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Valley Talk

Autobranche wandelt sich unter Druck

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Von Brennstoffzellen bis Elektromotoren - Kalifornien treibt mit strengen Umweltvorgaben die Innovation in der Autobranche an. Und profitiert davon.

Die innovativsten Autobauer der Welt
Die Forschungsausgaben der 14 innovativsten Autobauer seien seit 2009 im Schnitt um acht Prozent jährlich gestiegen, heißt es in einer Studie der Boston Consulting Group (BCG). In den Jahren 2001 bis 2012 habe die jährliche Steigerung lediglich bei drei Prozent gelegen. Auch die großen Zulieferer, zu denen Bosch und Continental zählen, hätten ihre Forschungsausgaben ausgeweitet. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Patentanmeldungen, die in den Krisenjahren 2008 und 2009 um 25 Prozent eingebrochen war. Den größten Zuwachs gab es der Untersuchung zufolge in den Bereichen Antriebstrang, Leichtbaumaterialien, Verbindungssysteme sowie Fahrerassistenz- und Sicherheitssysteme. Das zahlt sich aus: Die Autohersteller Toyota (Platz 5), Ford (8) und BMW (9) zählen laut einer bereits im September veröffentlichten Untersuchung von BCG weltweit zu den zehn innovativsten Unternehmen. Im vergangenen Jahr sind danach 14 Autohersteller unter den 50 innovativsten Unternehmen weltweit gewesen. 2012 waren es zehn und 2005 nur fünf. Unter den deutschen Herstellern belegte Volkswagen Platz 14, Audi Platz 19 vor Daimler (Platz 20.) Vergangenes Jahr vergab das Center of Automotive Management für die Hersteller mit den meisten und besten Neuerungen seinen AutomotiveInnovations-Award 2013. Die Sieger und Nominierten waren... Quelle: dpa
Wer ist der innovativste Autobauer?Seit 2005 erstellt das Center of Automotive Management jährlich die Studie AutomotiveInnovations und bestimmt anhand der Bewertung von rund 4000 einzelnen Datenbankeinträge, welcher von 18 global tätigen Automobilherstellern der innovationsstärkste ist. 2012 wurde 800 Innovationen erfasst – rund 150 weniger als 2011. Bewertet werden nicht nur die Anzahl, sondern auch die Qualität der Innovationen. Quelle: dpa
Plätze 18 bis 16:Die hinteren Plätze sind ganz in der Hand der asiatischen Hersteller. Suzuki verteidigt seine Vorjahrsplatz, Rang 18. Subaru verbessert sich um zwei Ränge und liegt nun auf Platz 17. Mitsubishi liegt wie schon im Vorjahr auf Rang 16. Quelle: AP
Plätze 15 bis 13:Der indische Konzern Tata verschlechtert sich um vier Pläzte vom 11. auf den 15. Platz. Auch Fiat-Chrysler zeigte 2012 wenig Neues. Der italo-amerikanische Konzern mit Marken wie Fiat, Alfa Romeo, Maserati, Chrysler, Dodge und Jeep fällt von Rang 8 auf Rang 14. Geely-Volvo kann die Platzierung vom Vorjahr halten und belegt damit Rang 13. Quelle: AP
Plätze 12 und 11: Für den französischen Konzern PSA Peugeot-Citroen geht es abwärts. 2012 war ein innovationsschwaches Jahr, dementsprechend fällt PSA vom zehnten auf den zwölften Platz des Rankings. Deutlich verbessern kann sich Mazda. Die Japaner machen den größten Sprung innerhalb des Rankings der Top 18 und verbessern sich von Rang 17 auf Rang 11. Quelle: AP
Platz 10: NissanDie Japaner steigen in die Top Ten ein. Gegenüber dem Vorjahr verbessert sich der Konzern, der mit den Marken Nissan und Infiniti antritt, um zwei Plätze und steigt von Rang 12 auf Rang 10. Quelle: Reuters
Platz 9: RenaultDer französische Autobauer kämpft auf dem europäischen Markt mit einem massiven Absatzrückgang. Allein im ersten Quartal gingen die Erlöse im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Vorjahres um 11,8 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro zurück. Beim Innovationsvergleich gibt es dagegen gute Neuigkeiten: Die Franzosen halten ihren Vorjahresplatz und verteidigen den 9. Rang. Quelle: dpa

Behindern politische Vorgaben wie Flottenverbrauch oder Obergrenzen für Schadstoffausstoß die Autobranche? Oder fördern sie womöglich gar die Innovation? Kalifornien ist Beleg für Letzteres, mindestens wenn man als Maßstab den Boom der Hybridautos und Elektrofahrzeuge nimmt.

