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Vernetzte Fahrzeuge Konzerne beginnen Autofahrer zu bevormunden

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So lässt sich der Fahrer ausbremsen

Gas geben zwecklos: Kommunen wollen das Tempo künftig vollautomatisch auf 30 Kilometer pro Stunde begrenzen. Quelle: dpa

Zugleich aber ist die Freude am Fahren in Gefahr. Denn die Technik ermöglicht auch eine bisher ungekannte Gängelung und Bevormundung des Autofahrers. Erste Beispiele zeigen, wohin die Reise geht:

  • Schon heute kann zum Beispiel der Autohersteller Renault seine Elektrofahrzeuge über Funk stilllegen, wenn der Nutzer die monatliche Leasingrate nicht bezahlt.
  • In Wohngebieten wollen Kommunen das Tempo künftig vollautomatisch auf 30 Kilometer pro Stunde begrenzen. Der Fahrer kann dann so viel Gas geben, wie er will. Dass das funktioniert, belegen erste Feldversuche, etwa in den Niederlanden.
  • Bei Reparaturen während der Garantie kann der Hersteller die geheimen Datenspeicher des Fahrzeugs auslesen und die Kostenübernahme ablehnen, weil der Besitzer das Auto zum Beispiel überladen hat.
  • Viele Navigationssysteme speichern Ort, Tempo und Zeit, auch wenn der Fahrer sie ausgeschaltet hat. Und das über bis zu 3000 Kilometer. De facto wird das Navi so zum lange geforderten, aber umstrittenen Unfalldatenschreiber. In den USA nutzt die Polizei immer wieder diese Daten, um etwa das Alibi von Verdächtigen zu prüfen. Von der Freiheit der Straße bleibt nicht viel.

Schon heute erheben, speichern und werten Autobauer im Verborgenen eine Vielzahl elektronischer Daten über Fahrer und Fahrverhalten aus. James Farley, US-Marketingchef von Ford, plauderte auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas Anfang des Jahres aus, was seinen Chefs die Gesichtszüge gefrieren ließ: „Wir kennen jeden, der die Gesetze bricht. Wir wissen, wann sie es tun.“ Einen Tag später musste er zurückrudern und beteuerte, dass Ford seine Kunden nicht ausspioniere. Doch die Empörung war groß.

VW-Chef Martin Winterkorn:

VW-Chef Martin Winterkorn mahnte denn auch Anfang März auf der Computermesse Cebit, „das Auto dürfte keine Datenkrake werden“. Er forderte die Selbstbeschränkung seiner Branche. Doch viele Fahrzeuge sind schon heute Datenschleudern. Nur ihre Besitzer ahnen meist nichts.

Datenschutzprobleme sehen Automanager wie Wolf-Henning Scheider, der die Autosparte beim Elektronikkonzern Bosch leitet: „Wir müssen Funktionen anbieten, deren Nutzen für die Käufer klar größer ist als mögliche Risiken.“ Er ist sicher, dass das gelingt: „Ein vernetztes Auto ist immer auch ein besseres Auto“, schwärmt er.

Ob aber die Autofahrer mitspielen und ihre Daten preisgeben, ist mehr als fraglich. Denn für sie steht viel auf dem Spiel: die Faszination des Autofahrens, der Mythos der Freiheit, das sich Wohlfühlen im Wohnzimmer auf vier Rädern. All dem droht aus drei verschiedenen Richtungen Gefahr: durch Behörden, Autohersteller und IT-Konzerne.

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