobauer sollten lieber auf CO2-Klimaanlagen umsteigen.

Diesen Schritt hatte auch Daimler nach dem Kältemittel-Streit vollzogen – allerdings bislang nur in wenigen Modellen. Die Technik ist teurer als Klimaanlagen mit R1234yf, deshalb kommen die neuartigen CO2-Klimaanlagen vor allem in den teuren Oberklasse-Modellen zum Einsatz. Damit sind die Stuttgarter der weltweit erste und wohl auch auf absehbare Zeit einzige Hersteller mit dieser Technik.

Die Ablehnung gegen R1234yf hat Daimler aber nicht abgelegt: Wo R1234yf aus Sicht des Konzerns nicht zu vermeiden ist, soll ein umfassendes Schutzpaket den erzwungenen Einsatz des Stoffes absichern. Unter anderem gibt es eine Schutzgas-Patrone im Motorraum. Bei einem Unfall tritt das Edelgas Argon aus, das heiße Motorteile gegen das austretende Kältemittel abschirmen soll. Laut Hersteller wird so einem möglichen Brand (bei dem die Flusssäure entsteht) entgegengewirkt.

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