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Ökologische Treibstoffe Biosprit: Holz für den Motor

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Rohstoff Holz: Weltweites Quelle: dpa

Weit langsamer kommen wegen großer technischer Probleme die Versuche voran, Ethanol aus Holz und anderer Biomasse zu gewinnen. Ethanol kann dem Kraftstoff für Ottomotoren nach einer entsprechenden Umrüstung zu 85 Prozent beigemischt werden, ohne bis zu zehn Prozent. Heute wird diese Art Biosprit zu nahezu 100 Prozent aus Zuckerrohr (Brasilien), Mais (USA) und Getreide (Deutschland) hergestellt.

Dabei wird es auch noch eine Weile bleiben. Zwar hatte das kanadische Unternehmen Iogen bereits vor zwei Jahren großspurig angekündigt, unter anderem gemeinsam mit Volkswagen Großanlagen zu bauen. Dabei ist es aber geblieben. Die Kanadier wollen den Zucker, der zu Ethanol vergoren wird, mittels Enzymen aus dem Holz herauslösen. Das ist weit schwieriger als erwartet. Denn die Natur hat in Jahrmillionen Mechanismen entwickelt, die verhindern, dass zufällig angreifende Enzyme Stämme und Äste in ihre Bestandteile zerlegen. „Die Natur lässt sich nicht so leicht austricksen“, sagt Gunter Festel, Geschäftsführer des Schweizer Unternehmens Butalco, das er mit dem Frankfurter Mikrobiologen Eckhard Boles gegründet hat. Butalco setzt auf ein etabliertes Verfahren, den Aufschluss mit Säuren.

Für die Weiterverarbeitung zu Ethanol (Trinkalkohol) werden klassische Hefen eingesetzt, wie sie Bierbrauer und Schnapsbrenner schon seit Jahrtausenden verwenden. Sie werden allerdings nur mit einer Zuckerart fertig: der Glucose. Die lässt sich leicht aus der Stärke im Getreide herstellen. Der Aufschluss von Holz, Stroh und anderer Biomasse beschert zusätzlich die Zuckerarten Xylose und Arabinose. Um diese zu vergären und die Ausbeute in wirtschaftliche Bahnen zu lenken, sind speziell gezüchtete oder gentechnisch manipulierte Hefen notwendig. Genau die entwickelt Boles.

Parallel dazu arbeitet er mit Hefen, die ein noch größeres Kunststück fertigbringen: Sie wandeln Zucker in Butanol um. Diese Alkoholart kann sowohl Diesel als auch Benzin beigemischt werden. 

Zusätzlicher Vorteil. Butanol zieht kein Wasser an. Ethanol ist ob dieser Eigenschaft bei Motorenbauern wie Tankstellenbesitzern gleichermaßen gefürchtet.

Als Erstes sollen die neuen Hefen in einer 50.000-Tonnen-Anlage eingesetzt werden, die heute Ethanol produziert. Festel schätzt die Produktionskosten auf 40 Cent pro Liter. Damit läge er selbst bei voller Besteuerung unter dem Importpreis für Benzin und Diesel.

In den USA treiben vor allem zwei Unternehmen die Abkehr von Nahrungspflanzen zur Ethanolherstellung voran: Range Fuels in Broomfield/Colorado und Coskata in Warrenville/Illinois (WirtschaftsWoche 5/2008). Sie erzeugen im ersten Schritt mit klassischer Technik – Pyrolyse – aus Biomasse Synthesegas. Coskata setzt darauf Bakterien an, die sich von Wasserstoff und dem für Menschen giftigen Kohlenmonoxid ernähren. Als Verdauungsprodukt entsteht Ethanol. Range Fuels setzt statt auf Bakterien auf einen katalysatorgestützten chemischen Prozess. Beide Projekte sind noch im Forschungsstadium.

Auch Müllermilch ist neuerdings unter die Biosprit-Produzenten gegangen. Nachdem der Milch auch der letzte Inhaltsstoff entzogen ist, der noch als Nahrungsmittel taugt, bleibt eine leicht zuckerhaltige Brühe übrig. Die kann man verfüttern – oder zu Bioethanol vergären. Knapp 10 000 Tonnen, die an Treibstoffhändler verkauft werden, fließen jährlich aus der Anlage im sächsischen Leppersdorf, die im Laufe des Jahres ihre volle Kapazität erreichen soll. Für Milchlaster, die das Werk versorgen, ist der Sprit allerdings nicht geeignet. Die verbrauchen Diesel.

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