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PC-Markt Mini-Notebooks: Kleine Alleskönner

Neue, kompakte Mini-Notebooks mischen derzeit den PC-Markt auf. Die preiswerten Klein-Computer sind alles andere als digitaler Spielkram.

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EeePC 900

Die Anfrage aus dem Hauptquartier des taiwanischen Computerproduzenten Asus löste in der Microsoft-Zentrale Erstaunen aus. Jerry Shen, der PC-Spartenchef von Asus, ließ nachfragen, ob man auch nach dem Vertriebsstart des neuen Betriebssystems Vista noch große Stückzahlen des Vorgängers Windows XP beziehen könnte. Asus arbeite gerade an einer neuen Generation sehr kleiner, extrem preiswerter Notebook-Computer. Für diese EeePC genannten Rechner – das Kürzel steht für „Easy to Learn, Easy to Work, Easy to Play“ – sei Vista überzüchtet, XP aber ideal. Die Antwort aus Redmond, erinnert sich ein Asus-Mitarbeiter an jene Anfrage Ende 2006, „fiel knapp aus: Windows XP gab’s nicht“. Und große Marktchancen habe Microsoft den Mini-PCs auch nicht eingeräumt.

Ein schwerer Irrtum, wie der Softwaregigant inzwischen erkennen musste. Denn der kleine EeePC – kaum größer als eine halbe DIN-A4-Seite und nur gut 900 Gramm leicht – wurde zum Kassenschlager. Seit dem Marktstart im vergangenen Oktober verkaufte sich der knapp 300 Euro teure Winzling weltweit schon rund eine Million Mal. Bis Jahresende sollen mehr als fünf Millionen Stück abgesetzt sein.

Die Erfolgsgeschichte des Minicomputers – handlicher als normale Notebooks, leistungsfähiger als moderne Smartphones – hat die ganze Branche elektrisiert. Lange ist es her, dass eine neue Gerätegattung einen solchen Käuferansturm auslöste. „Wir hätten ein Vielfaches verkaufen können, nur hatte der Hersteller Panasonic nach zwei Bränden Probleme, genug Akkus zu liefern“, klagt EeePC-Erfinder Jerry Shen, der zu Jahresbeginn bei Asus auf den Chefsessel befördert wurde.

Die Käufer begeistern nicht nur das handliche Format der kleinen Laptops und ihr niedriger Preis. Dank ihres integrierten WLAN-Moduls verbinden sich die Minis problemlos mit dem Web-Zugang daheim oder dem schnurlosen Rechnernetz im Büro. Selbst wenn mit der Gehäusegröße auch die Tasten geschrumpft sind, komfortabler als auf dem Mäuseklavier eines Blackberry schreibt es sich darauf in jedem Fall.

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    „Schnell, ohne lange Wartezeit beim Start, ins Netz gehen oder E-Mails verschicken, unterwegs kurze Texte verfassen, ohne den Laptop aus dem Büro mitschleppen zu müssen. Dazu eine lange Laufzeit dank stromsparender Komponenten – das sind die Stärken der kleinen Maschinen“, erklärt Jürgen Rakow die Begeisterung der Käufer für die PC-Winzlinge. Rakow, einst Vorstandschef der PC-Kette Vobis und heute Miteigentümer des Elektronik-Händlers Fukato, bringt bis August drei Mini-Notebooks auf den Markt, darunter einen Eee-PC-Klon für nur noch 199 Euro. 60.000 bis 100.000 Stück seiner Jupiter-Rechner hofft er binnen Jahresfrist zu verkaufen.

    Nicht nur Rakow will von Asus Lieferproblemen profitieren. Von Hewlett-Packard über MSI bis Packard-Bell, haben zahlreiche Hersteller in den vergangenen Wochen eigene Kompaktrechner auf dem Markt gebracht oder vorgestellt. Die Konkurrenz wächst fast täglich. Zuletzt präsentierte Notebook-Primus Acer vergangene Woche auf der Elektronikmesse Computex in Taiwan seinen Aspire One, der im Juli zu Preisen ab 329 Euro in den Handel kommt. Auch Dell-Chef Michael Dell präsentierte schon einen eigenen Winzling. Dessen Marktstart allerdings steht noch nicht fest.

    Asus’ Erfolg mit dem Eee-PC kam so plötzlich, dass die Branche bis heute noch keinen Gattungsbegriff für die neue Rechnergeneration gefunden hat: Mal heißen sie UMPCs (Ultramobile PC), mal MIDs (Mobile Internet Device), mal sind es Netbooks, mal Ultraportables. „Wir haben nicht einmal eine eindeutige Definition für die Geräte“, beklagt PC-Experte Mika Kitagawa vom IT-Beratungshaus Gartner.

