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Verkehr Forscher machen unsere Straßen schlau

Forscher verwandeln Asphalt mit neuen Techniken in Kraftwerke, Navigationssysteme und Schadstofffilter. Die Super-Highways der Zukunft bringen uns sicherer, schneller und umweltfreundlicher voran.

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Wie die Straßen vor dem Brandenburger Tor aussehen könnten, zeigt die Illustration. Quelle: Audi Urban Future Award By Big Quelle: Presse

Was kommt heraus, wenn man Straßen mit Smartphones kreuzt? Andreas Klok Pedersen, Partner des dänischen Architekturbüros Bjarke Ingels Group, hat auf diese Frage spektakuläre Antworten: In seinem Plasti City genannten Konzept gleichen die Chausseen der Zukunft riesigen Displays aus LED-Leuchten. „Straßen reagieren auf ihre Umwelt“, sagt er.

Fahrspuren, Verkehrsschilder und Ampeln gibt es nicht mehr – stattdessen organisiert sich der Verkehr spontan: Bunte Pfeile im Boden zeigen an, wohin computergesteuerte Autos fahren. Leuchtende Kreise markieren Fußgänger, um sie besser sichtbar zu machen. Und am Wochenende verwandeln die Leuchtmarkierungen die Straße in einen Marktplatz oder ein Fußballfeld.

So ausgefallen die High-Tech-Vision klingt, die Pedersen in Berlin-Mitte verwirklichen will – sie zeigt, welches Potenzial für neue Mobilitätsideen in unseren Städten buchstäblich auf der Straße liegt. Selbst wenn Teile der Infrastruktur zu vergreisen drohen. Gebaut wird weiter massiv: Tag für Tag sprießen neue Verkehrsadern ins Land. Bis 2050, schätzt die Internationale Energie Agentur (IEA), werden für 33 Billionen US-Dollar neue Straßen ausgerollt. Die Länge der weltweiten Verkehrswege erreicht dann 70 Millionen Kilometer. Die von ihnen bedeckte Fläche wäre so groß wie Deutschland.

Länge des asphaltierten Straßennetzes bis 2050 weltweit

Verschwendung

Dieses Terrain nur als Rollbahn zu verwenden halten Forscher zunehmend für Verschwendung. Sie glauben, dass unser Straßennetz – das größte Bauwerk, das die Menschheit je errichtet hat – viel mehr sein kann als nur eine elend lange, dumme Teerwüste. Wenn Autos intelligent werden und Handys smart – warum sollen dann nicht auch Straßen neue Aufgaben erfüllen?

Energie erzeugen zum Beispiel: Startups wie Solarroadways in den USA wollen Straßen in Sonnenkollektoren verwandeln. Ein niederländisches Unternehmen arbeitet an einer temperaturempfindlichen Fahrbahnfarbe, die Autofahrer bei Frost vor Glatteis warnt. Und in Mannheim lädt Asphalt künftig Linienbusse an der Haltestelle per Drahtlosstrom auf.

Strom aus dem Asphalt
Laden bei 160 Stundenkilometern Quelle: Pressebild
Bombadier Quelle: Pressebild
Elektrische Fahrgemeinschaft Quelle: Pressebild
Antreten zum Batteriewechsel Quelle: Pressebild
Transporter am Kabel Quelle: Pressebild
Stromschlag an der Haltestelle Quelle: Pressebild
Batterie zum Wiederauffüllen Quelle: Pressebild

Teure Träume

Das klingt nach teuren Träumen. Doch tatsächlich könnte die Technik immense Kosten sparen: Staus kosten die deutsche Wirtschaft 7,8 Milliarden Euro im Jahr, so der US-Verkehrsinformationsdienst Inrix. Und laut IEA verursacht der Straßenverkehr rund 16,5 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen – mit enormen Folgekosten, die auf keiner Straßenbaurechnung stehen. Ebenso wenig wie die rund 1,2 Millionen Verkehrstoten Jahr für Jahr.

Zumal künftig noch deutlich mehr Menschen und Güter unterwegs sein werden. Experten sind überzeugt: Wenn mit dem Verkehrsaufkommen nicht auch Unfälle, Staus und Schadstoffe noch weiter wachsen sollen, müssen Straßen smart werden. Sie müssen helfen, den Verkehr besser zu organisieren – und darüber hinaus vielleicht auch ganz neue Funktionen übernehmen.

