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Neue Top Level Domains Unser Internet soll größer werden

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Auf Domainnamen wie etwa Quelle: dpa

Denn während Bierfans hinter .becks künftig Informationen zu dem Gerstensaft finden könnten, wird man hinter der Endung .bud wohl nicht das beliebteste amerikanische Bier, sondern die Seiten der Stadt Budapest finden.

Erst einmal wird sich der Wettbewerb um die neuen Endungen verschärfen. So gibt es beispielsweise schon jetzt zwei Gruppen, die sich um das Kürzel .koeln bewerben.

Um beliebte Endungen bemühen sich verschiedene Initiativen schon seit Jahren, eines der bekanntesten Beispiele hierzulande ist die Endung .berlin. Auch hier gab es verschiedene Interessenten. „Wir haben gut sechs Jahre auf diesen Punkt hingearbeitet und sind froh, dass wir uns nun endlich für .berlin bewerben können“, sagt Dirk Krischenowski, Gründer und Geschäftsführer von dotBerlin.

Bei den Städte-Adressen ist jedoch gesichert, dass niemand Schindluder damit treibt. „Für den Betrieb einer solchen Top Level Domain braucht man die Zustimmung der Stadt“, erklärt Süme vom eco-Verband. Auch für bekannte Markennamen will die ICAAN sicher stellen, dass die Rechte von deren Inhaber gewahrt werden.

Hohe Kosten erschweren das Domaingrabbing

Das so genannte Domaingrabbing, bei dem Einzelpersonen oder findige Unternehmen bekannte Adressen besetzen, wird schon durch die hohen Kosten erschwert. „Ich denke es wird schwierig für einzelne Unternehmen, bestimmte Begriffe zu monopolisieren“, sagt Süme. Trotzdem sind es gerade Endungen wie .shop, .hotel, oder .bank, um die sich die meisten Bewerber streiten dürften.  

Um zu verhindern, dass einzelne Unternehmen einer Branche sich attraktive Kürzel sichern und Wettbewerber diskriminieren, wird die ICANN wohl Initiativen bevorzugen, die beispielsweise den Rückhalt der entsprechenden Branchenverbände haben.   

So wurde im Sommer 2010 die dotreise GmbH gegründet, um sich für die deutschsprachige Tourismuswirtschaft um die Adresse .reise zu bewerben. Die Schirmherrschaft hat der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) übernommen.

Streit um Domains erwartet

Doch trotz all dieser Maßnahmen erwarten Domainexperten eine ganze Reihe von Streitfällen. ICANN-Chef Thrush räumte ein, dass die Entscheidung auch innerhalb der Regulierungsbehörde umstritten gewesen sei. So sei zu Bedenken gegeben worden, dass neue Adress-Endungen wie .nazi auf Kritik von Staaten und Verbänden stoßen könnten.

Zugleich würden alte Domain-Namen, die wegen der bisherigen Begrenzung des Adress-Systems wertvoll gewesen seien, durch die Freigabe der Endungen entwertet. Auch deshalb habe es mehrere Jahre gebraucht, bis sich Icann zu diesem Schritt entschlossen habe. Eine ausführliche Überprüfung der Anträge über mehrere Monate solle garantieren, dass es nach einer Freigabe möglichst selten zu juristischen Streitereien kommt.

Sieben Fassungen des Bewerberhandbuchs wurden diskutiert. „Sie werden nicht verhindern können, dass im Zuge des komplexen Prüfverfahrens zahlreiche ungeklärte Streitfragen auftauchen und möglicherweise erst nach vielen Jahren von einem Gericht letztverbindlich entschieden werden“, warnen die Experten von „Domain-Recht“ in ihrem aktuellen Rundschreiben. Der Wettbewerb um die Zukunft der Internetadressen ist eröffnet.

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