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Radfahren E-Bikes erobern die Radwege

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Mit dem Display lässt sich auch die Unterstützungsleistung des Motors bei E-Bike regulieren

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungs-wirtschaft hingegen zeigt sich ungeduldig und verweist auf die Unfallrisiken, etwa durch Aufpralle von Pedelecs auf Autos. Eine Ansicht, die der Allgemeine deutsche Fahrrad-Club ebenso wenig teilt wie der ZIV. Der Anteil von Pedelecs, die Geschwindigkeiten jenseits der 40 Kilometer pro Stunde erreichen, läge bei unter fünf Prozent und sei mithin zu vernachlässigen. Die handelsüblichen Pedelecs jedoch unterstützten den Radfahrer nur bis zu Geschwindigkeiten von 25 Kilometer pro Stunde – und würden deswegen weiterhin als Fahrräder gelten, die keine Helmpflicht oder ein Verbot auf den Radwegen erforderten.

Die Tourismusindustrie ist auf den Zug bereits aufgesprungen. Zahlreiche Urlaubsgebiete haben ein Netz von Verleihstationen aufgebaut, wo die Touristen nicht nur die vergleichsweise schweren Räder tageweise mieten, sondern bei einer längeren, stromzehrenden Tagestour die Akkus wechseln können, um auch den Rückweg mit sanfter Unterstützung zurückzulegen – denn die Reichweite ist, abhängig auch vom jeweiligen Muskeleinsatz und dem Alter des Akus, oft nur auf einige Dutzend Kilometer beschränkt.

Mit Strom von der Solaranlage auf dem Dach der Berghütte natürlich. Höchstens zwei Kilowattstunden pro 100 Kilometer, das bedeutet Kosten von rund 40 Cent. Werden die Preise für die oft nur einige Hundert Ladezyklen haltenden Akkus berücksichtigt, steigen die Kosten auf mehr als drei Euro pro 100 Kilometer.

Stromnetz in den Bergen

Einer der führenden Dienstleister ist das Bad Reichenhaller Unternehmen Movelo. Seit 2006 bietet es in Zusammenarbeit mit dem Schweizer E-Bike-Hersteller Flyer den Tourismusregionen an, die nötige Infrastruktur mit aufzubauen, von Ladestationen bis zu Fahrrädern. Zielgruppe: der „Nicht-Radfahrer“. Zum Beispiel die junge Mutter, die mit ihrem Kind nicht die Hügel hinaufstrampeln will, während Papa behelmt und in kurzer Hose mit seinem normalen Mountainbike sich schwitzend die Anstiege hinaufarbeitet.

Ein Werbevideo skizziert diese Wunschwelt: Der Mountainbiker kriecht mit verhärteter Wade durch die Wiesen, und die Mutter flitzt mit dem Kind im Rücken, die Haare im Wind, durch die Wiesen, nimmt schwungvoll kleine Buckel und überholt am steilen Anstieg schließlich den Mountainbiker – der daraufhin erschreckt ins Schwanken kommt. Die Hackordnung auf dem Radweg wird auf den Kopf gestellt.

Movelo hat 2006 mit 30 Elektrofahrrädern im Berchtesgadener Land begonnen, 2011 sollen 4500 Räder in Kooperation mit 1000 Partnern in Deutschland, der Schweiz und Österreich an die Kunden verliehen werden. In der Steiermark setzt die Tourismusbranche dieses Jahr erstmals auf das E-Bike als zusätzliche Attraktion. Noch sei es etwas, das den Gästen extra angeboten werden müsse, aber Ernst Kammerer, Geschäftsführer des Tourismusverbands Ausseerland-Salzkammergut, ist sich sicher: „Die Gäste werden künftig von sich aus danach verlangen.“ Um einen ersten Pflock einzuschlagen, habe man nun für das E-Bike geworben, „in zwei Jahren wäre es sonst zu spät“, um sich einen Ruf als E-Bike-Region zu sichern. Seit Langem schon sind Mountainbike-Pfade ausgewiesen, bislang waren die Wege aber nur für trainierte Radfahrer interessant, jetzt kommt ein Netz von Verleih- und Akkuwechselstationen hinzu, das mit der gleichen Technik arbeitet wie in der Nachbarregion und so vor den Toren Salzburgs über einen Radius von 50 Kilometern Strom sicherstellt, ehe es etwa im Chiemgau an ein konkurrierendes Stromfürstentum stößt. „Nun können auch Genussradler dabei sein“, sagt Kammerer, „für die es bislang frustrierend war, in der hügeligen Landschaft zu fahren.“

Vor allem bei Paaren vermutet Kammerer Potenzial. Denn selten seien Frau und Mann gleichermaßen fit, Anlass für Krach im Urlaub: Entweder fühle sich der eine gehetzt, oder der andere habe das Gefühl, ständig gebremst zu werden. Was im Flachland vielleicht nicht so ins Gewicht falle, löse auf Strecken mit Höhenunterschied schnell Ehekonflikte aus.

Mit der Miete für das Rad seien auch sämtliche weitere Kosten bezahlt, Komfort ist oberstes Ziel. Gleichzeitig würden sich für Radfahrer neue Optionen bieten. Die beliebtesten Radwanderwege, zum Beispiel entlang der Donau, könnten mit E-Bikes auch von untrainierten Fahrern stromaufwärts locker bewältigt werden.

Mountainbike-Fahrer jedoch, die auf ihren Touren über Felsbrocken und Baumwurzeln unter sich sein wollen, finden auch künftig ihre Reviere. So wirbt das Grödental in den Südtiroler Dolomiten seit dieser Saison für den Freeride-Trail, der auf 2140 Höhenmetern seinen Startpunkt hat. Auf der 2,7 Kilometer langen Fahrt, die über 550 Höhenmeter geht, haben die Mountainbiker den Weg exklusiv für sich und können sich ohne Angst vor Kollisionen mit Wanderern die Berge hinabstürzen. Ein Komfortabenteuer, das schon beim Aufstieg beginnt: Dafür steht dieCiampinoi-Seilbahn bereit, die Rad und Fahrer bequem nach oben befördert.

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