Sensible Straßen

Diese Städte nutzen Technologien am schlausten
Karlsruhe in Baden-Württemberg erreicht im Smarter-Cities-Ranking des IT-Marktforschungsunternehmens IDC den zehnten Platz von insgesamt 52 untersuchten Städten mit mehr als 150.000 Einwohnern. IDC untersucht dabei, wie gut Städte Technologien einsetzen, um die Herausforderungen für Städte im 21. Jahrhundert zu bewältigen und dabei Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und die Verringerung von Co2-Emissionen in den Mittelpunkt stellen. Besonders gut schnitt Karlsruhe im Bereich Smart Government ab (Platz sechs). Dabei bewerteten die IDC-Experten vor allem, welche Möglichkeiten der Online-Beteiligung die Stadtverwaltung ihren Bürgern bereitstellt und welche Priorität die Stadtverwaltung der Umweltschutzpolitik einräumt. Zu sehen ist das Karlsruher Schloss vom Karlsruher Schlossgarten aus fotografiert. Quelle: dpa
Den neunten Platz erreichte die mittelfränkische Stadt Nürnberg. Am besten schnitt die Stadt in Bayern im Bereich Smart Mobilty ab (Platz sieben). In der Kategorie werteten die Experten aus, wie viele Ladestationen für Elektrofahrzeuge in der Stadt verfügbar sind. Gerade in diesem Bereich wurden große Diskrepanzen zwischen den untersuchten Städten deutlich. Die Spitzenreiter dieser Kategorie nahmen allesamt an Modellprojekten teil. Allerdings verfügten nur noch 7,7 Prozent der 52 untersuchten Städte mit mehr als 150.000 Einwohnern über gar keine Ladestationen. Quelle: dpa
Baden-Württembergs Landeshauptstadt Stuttgart erreichte beim IDC-Ranking den achten Platz. Besonders gut schnitt die Stadt in den Bereichen Smart Government und Smart Mobility ab. Stuttgart gehört zu den Modellregionen der Elektromobilität. Quelle: dpa
Nicht nur der Süden ist im Städte-Ranking stark: Bremen erreichte Platz sieben. Dabei erreichte die Hafenstadt im Bereich Smart Services sogar den ersten Platz. Dabei wurden öffentliche Sicherheit, Notfalldienste und fortschrittliche Dienstleistungen bewertet. So wurde beispielsweise untersucht, ob die Stadt ihren Bürgern unter der zentralen Behördennummer 115 behilflich ist. Quelle: dpa
Nordrhein-Westfalens größte Stadt Köln erreichte Platz sechs im Ranking der smartesten Städte. Besonders stark schnitt die Domstadt in den Kategorien Smart Goverment (Platz zwei) und Smart Services (ebenfalls Platz zwei) ab. Quelle: dpa
So richtig zufrieden dürfte die Stadt am Rhein mit der Platzierung dennoch nicht sein - denn Erzrivale Düsseldorf liegt mit Platz fünf knapp vor Köln. Gut schnitt die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens vor allem bei den Smart Services und den Smart Buildings ab (jeweils Platz fünf). Beim Faktor Smart Buildings bewertete IDC vor allem die Effizienz und Qualität von Gebäuden in einer Stadt. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) sind über 40 Prozent der gesamten Endenergie in Deutschland auf die Gebäudeversorgung, mit einem großen Anteil der Wärmeerzeugung privater Haushalte, zurückzuführen. Quelle: dapd
Bayerns Landeshauptstadt München erreichte den vierten Platz. Die Bayern stehen vor allem im Bereich Smart Buildings (Platz zwei) besonders gut da. Quelle: ap

Jeden Abend beginnt in deutschen Innenstädten ein trauriges Schauspiel: Autofahrer manövrieren durch die Wohnviertel auf der Suche nach dem einen letzten freien Parkplatz. Das Gekurve kostet Millionen Menschen Zeit, Sprit und Nerven. Forscher schätzen, dass ein Drittel des Verkehrs in Innenstädten allein durch die Stellplatzsuche zustande kommt.