    Eines haben die Rechner aber in jedem Fall gemeinsam: eine sparsame Ausstattung. Nach dem Technik-Wettrüsten der vergangenen Jahre ist nun Bescheidenheit im Trend. So glänzte schon das Basismodell des Eee-PC weder mit Spitzenwerten bei Rechenpower noch bei Ausstattung – dafür mit seinem sensationell niedrigen Preis. Den erzielte Asus durch konsequenten Verzicht. So kommt der Monitor nur auf eine Auflösung von 800 x 480 Bildpunkten. Mit nur vier Gigabyte ist auch der Datenspeicher knapper bestückt als so mancher Musikspieler à la iPod Nano. Auch der Arbeitsspeicher von nur 512 Megabyte erscheint in Zeiten von Windows Vista mehr als knapp dimensioniert.

    Neue, kompakte Mini-Notebooks Quelle: dpa

    Auf ein integriertes CD-/DVD-Laufwerk verzichten sämtliche Mini-PC-Produzenten ohnehin mangels Platz: Wer Software von einer CD installieren will, muss deren Inhalt zuvor auf eine SD-Speicherkarte kopieren (ein Lesegerät dafür haben alle Minis) oder ein externes CD-/DVD-Laufwerk kaufen, das sich per USB-Kabel an den Kompaktrechner an-stöpseln lässt.

    Kosten sparte Asus auch durch den Verzicht auf jegliche Software aus dem Hause Microsoft. Denn nach der Abfuhr aus Redmond hatte Asus-Manager Shen eine besonders bedienungsfreundliche Version des lizenzkostenfreien Betriebssystems Linux für den EeePC optimieren lassen. Auch die übrige lizenzkostenfreie Software, darunter die Microsoft-kompatible Bürosoftware OpenOffice sowie der Web-Browser Firefox, half, den Preis zu drücken. Die Bedienbarkeit des Rechners leidet nicht darunter: Wer schon einmal mit Word oder Excel gearbeitet hat, kommt problemlos auch mit deren OpenOffice-Pendants zurecht.

    Es ist die attraktive Mischung aus handlichem Format, einfach bedienbarer Technik und dem aggressiv niedrigeren Preis, mit der Asus nicht nur exakt das Bedürfnis vieler Menschen getroffen hat, denen Computer bisher zu komplex oder zu teuer waren. „Auch ganz unterschiedliche Typen von PC-Nutzern – ob Geschäftsleute oder Teenager – mögen das Gerät“, freut sich EeePC-Erfinder Shen.

    Trotzdem warnen PC-Spezialisten wie Rakow vor überzogenen Erwartungen an die Mini-PCs: „Hier entsteht eher der Trend zum Zweit- und Dritt-PC. Die Mikro-Rechner sind in der Computerwelt so etwas wie der Zweitwagen in der Garage“, urteilt der Fukato-Gründer. „Als vollwertiger Ersatz für Tisch- oder Notebook-Computer taugen die kleinen Maschinen mit ihrer limitierten Technik nicht.“ Schon gar nicht als Spiele-PC: Für solch rechenintensive Aufgaben sind die Prozessoren zu schwach, die Datenspeicher zu klein und die grafischen Darstellungsmöglichkeiten zu begrenzt.

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      Ein Bildschirm mit 800 x 480 Bildpunkten bei nicht einmal 18 Zentimeter Diagonale reicht locker für die Darstellung der angepassten Linux-Bedienoberflächen. Aber beim längeren Surfen im Web vergeht der Spaß. Denn fast alle aktuellen InternetSeiten sind mittlerweile für eine Horizontale mit mindestens 1024 Bildpunkten optimiert. Wer komplexere Web-Angebote trotzdem gut im Blick haben will, muss die Darstellung der Seiten so weit verkleinern, dass die Schrift kaum noch lesbar ist.

      Immerhin, wem die erste Generation der Billig-Rechner zu spartanisch ist, der muss nicht länger warten. Die Industrie spendiert den Mini-Computern einen ersten Leistungsschub. Asus bringt am 26. Juni für knapp 400 Euro die zweite Auflage des EeePCs, das Modell 900, auf den Markt, mit einem Gigabyte Arbeits- und zwölf Gigabyte Datenspeicher. MSI kontert mit dem Modell WIND. Für rund 450 Euro wird das Gerät im Juli mit einer 80-Gigabyte-Festplatte ausgeliefert. Beide Rechner werden Displays mit einer web-tauglichen Auflösung (1024 x 600 Bildpunkten) besitzen.

      Und sie kommen mit dem Betriebssystem Windows XP. Denn um das boomende Rechnergeschäft nicht an den Rivalen Linux zu verlieren, hat Konzernchef Steve Ballmer eingelenkt. Bis zum Start des – dann auch für Mikro-Computer optimierten – Vista-Nachfolgers „Windows 7“ bleibt XP für die Minis lieferbar.

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