Nun soll das Modell aus Zuschüssen von Land und Bund, Privilegien und strengen Abgasauflagen auch Brennstoffzellenautos befeuern. Bis 2024 sollen in Kalifornien mindestens 100 Tankstellen mit Wasserstoff-Zapfsäulen ausgerüstet werden. Den Plan vom Wasserstoff-Highway gibt es zwar schon seit 2004. Doch die Ölkonzerne, die hier die meisten Tankstellen besitzen, drohten mit Klage, falls sie zur Modernisierung gezwungen würden. Jetzt sagt ihnen der Staat bis zu zwei Millionen Dollar pro umgerüsteter Tankstelle als Hilfe zu. Das Geld stammt aus Autozulassungsgebühren.

Daimler reißt das Steuer herum
Daimler Der Autobauer hat wie angekündigt sein Ergebnis im dritten Quartal dank neuer Modelle und sparsamerer Produktion deutlich gesteigert. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen aus dem laufenden Geschäft (Ebit) stieg von Juli bis September auf 2,2 Milliarden Euro, gegenüber dem Vorjahresquartal ist das ein Plus von 16 Prozent. "Wir werden weiter in Produkte und Standorte investieren, um den mittel- und langfristigen Erfolg des Unternehmens nachhaltig zu sichern", erklärte Vorstandschef Dieter Zetsche. Er hatte bereits im Sommer nach den schwachen ersten sechs Monaten ein "deutlich besseres" operatives Ergebnis für das zweite Halbjahr in Aussicht gestellt. Daimler präzisierte seinen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr: Absatz und Umsatz sollen steigen, das bereinigte Ebit soll bei 7,5 Milliarden Euro liegen. Ein Blick auf weitere große Autobauer in alphabetischer Reihenfolge: Quelle: AP
Audi Audi hat im ersten Halbjahr so viele Autos verkauft wie noch nie zuvor. Weltweit legten die Absatzzahlen vor allem dank guter Geschäfte in China, Großbritannien und den USA um 6,4 Prozent auf 780.500 Autos zu, wie die VW-Tochter mitteilte. In Europa bekam Audi die Autoflaute allerdings deutlich zu spüren. Besonders in Frankreich (minus 8,6 Prozent) und Italien (minus 9,8 Prozent) gingen die Verkaufszahlen deutlich zurück. In Deutschland verkaufte Audi 4,3 Prozent weniger Autos als im Vorjahreszeitraum. Audi verdient Milliarden, doch in der Bilanz machen sich die schwierige Marktlage und Investitionen bemerkbar. Der Umsatz wuchs in den ersten sechs Monaten nur Dank der Erlöse der neuen Motorrad-Tochter Ducati um 200 Millionen Euro auf rund 25,2 Milliarden Euro. Der operative Gewinn sank um fast acht Prozent auf gut 2,6 Milliarden Euro. Unter dem Strich schrumpfte das Ergebnis um gut drei Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro. Für das zweite Halbjahr setzt Audi seine Hoffnungen unter anderem in den Start der neuen A3-Limousine. Quelle: AP
BMWBMW hat im ersten Halbjahr einen neuen Verkaufsrekord eingefahren. Weltweit legten die Absatzzahlen der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce um 6 Prozent auf 954.521 Fahrzeuge zu. Zu dem Wachstum trug vor allem Asien bei, wo BMW bis Ende Juni rund 272.000 Fahrzeuge auslieferte und damit 14,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In den USA verbuchte der Autohersteller ein Plus von 9 Prozent. In Europa hingegen herrschte Stillstand: Dort lagen die Verkaufszahlen mit knapp 437.000 Fahrzeugen in etwa auf dem Niveau des ersten Halbjahres 2012. Im zweiten Quartal hat BMW auch mehr Gewinn eingefahren. Das Ergebnis vor Steuern kletterte um 2,8 Prozent auf 2,03 Milliarden Euro. Der Nettogewinn legte um neun Prozent auf 1,39 Milliarden Euro zu. Quelle: REUTERS
General MotorsGM kommt bei der Sanierung seiner Tochter Opel voran. Dank des straffen Sparkurses habe sich der Verlust im Europa-Geschäft im zweiten Quartal mehr als halbiert, teilte der größte US-Autobauer mit. Der Fehlbetrag sei dort trotz der Absatzkrise auf dem europäischen Automarkt auf 110 Millionen Dollar gesunken von einem Verlust von 394 Millionen Dollar vor einem Jahr. Quelle: AP