In Braunschweig soll das ein Ende haben. Dort testet das US-Startup Streetline zusammen mit dem Industriekonzern Siemens ein System, das Autofahrer per Smartphone-App zum freien Parkplatz navigiert. Dazu installiert Streetline Sensoren im Asphalt, die erkennen, ob dort ein Auto steht. Per Funk gelangen die Informationen an einen Server im Internet und von dort in die App. Noch sind in Braunschweig nur 60 Testsensoren installiert – in San Francisco dagegen sind es schon 7000. Wenn 100.000 Autofahrer dreimal pro Woche die Park-App nutzen, behauptet Streetline, spare das 670.000 Liter Benzin im Jahr.

Eine weitere Technik, mit der Straßen künftig Informationen weitergeben, entwickelte die Amerikanerin Elizabeth Redmond. Sie baut mit ihrem Startup Powerleap Gehwegplatten, unter denen druckempfindliche Materialien Strom erzeugen. Der kann Sensoren betreiben, die per Funk Straßenlaternen aktivieren, wenn Fußgänger unterwegs sind.

Sensoren

Die passenden Laternen, die solche Informationen verarbeiten, gibt es schon – zum Beispiel in der niederländischen Stadt Tulberg. Die Lichter werden automatisch heller, wenn Sensoren Fußgänger und Fahrzeuge registrieren. Die Technik, die unter anderem der Elektronikhersteller Philips anbietet, vermeidet gegenüber modernsten, ohnehin sehr genügsamen LED-Lampen weitere 30 Prozent Energie. In Deutschland ließen sich mit solch genügsamen Lampen jährlich mehr als 100 Millionen Euro sparen, ergab eine Befragung von mehr als 340 Gemeinden durch die Berater von PricewaterhouseCoopers (PwC). Bisher gehen viele Gemeinden anders vor: Jede vierte stellt Laternen nachts zum Teil komplett ab.

Der niederländische Designer Daan Roosegaarde findet all das nicht akzeptabel. „Wir brauchen derzeit eine Menge Hardware und Geld, um etwas Licht auf die Straßen zu bringen“, klagt er. Diesen Missstand will der 33-Jährige beseitigen und statt der teuren Beleuchtung nun selbstleuchtende Fahrstreifen einsetzen. Dafür hat er zusammen mit dem niederländischen Straßenbauer Heijmans eine phosphoreszierende Farbe entwickelt, die Mittelstreifen oder Spurbegrenzung auf dem Asphalt markieren und bis zu zehn Jahre halten soll. Sie speichert die Energie des Sonnenlichts und leuchtet damit bis zu zehn Stunden, wenn es dunkel wird. Derzeit statten Roosegaarde und Heijmans einen ersten gut 300 Meter langen Teil einer Landstraße im Süden der Niederlande mit der Leuchtfarbe aus.

Straßen als Solarkraftwerke

Roosegaarde und Heijmans haben berechnet, dass die Leuchtstreifen mit den Kosten für Installation und Betrieb von Straßenlaternen schon konkurrieren können. Künftig sollen sie noch günstiger werden. So ließen sich auch Straßen in Entwicklungsländern sichern, wo es in ganzen Regionen keine Stromversorgung gibt.

Leuchtende Farben sind möglicherweise nur die Vorstufe einer noch radikaleren Idee, die das Startup Solar Roadways in den USA verfolgt, gegründet vom Ehepaar Scott und Julie Brusaw. Der Elektroingenieur und die technikbegeisterte Psychologin wollen Straßen nicht nur in Displays verwandeln, sondern auch in horizontale Solarkraftwerke. Solche neuartigen High-Tech-Straßen könnten nachts leuchten, tagsüber Warnhinweise einblenden und nebenbei ganze Städte mit Strom versorgen.

