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Paul Otellini im Interview "Wir sind die Besten"

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Intel investiert pro Jahr fünf Milliarden Dollar in die Aufrüstung der eigenen Werke. Wäre es nicht sinnvoll, ähnlich wie manche Wettbewerber auf eigene Fabriken zu verzichten?

Auf gar keinen Fall. Zum einen wäre kein Auftragsfertiger groß genug, unsere Kapazitäten zu liefern. Zum anderen würde die Marge, die wir dem Auftragsfertiger zahlen müssten, für unsere Aktionäre verloren gehen. Gute Auftragsfertiger wie etwa der taiwanesische Marktführer TSMC kommen auf eine Bruttomarge von 50 Prozent – wir würden ihnen also Geld bezahlen und dadurch weniger an unseren Chips verdienen. Weitere Kosten würden anfallen, weil unsere Design-Abteilung nicht mehr mit der Fertigung verwoben wäre. Für einen Chipkonzern unserer Größe ist es ein Wettbewerbsvorteil, ein integrierter Hersteller mit eigener Entwicklung und eigener Produktion zu sein.

Wo liegt die Umsatzschwelle konkret? 

Die Faustregel lautet: Angesichts der Kosten für den Bau eines Chipwerks benötigen Sie einen Umsatz von sechs Milliarden Dollar bei einer 50-Prozent-Marge, um die Fabrik profitabel zu fahren.

Wegen Wettbewerbsverstößen hat die EU-Kommission im Mai 2009 eine Strafe in Höhe von 1,45 Milliarden Dollar gegen Intel verhängt, im Dezember hat die US-Handelsbehörde FTC eine Kartelluntersuchung gegen Ihr Unternehmen eingeleitet. Was entgegnen Sie Kritikern, die sagen, Intel nehme sauberen Wettbewerb nicht ernst? 

Diese Kritiker irren; ihre Ansichten sind schlicht falsch. Im Falle der EU-Entscheidung wird beispielsweise auch die Sichtweise diskutiert, dass der Ansatz der EU-Kommission beim Wettbewerbsrecht nicht der richtige ist: Die Verfahren seien nicht transparent und in ihrer Zielrichtung fragwürdig. Zudem sei die Kommission Exekutive und Judikative zugleich. Unter der früheren EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes wurden rund zehn Milliarden Euro Kartellstrafen verhängt, der Großteil davon gegen europäische Firmen, nicht gegen Intel und Microsoft. Ich bin mir sicher, dass Intel im Rahmen eines Gerichtsverfahrens von den Anschuldigungen freigesprochen wird.

Kurz vor der FTC-Klage hat Intel einen jahrelangen Patent- und Wettbewerbsstreit mit dem Rivalen AMD beigelegt. Die Einigung beinhaltete eine Zahlung von 1,25 Milliarden Dollar von Ihnen an AMD. Das wirkt oberflächlich so, als bezahlten Sie Geld an einen strauchelnden Konkurrenten, nur um ein Minimum Wettbewerb bei den PC-Prozessoren aufrechtzuerhalten.

Natürlich nicht. Das war eine rein pragmatische Entscheidung. Wettbewerbsprozesse in den USA laufen vor einer Jury ab. Die möglichen Risiken und damit verbundenen Kosten, ein derart komplexes Verfahren zu verlieren und dann jahrelang durch die weiteren -Instanzen zu ziehen, wären viel größer gewesen, als den Streit außergerichtlich beizulegen.

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