FiatDer kriselnde italienische Autobauer profitiert von seiner starken US-Tochter. Nur dank des guten Geschäfts bei Chrysler steigerte der Konzern seinen Gewinn im zweiten Quartal auf 435 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Wert noch bei 239 Millionen Euro gelegen. Fiat allein machte jedoch wie im Vorjahreszeitraum einen Verlust von 247 Millionen Euro. Die Italiener leiden besonders unter der Absatzkrise in Europa. Die meisten Autos verkauft die Fiat-Gruppe nach wie vor in Nordamerika. Der Umsatz des Gesamtkonzerns stieg um vier Prozent auf 22,3 Milliarden Euro. An seinem Ausblick hielt Konzernchef Sergio Marchionne fest. Er rechnet im Gesamtjahr weiterhin mit 88 bis 92 Milliarden Euro Umsatz und einem operativen Gewinn zwischen 4 und 4,5 Milliarden Euro. Damit muss der Konzern im zweiten Halbjahr vor allem beim Gewinn kräftig zulegen - nach sechs Monaten steht Fiat erst bei 1,65 Milliarden Euro. Quelle: dpa
FordDer Verlust im krisengeplagten Europa-Markt werde 2013 unter dem Vorjahresniveau liegen, teilte der zweitgrößte US-Autobauer nach der Opel-Mutter GM am 24. Oktober mit. Zuletzt hatte Ford noch mit einem Vorsteuerverlust in Europa von 1,8 Milliarden Dollar gerechnet. Das hätte dem Minus von 2012 entsprochen. Konzernweit wies Ford für das dritte Quartal einen Umsatzanstieg von zwölf Prozent auf 36 Milliarden Dollar aus. Der Gewinn fiel jedoch um 22 Prozent auf 1,27 Milliarden Dollar. Hier wirkten sich Kosten für Sanierungsmaßnahmen - vor allem in Europa - negativ aus. Im Gesamtjahr dürfte der Vorsteuergewinn des Konzerns über den acht Milliarden Dollar von 2012 liegen, wie es weiter hieß. Bisher war das Management in etwa von stabilen Werten ausgegangen. Quelle: REUTERS
PorscheDer Sportwagenbauer hat seine Auslieferungen im ersten Halbjahr um 18 Prozent gesteigert und steuert damit auf einen neuen Rekordabsatz im Gesamtjahr zu. In Europa hatte sich die Nachfrage allerdings zuletzt abgeschwächt. Die Erlöse stiegen im Vergleich zur Vorjahreshälfte um vier Prozent auf sieben Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um drei Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu - damit steuerte Porsche gut 22 Prozent zum Gewinn des VW-Konzerns bei. Die Umsatzrendite, das Verhältnis vom Gewinn zum Umsatz, lag bei 18 Prozent - einem Wert von dem andere Autobauer nur träumen. An der Ergebnisprognose für 2013 will Finanzvorstand Meschke allerdings nicht schrauben. Das Ergebnis werde auf dem hohen Niveau des Vorjahres verharren - 2012 hatte Porsche einen operativen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro gemacht. Quelle: dpa

Ein zusätzlicher Anreiz ist, dass viele Ölkonzerne inzwischen in die Wasserstoff-Produktion eingestiegen sind. Autohersteller wie Toyota und Honda haben bereits angekündigt, ab 2015 in Kalifornien Brennstoffzellen-Fahrzeuge anzubieten.

Das setzte Kaliforniens einzigen Autohersteller, Tesla Motors, unter Druck. Doch dessen Chef, Elon Musk, ist überzeugt, dass mit Akkus angetriebene Elektroautos effizienter sind als Brennstoffzellenautos. Zumal wenn die Preise für Akkus bei höheren Stückzahlen fallen.

Wie der Wettbewerb auch ausgeht, Kalifornien wird vorn dabei sein. Der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA ist seit den Sechzigerjahren Vorreiter in den USA für saubere Luft – und wegen seiner hohen Autodichte entsprechend verschärfter Regeln beim Abgasausstoß. Obwohl die Kalifornier mit den (nach Hawaii) höchsten Benzinpreisen der USA leben müssen, ist der Rückhalt für bessere Luft durch gedrosselten Schadstoffausstoß groß.

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