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Verkehr Forscher machen unsere Straßen schlau

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Ultrahartes Glas

Die schlimmsten Stauhöllen Europas
Stau bei Hamburg Quelle: AP
Birmingham Quelle: AP
Stau Quelle: AP
Stau in London Quelle: REUTERS
Platz 11: KölnDie deutsche Nummer eins und damit gerade so außerhalb der Topten der europäischen Stauhöllen ist Köln. 76 Stunden vergeuden Pendler hier jährlich durchschnittlich im Straßenverkehr. Als Knotenpunkt in Deutschlands bevölkerungsreichsten Bundesland mit vielen langwierigen Baustellen dürfte das nur Wenige verwundern. Quelle: dpa
Stau Quelle: dapd
Stau Quelle: AP

Ein Teil ihres Solar Roadway haben die Brusaws in ihrer Werkstatt bereits gebaut. Je 3,6 Meter lang und breit ist der Prototyp, in etwa so groß wie ein Parkplatz. Seine oberste Schicht, die Fahrbahn, besteht aus ultrahartem Glas. Damit Autos darauf nicht rutschen, ist sie angeraut. Unter dem Glas verbergen sich Solarzellen, die Strom produzieren, sowie ein Raster aus LEDs, das Verkehrshinweise und Fahrbahnmarkierungen anzeigt. Wärmedrähte können im Winter die Straße beheizen, wenn Glatteis droht. In der untersten Schicht des Multitalents verlaufen Kabel, die Häuser in der Umgebung mit Strom versorgen.

Zunächst klingt das absurd teuer. Aber das Ehepaar rechnet damit, dass sich Solarstraßen von selbst finanzieren: Erstens wird Öl knapp und damit auch Asphalt immer teurer. Zweitens beherbergen die Panels auch Strom- und Telefonleitungen, für die heute noch eigene Gräben gezogen werden. Und drittens, glauben die Brusaws, könnten Fotovoltaik-Straßen in den USA mehr als dreimal so viel Strom erzeugen, wie das Land heute verbraucht.

Das amerikanische Verkehrsministerium ist zumindest interessiert – und hat 750.000 Dollar lockergemacht, für den Bau eines ersten Solarparkplatzes in Idaho.

Schon jetzt Realität sind Straßen, die Solarenergie nutzen, um Wasser zu erwärmen, das durch im Asphalt eingelassene Rohre fließt. Das niederländische Straßenbauunternehmen Ooms hat auf seinem Parkplatz sowie mehreren anderen ein System installiert, das im Sommer heißes Wasser in rund 100 Meter tiefe Hohlräume im Untergrund transportiert, wo es bis zum Winter lagert. In der kalten Jahreszeit heizt das warme Wasser aus dem Untergrund das Bürogebäude von Ooms und hält gleichzeitig den Parkplatz schneefrei.

Dunkler Straßenbelag

Das britische Startup ICAX beheizt mit einer ähnlichen Technologie seit 2011 ein riesiges Ausbildungszentrum für 2000 Schüler nahe London. Das Warmwasser liefern 14 Kilometer lange Rohrleitungen auf einem Parkplatz. Gas für die Heizung brauchen die Betreiber nicht mehr.

Andererseits wirkt dunkler Straßenbelag bisher im Sommer wie ein Sonnenfang, der Häuser zusätzlich um bis zu 4,5 Grad aufheizt und den Energiebedarf für Klimaanlagen hochtreibt. Der US-Baustoffhersteller Quest hat daher eine Asphaltfarbe entwickelt, die Wärme reflektiert und so den Aufheizeffekt weitgehend aufhebt.

In diesen Städten fahren die meisten Autos
Platz 14 - BerlinAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 1.012.467   Einwohner: 3.501.872   Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 289 Quelle: dpa
Platz 13 - HannoverAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 167.627   Einwohner: 523.515   Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 320 Quelle: dpa
Platz 12 - Frankfurt am MainAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 220.476   Einwohner: 679.664   Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 324 Quelle: dpa
Platz 11 - HamburgAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 594.843   Einwohner: 1 .799.144   Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 331 Quelle: dpa
Platz 10 - LeipzigAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 177.716   Einwohner: 525.245     Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 338 Quelle: dapd
Platz 9 - DresdenAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 183.203   Einwohner: 526.395      Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 348 Quelle: dpa/dpaweb
Platz 8 - MünchenAnzahl der privat zugelassenen PKWs: 483.451   Einwohner: 1.382.273   Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 350 Quelle: obs

Straßenbelag frisst Abgase

Eine stark befahrene Straße in Chicago leistet seit wenigen Monaten noch Erstaunlicheres: Ihr Bodenbelag frisst buchstäblich die Abgase, die der über sie rollende Verkehr produziert. Scheint die Sonne auf die Fahrbahn, lösen winzig kleine Partikel aus Titanoxid, die dem Asphalt beigemischt sind, chemische Reaktionen aus. Stickstoffoxide aus Autoabgasen, die beim Menschen zu Lungenschäden führen, verwandeln sich dann in gesundheitsneutrale Salze. Die spült der nächste Regen weg.

Entwickelt hat den Asphalt der italienische Baustoffkonzern Italcementi. Versuche des Unternehmens ergaben, dass die beschichtete Straße bis zu 85 Prozent der Abgase in Bodennähe abbaut. Laut dem Chicagoer Umwelt- und Nachhaltigkeitsreferat kostet die 14 Millionen Dollar teure Strecke sogar rund ein Fünftel weniger als herkömmliche Bauprojekte.

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