Ultrahartes Glas

Die schlimmsten Stauhöllen Europas
Stau bei Hamburg Quelle: AP
Birmingham Quelle: AP
Stau Quelle: AP
Stau in London Quelle: REUTERS
Platz 11: KölnDie deutsche Nummer eins und damit gerade so außerhalb der Topten der europäischen Stauhöllen ist Köln. 76 Stunden vergeuden Pendler hier jährlich durchschnittlich im Straßenverkehr. Als Knotenpunkt in Deutschlands bevölkerungsreichsten Bundesland mit vielen langwierigen Baustellen dürfte das nur Wenige verwundern. Quelle: dpa
Stau Quelle: dapd
Stau Quelle: AP

Ein Teil ihres Solar Roadway haben die Brusaws in ihrer Werkstatt bereits gebaut. Je 3,6 Meter lang und breit ist der Prototyp, in etwa so groß wie ein Parkplatz. Seine oberste Schicht, die Fahrbahn, besteht aus ultrahartem Glas. Damit Autos darauf nicht rutschen, ist sie angeraut. Unter dem Glas verbergen sich Solarzellen, die Strom produzieren, sowie ein Raster aus LEDs, das Verkehrshinweise und Fahrbahnmarkierungen anzeigt. Wärmedrähte können im Winter die Straße beheizen, wenn Glatteis droht. In der untersten Schicht des Multitalents verlaufen Kabel, die Häuser in der Umgebung mit Strom versorgen.

Zunächst klingt das absurd teuer. Aber das Ehepaar rechnet damit, dass sich Solarstraßen von selbst finanzieren: Erstens wird Öl knapp und damit auch Asphalt immer teurer. Zweitens beherbergen die Panels auch Strom- und Telefonleitungen, für die heute noch eigene Gräben gezogen werden. Und drittens, glauben die Brusaws, könnten Fotovoltaik-Straßen in den USA mehr als dreimal so viel Strom erzeugen, wie das Land heute verbraucht.

Das amerikanische Verkehrsministerium ist zumindest interessiert – und hat 750.000 Dollar lockergemacht, für den Bau eines ersten Solarparkplatzes in Idaho.

Schon jetzt Realität sind Straßen, die Solarenergie nutzen, um Wasser zu erwärmen, das durch im Asphalt eingelassene Rohre fließt. Das niederländische Straßenbauunternehmen Ooms hat auf seinem Parkplatz sowie mehreren anderen ein System installiert, das im Sommer heißes Wasser in rund 100 Meter tiefe Hohlräume im Untergrund transportiert, wo es bis zum Winter lagert. In der kalten Jahreszeit heizt das warme Wasser aus dem Untergrund das Bürogebäude von Ooms und hält gleichzeitig den Parkplatz schneefrei.

Dunkler Straßenbelag

Das britische Startup ICAX beheizt mit einer ähnlichen Technologie seit 2011 ein riesiges Ausbildungszentrum für 2000 Schüler nahe London. Das Warmwasser liefern 14 Kilometer lange Rohrleitungen auf einem Parkplatz. Gas für die Heizung brauchen die Betreiber nicht mehr.

Andererseits wirkt dunkler Straßenbelag bisher im Sommer wie ein Sonnenfang, der Häuser zusätzlich um bis zu 4,5 Grad aufheizt und den Energiebedarf für Klimaanlagen hochtreibt. Der US-Baustoffhersteller Quest hat daher eine Asphaltfarbe entwickelt, die Wärme reflektiert und so den Aufheizeffekt weitgehend aufhebt.

In diesen Städten fahren die meisten Autos
Platz 14 - BerlinAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 1.012.467   Einwohner: 3.501.872   Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 289 Quelle: dpa
Platz 13 - HannoverAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 167.627   Einwohner: 523.515   Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 320 Quelle: dpa
Platz 12 - Frankfurt am MainAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 220.476   Einwohner: 679.664   Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 324 Quelle: dpa
Platz 11 - HamburgAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 594.843   Einwohner: 1 .799.144   Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 331 Quelle: dpa
Platz 10 - LeipzigAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 177.716   Einwohner: 525.245     Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 338 Quelle: dapd
Platz 9 - DresdenAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 183.203   Einwohner: 526.395      Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 348 Quelle: dpa/dpaweb
Platz 8 - MünchenAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 483.451   Einwohner: 1.382.273   Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 350 Quelle: obs

Straßenbelag frisst Abgase

Eine stark befahrene Straße in Chicago leistet seit wenigen Monaten noch Erstaunlicheres: Ihr Bodenbelag frisst buchstäblich die Abgase, die der über sie rollende Verkehr produziert. Scheint die Sonne auf die Fahrbahn, lösen winzig kleine Partikel aus Titanoxid, die dem Asphalt beigemischt sind, chemische Reaktionen aus. Stickstoffoxide aus Autoabgasen, die beim Menschen zu Lungenschäden führen, verwandeln sich dann in gesundheitsneutrale Salze. Die spült der nächste Regen weg.

