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Organspenden "Unnötiger und beschämender Tod"

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Eine Frau hält einen Quelle: dpa

Im Juni soll das Kabinett erstmals über den Entwurf des neuen Transplantationsgesetzes beraten. Bessert sich etwas?

Kirste: Nur zum Teil. Das Problem der Länderzuständigkeit wird nicht angegangen. Immerhin ist vorgesehen, dass jedes Krankenhaus Mitarbeiter benennen muss, die sich mit Transplantationen beschäftigen. Das ist der Erfolgsfaktor des spanischen Systems.

Glauben Sie, dass allein die Benennung von Koordinatoren viel bewirkt?

Kirste: Ja, wenn das – wie in Spanien – richtig umgesetzt wird. Dort sind die Mitarbeiter speziell geschult, auch in der Gesprächsführung. In Deutschland kann es durchaus passieren, dass ein gestresster Chirurg die Angehörigen eines Unfallopfers in einer Fünf-Minuten-Unterhaltung fragt, ob er Organe entnehmen dürfe. Da müssen einem ja die Haare zu Berge stehen. Wenn unsere Koordinatoren an den Gesprächen teilnehmen, dauern sie ein bis zwei Stunden. Das Ergebnis: Nach einfühlsamer Erläuterung des Nutzens einer Organspende stimmen drei Viertel der Angehörigen zu. Ohne unsere Mitarbeiter liegt die Quote bei höchstens 40 Prozent, teils sogar unter 20 Prozent.

Wieso werden in Deutschland überhaupt Verwandte gefragt? Gilt nicht die Regelung: Wer keinen Organspendeausweis hat, kommt als Spender nicht infrage?

Kirste: Nein, es gilt die sogenannte erweiterte Zustimmungslösung. Nur 25 Prozent der Deutschen haben den Ausweis, laut Umfragen sind aber knapp 75 Prozent grundsätzlich zur Organspende bereit. Liegt kein Ausweis vor, werden die Hinterbliebenen gefragt, ob sich der Betroffene jemals zum Thema geäußert hat oder ob sie einschätzen können, wie er sich entschieden hätte.

In Spanien ist jeder Organspender, der nicht explizit das Gegenteil schriftlich fixiert hat. Ist auch das Teil des Erfolgs?

Kirste: Nein, denn auch in Spanien und den meisten anderen Ländern mit Widerspruchsregelung werden die Verwandten gefragt. Nur Singapur verfährt so rigoros, sie nicht mit einzubeziehen.

Der bayrische CSU-Gesundheitsminister Markus Söder will dennoch die Widerspruchsregelung einführen, der frühere FDP-Gundesgesundheitsminister Philipp Rösler lehnt sie ab. Er wirbt dafür, die Bürger besser zu informieren und Broschüren in Bürgerbüros auszulegen. Meinen Sie, das reicht?

Kirste: Aufklärung und Information sind wichtig. Noch wichtiger aber sind strukturelle Verbesserungen des Systems.

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