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Wasserstoffautos Brennstoffzelle reloaded

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Mercedes F-Cell

So viel, dass sich Total, Shell, Daimler & Co. Investitionen in die eigene Zukunft großzügig finanzieren lassen. Die Möglichkeit dazu bietet das vom Verkehrsministerium aufgelegte Programm „Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“. Insgesamt 1,4 Milliarden Euro stehen bis zum Jahr 2013 zur Verfügung. Mit gut vier Millionen Euro etwa haben deutsche Steuerzahler die Berliner Wasserstofftankstelle an der Holzmarktstraße finanziert. Profitiert haben davon Unternehmen wie Linde, der norwegische Mineralölkonzern Statoil und die Total Deutschland.

Fragwürdig ist auch das Beispiel General Motors: Für den bloßen Betrieb von zehn Brennstoffzellenautos streicht der US-Konzern über seine deutsche Tochter Opel mehr als vier Millionen Euro Subventionen ein. Gebaut werden die Autos indes in Kanada.

Sinnvolle Subventionen? „Nein“, sagt Justus Haucap, Professor für Volkswirtschaftslehre und Wettbewerbsforscher an der Universität Düsseldorf. „In der Grundlagenforschung können Subventionen sinnvoll sein, weil sie sich nicht direkt auszahlen“, sagt Haucap. „Aber bei der Brennstoffzellentechnik und auch beim Elektroauto sind die Erfindungen patentierbar und bringen den Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil.“

Tücken der Brennstoffzelle im Griff

Ob subventioniert oder nicht: Für die deutsche Industrie birgt der Brennstoffzellenantrieb enorme Chancen. Bei den Elektroautos ist das Herzstück die Batterie und deren intelligente Steuerung. Bei dieser Technik haben zurzeit asiatische Unternehmen wie Toyota und Honda mit Partnern wie Panasonic gegenüber deutschen Herstellern enormen Vorsprung (WirtschaftsWoche 18/2010).

Bei der Brennstoffzelle gehört Daimler dagegen zur Weltspitze, Know-how und Wertschöpfung finden hier im Land statt. Die Stuttgarter haben wertvolle Erfahrungen gesammelt mit dem Aufbau und Steuerung der sensiblen Brennstoffzelle. Der Maschinenbau-Ingenieur Markus Bachmeier der Münchner Linde-Gruppe, einer der weltweit größten Hersteller von Wasserstoffanlagen, preist die „umfassende Wertschöpfung“. Sie reicht von der Erzeugung und Verflüssigung über die Speicherung und Logistik des Wasserstoffs bis zur Betankung.

Kosten eines Wasserstoffautos um 90 Prozent gefallen

Während das erste Brennstoffzellenauto von 1994 kaum alltagstauglich war, vermitteln Wagen wie der F-Cell von Mercedes oder der FCHV-adv von Toyota heute den Eindruck, als hätten die Entwickler die Tücken der Brennstoffzelle weitgehend im Griff.

Auch die Kosten eines Wasserstoffautos sind seit 2005 um 90 Prozent gefallen. Doch das ist nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Denn 2005 kosteten die Vorgänger der jetzigen Modelle noch bis zu eine Million Euro. Damit die Wasserstoffautos künftig wettbewerbsfähig werden, müssen die Kosten noch einmal um mehr als die Hälfte sinken. „Erst dann ist das Sparpotenzial einer Massenproduktion nutzbar“, sagt Toyotas Chefentwickler Koei Saga.

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