Entwickelt hat den Asphalt der italienische Baustoffkonzern Italcementi. Versuche des Unternehmens ergaben, dass die beschichtete Straße bis zu 85 Prozent der Abgase in Bodennähe abbaut. Laut dem Chicagoer Umwelt- und Nachhaltigkeitsreferat kostet die 14 Millionen Dollar teure Strecke sogar rund ein Fünftel weniger als herkömmliche Bauprojekte.

Neuer Asphalt

Wer bei der Nachhaltigkeit punktet
Gelsenkirchen Quelle: obs
Oberhausen Quelle: dpa/dpaweb
Krefeld Quelle: AP
Herne Quelle: dpa/dpaweb
Hamm Quelle: dapd
Mönchengladbach Quelle: dpa/dpaweb
Essen Quelle: AP

Einen weiteren Trick hat ein neuartiger Asphalt auf Lager, den der niederländische Wissenschaftler Erik Schlangen von der Universität Delft entwickelt hat: Er repariert sich selbst. Dafür füllt der Forscher zwischen die Steinchen des Straßenbelags einen Kleber, dem er feine Stahlfasern beimischt. Will Schlangen Risse in seinem Straßenbelag schließen, muss er den darin enthaltenen Stahl nur mit einer Art Mikrowelle erhitzen. Daraufhin schmilzt der Asphalt und die Risse schließen sich.

Schlangen und sein Team haben die Technik auf einem stillgelegten Teil der Autobahn A58 in den Niederlanden getestet. Ergebnis: Wenn der Belag alle vier Jahre mit einer speziellen Induktionsmaschine wieder versiegelt wird, verlängert sich die Lebensdauer im Vergleich zu heutigem Asphalt auf das Doppelte, auf bis zu 40 Jahre. Allein in Deutschland wendet die öffentliche Hand jedes Jahr bis zu zehn Milliarden Euro auf, um Straßen zu reparieren. Zumindest ein Teil davon ließe sich künftig vielleicht sparen – durch Verkleben.

Die spektakulärsten Brücken der Welt
Brücke von Millau, FrankreichDas Bauwerk hält aktuell zwei Weltrekorde: Es ist mit einer Gesamtlänge von 2640 Metern die längste und höchste befahrbare Schrägseilbrücke der Welt. Dafür wurde es mit dem „Outstanding Structure Award“ der Iabse ausgezeichnet. Gebaut wurde die Brücke, die das Tal Tarn überspannt, zwischen 2001 und 2004. Quelle: REUTERS
Stari Most in Mostar, Bosnien-HerzegowinaDie „alte Brücke“, wie sie übersetzt heißt, verbindet den bosniakischen Osten mit dem kroatischen Westen der Stadt. Sie gilt als symbolische Brücke zwischen der Welt des Christentums und der islamischen Welt. Die erste Version wurde von 1556 bis 1566 gebaut und im jugoslawischen Bürgerkrieg zerstört. 1995 begann der Wiederaufbau. Ihre Wiedereröffnung fand im Juli 2004 statt. Quelle: dapd
Ponte de Vasco de Gama in LissabonDer Brückenzug ist mit seiner Gesamtlänge von 17 Kilometern die längste Brücke Europas. Benannt wurde das Bauwerk nach dem gleichnamigen Seefahrer, der den Seeweg nach Indien entdeckt hat. Die Brücke wurde pünktlich zur Expo 98 gebaut und eröffnet. Quelle: AP
Hangzhou Bay Bridge in ChinaMit ihrer Gesamtlänge von 35 Kilometern hält die Brücke einen Weltrekord: Sie ist die längste Brücke, die über ein Meer führt. Damit dies möglich wurde, arbeiteten rund 600 Experten neun Jahre lang an ihrer Konzeption und dem Bau. 2008 wurde die Brücke eröffnet. Quelle: dpa
Harbour Bridge, SydneyDie Brücke gilt neben dem Opernhaus als Wahrzeichen der Stadt und wurde schon 1932 eröffnet. Die Australier nennen ihre Brücke liebevoll „Kleiderbügel“. Die Bogenbrücke ist insgesamt 1149 Meter lang und 49 Meter breit. Quelle: AP
Széchenyi-Brücke, BudapestDie Hängebrücke ist die älteste der neun Budapester Brücken. Sie wurde zwischen 1839 und 1849 gebaut und überspannt die Donau. Das klassizistische Bauwerk ist 375 Meter lang und 6,5 Meter breit. Wegen den Ketten, die zwischen den Pfeilern hängen, wird die Brücke auch „Kettenbrücke“ genannt. In vielen Mythen und Legenden spielt sie eine wichtige Rolle, da sie den Beginn der ungarischen Identität symbolisiert. Quelle: AP
Ponte Vecchio, FlorenzDas Bauwerk gilt als eine der ältesten Segmentbogenbrücken der Welt und überspannt den Arno. Bereits 1333 begann der Bau der bis heute erhaltenen Brücke. Sie ist die einzige Brücke der Stadt, die während des Zweiten Weltkriegs nicht von deutschen Truppen zerstört wurde. Quelle: AP

