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Porsche-Chefentwickler Dürheimer im Interview "Die Welt verändert sich"

Porsche-Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer über Elektroautos und Hybridantriebe, neue Akzente in der Motorenentwicklung und Fortschritte in der Kooperation mit VW und Audi.

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Wolfgang Dürheimer, Forschungs- und Entwicklungsvorstand von Porsche

WirtschaftsWoche: Herr Dürheimer, „Das letzte jemals gebaute Fahrzeug“, sagte Ferry Porsche einmal, „wird ein Sportwagen sein.“ Wird er recht behalten?

Dürheimer: Davon bin ich überzeugt. Auch deshalb, weil ein Sportwagen schon immer die Menschen begeistert hat – ob auf der Straße oder auf der Rennstrecke. Die Faszination eines schnittigen Coupés oder Cabriolets wird auch in Zukunft ungebrochen sein.

Und wie lange wird diese Emotionalität noch vom Verbrennungsmotor abhängig sein?

Der klassische Ottomotor wird uns noch länger begleiten, als sich das heute viele vor-stellen wollen. Denn seine Potentiale sind noch lange nicht ausgereizt. Unsere Motorenentwickler sehen noch viel Spielraum. Fest steht aber auch: Der Elektromotor wird in den nächsten Jahren für Furore sorgen.

Sind Sie mit dem e-Ruf, jenem elektrogetriebenen Elfer von Alois Ruf, schon gefahren?

Ja, Herr Ruf hat mir das Vergnügen ermöglicht. Das ist in der Tat ein sehr interessantes Fahrzeug, ein echter Technologieträger. Hut ab vor dem, was mein Landsmann aus dem Allgäu da auf die Räder gestellt hat.

Warum baut Porsche nicht selbst so ein Auto?

Ganz einfach: es lässt sich für uns wirtschaftlich derzeit nicht darstellen. Jedes Projekt muss bei uns bestimmte Stückzahl-Erwartungen erfüllen, damit es den Entwicklungsaufwand wieder einspielt. Wir sehen derzeit nicht genügend Kunden, die bei Verlust an Reichweite und Ladevolumen bereit wären, einen exorbitant hohen Preis für einen solchen Elektro-Porsche zu zahlen.

Im Klartext: Sie sehen derzeit keinen Markt für einen elektrogetriebenen Sportwagen?

Nur einen sehr kleinen, der von Spezialisten wie von Herrn Ruf besser bedient werden kann.

Leidet die Emotionalität eines Sportwagens unter dem Elektroantrieb?

Wenn die Basis des Fahrzeugs wie beim e-Ruf ein 911 ist, sicher nicht. Der Wagen hat eine unvermindert starke Ausstrahlung. Allerdings ist die Alltagstauglichkeit des Autos durch die Kapazität der Batterie stark eingeschränkt. Es ist allerdings gewöhnungsbedürftig, wenn ein Sportwagen mit einem leisen Surren vom Hof rollt. Das hat wenig Sexappeal.

Elektrogetriebener Porsche vorstellbar

Aber einen elektrogetriebenen Porsche könnten Sie sich prinzipiell schon vorstellen?

Ja, sehr gut sogar.

Wenn es Batterien und Elektromotoren gibt, die Fahrleistungen darstellen können, wie man sie heute von einem Porsche kennt?

Sehen Sie, Porsche-Sportwagen schaffen schon heute bis zu 1.000 Kilometer mit einer Tankfüllung. Ein Elektroauto mit einer solchen Reichweite werden Sie und ich möglicherweise nicht mehr erleben, unsere Kinder schon eher. Aber ich denke, dass es in Zukunft Elektroautos geben wird – möglicherweise auch von Porsche – die den individuellen Fuhrpark sinnvoll ergänzen. Ein solches Fahrzeug käme dann beispielsweise bei Stadtfahrten zum Einsatz. Aber eine flotte Reise von München nach Hamburg – nein, da müssten Sie viel zu häufig an die Steckdose. Trotzdem: Mich als Ingenieur faszinieren die vielfältigen Möglichkeiten und neuen Perspektiven eines Elektromotors.

Der gefiel ja in seiner Frühzeit auch dem Porsche-Gründer: Im Jahr 1900 trat Ferdinand Porsche auf der Weltausstellung in Paris mit einem Elektrowagen ins Rampenlicht.

Sehen Sie, wir haben auf diesem Feld durchaus Kompetenz (lacht).

Für die Weiterentwicklung der Elektroautos dürfte aber die Zusammenarbeit mit dem VW-Konzern wichtiger sein, oder?

So ist es. In den Bereichen Forschung und Vorentwicklung – und da gehören die benötigten Stromspeicher derzeit noch hin – haben wir große Synergiepotenziale. Auch und gerade auf diesem Feld sehe ich große Chancen, zusammen mit VW langfristig der innovativste und schlagkräftigste Technologiekonzern in der Automobilindustrie zu werden.

Bis dahin arbeiten sie auch an der Optimierung der Verbrennungsmotoren. Mehr Leistung, weniger Verbrauch, lautet da bis heute Ihre Devise. Warum nicht: Genauso viel Leistung, viel weniger Verbrauch?

Sicher könnten wir noch höhere Verbrauchsreduzierungen erzielen, wenn wir den Hubraum konstant halten würden. Aber das Porsche-Klientel hat mehrdimensionale Ansprüche an uns: weniger Verbrauch – sehr gut, aber bitte doch auch etwas mehr Leistung und Performance als das Vorgängermodell. Diesen Spagat haben wir zu meistern.

Ist das noch zeitgemäß?

Wir haben uns mit dieser Frage vor und während der Entwicklung unserer neuen Motorengeneration intensiv befasst. Auch wir wissen, was die Stunde geschlagen hat.

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