Gerade erst tagte in Berlin wieder der Elektromobilitätsgipfel mit Kanzlerin Angela Merkel. Eines der größten Probleme der sauberen Fortbewegung beklagten Experten: die geringe Reichweite der Strommobile.

Aber auch dafür bieten Forscher mit innovativen Straßenkonzepten Lösungen. Wissenschaftler der kalifornischen Eliteuniversität Stanford etwa wollen den Akku von Elektroautos während der Fahrt laden. Dafür müssten im Asphalt und am Boden des Autos Metallspulen angebracht werden, die Energie mithilfe von Induktion durch die Luft übertragen. Laut Berechnungen der Forscher soll die Leistung reichen, um Autos anzutreiben.

Strom tanken über die Induktionsschleife

Bevor aber ganze Autobahnen umgerüstet werden, muss sich die Technik im kleineren Maßstab bewähren – etwa bei Linienbussen. So sollen ab 2014 in Mannheim auf einer Linie Elektrobusse fahren, die an jeder Haltestelle über Induktionsschleifen drahtlos Strom tanken.

Computergesteuerte E-Autos, LEDs im Straßenbelag – das amerikanische Architekturbüro Höweler + Yoon will alles zu einem 750 Kilometer langen, mehrstöckigen Superhighway kombinieren, der Boston mit Washington verbindet. Dort sollen S-Bahnen, Leihautos und Fahrräder verkehren, die Pendler staufrei ans Ziel bringen. Vorteil der hypothetischen Verkehrsader: Sie verbindet alle Verkehrsmittel und braucht weniger Fläche als heutige Trassen.

In Arbeit
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Güterverkehr

Womöglich wird sich ein Teil des Verkehrs sogar unter die Erde verlagern. Das plant das Schweizer Startup Cargo Tube. In einem breiten Tunnel transportieren E-Mobile Güter aller Art bei Tempo 30 von Stadt zu Stadt. Mit Strom versorgt und gelenkt werden die Transporter wie heute schon in Lagerhallen per Induktionsschleife im Boden. Die Shuttles fahren rund um die Uhr, stehen nie im Stau und sollen dank geringer Personal- und Energiekosten preiswerter sein als Lkw-Transporte.

Während ein ähnliches Projekt der Uni Bochum seit Jahren keine Investoren findet, arbeiten die Schweizer von Beginn an mit Logistikern wie dem Paketdienst DPD und der Supermarktkette Coop zusammen. „Wir haben die wichtigsten potenziellen Nutzer unseres Systems im Boot”, sagt Projektleiterin Yvette Körber. Binnen zehn Jahren, hoffen die Schweizer, wäre eine gut 50 Kilometer lange Pilotstrecke von Zürich zum Logistikkreuz Härkingen fertig – und übernähme die Hälfte des Güterverkehrs von der parallelen Autobahn.

Eines der größten aktuellen Verkehrsprobleme wäre zumindest dort vorerst gelöst: der tägliche Lkw-Stau.

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