WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Raubzüge im ICE Die dreiste Masche der erpresserischen Datendiebe

Seite 2/2

Laptop zurück für 90.000 Euro

Sie boten Müller die Rückgabe des Laptops gegen eine Lösegeldzahlung in Höhe von 90 000 Euro in bar. Müller sah keine andere Wahl und zahlte. Rechtsanwälte unterliegen der Schweigepflicht. Wenn vertrauliche Dokumente durch den Diebstahl des Laptops in fremde Hände fallen, kann das mit Entzug der Zulassung und einer Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden.

Die Opfer zu erpressen bringt also offenbar mehr Geld, als gestohlene Daten weiter zu verkaufen. „Wir beobachten einen Anstieg von Erpressungsfällen“, sagt Alexander Geschonneck, Leiter Forensic bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Zumal viele Manager überraschend sorglos sind: „Wenn ich sehe, wie viele Laptops während der Kaffeepausen bei großen Konferenzen unbeaufsichtigt in Hotelsälen zurückgelassen werden, dann handeln viele grob fahrlässig“, sagt der Karlsruher Strafverteidiger Matthias Klein.

Die dümmsten Passwörter der Welt
"Dadada"Nein, die Rede ist hier nicht von dem Neue-Deutsche-Welle-Song von Trio, sondern dem Passwort des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg in Netzwerken wie Twitter, LinkedIn und Pinterest - zumindest wenn man den Hackern Glauben schenkt, die im Anfang Juni 2016 mehrere seiner Profile gehackt haben. Beim Foto-Dienst Pinterest gelang es den Hackern mithilfe des Passworts, das sie nach eigener Auskunft in den gestohlenen des Karriere-Netzwerks LinkedIn gefunden haben, den Profiltext für kurze Zeit durch den Text „gehackt vom OurMine Team“ zu ersetzen. Bei Twitter gab es eine verdächtige Aktivität auf Zuckerbergs Account mit dem Namen „@finkd“, in dem er seit Januar 2012 nichts mehr veröffentlicht hatte. Und bei Pinterest wurde das angebliche Passwort sogar öffentlich gemacht: "dadada". Damit wählte der Facebook-Entwickler scheinbar nicht nur ein ziemlich simples Passwort (übrigens nicht besser als "12345" oder "password"), sondern benutzte das Passwort gleich für mehrere Profile - ebenfalls absolute No-Gos, die aber immer wieder vorkommen, wie die folgenden Beispiele zeigen. Quelle: Screenshot
Simple Zahlen- oder BuchstabenfolgenSicherheitsforscher des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) haben 2015 fast 35 Millionen geraubte Identitätsdaten aufgespürt. Wie die Potsdamer Sicherheitsforscher anhand der gesammelten Daten analysierten, stehen bei den Internetnutzern in aller Welt immer noch Zahlenreihen oder Zeichenfolgen auf der Tastatur (z.B. qwerty auf der amerikanischen Tastatur) an der Spitze der Beliebtheitsskala bei Passwörtern. Gern werden auch Vornamen oder andere simple Begriffe verwendet, etwa das Wort "password". "Unangefochten weltweit auf Platz 1 liegt leider nach wie vor die Zahlenreihe 123456, obwohl automatische Cracker solche simplen Passwörter als erstes und blitzschnell ermitteln", sagte HPI-Direktor Christoph Meinel. Dass Passwörter dieser Art überhaupt nicht sicher sind, ändert nichts an ihrer Beliebtheit: Schon 2014 wurden mehr als 3,3 Millionen Passwörter geknackt, auf dem ersten Platz landet auch da schon "123456". Auch wenn die Länge variiert wird, hilft das nicht: Auf dem dritten und vierten Platz finden sich "12345" und "12345678". "123456789" landet auf Rang sechs, gefolgt von "1234" auf Platz sieben. Auf Rang elf liegt "1234567". Nachfolgend ein Überblick der meistgeknackten Passwörter 2014: Quelle: dpa
Passwort: "Password"Wer sich für ganz schlau hält und einfach "password" als Zugangscode verwendet sei hiermit gewarnt: Die vermeintlich simple und sichere Lösung liegt auf Rang zwei der meistgeknackten Passwörter. Quelle: dpa
FantasiewörterSie denken sich, kein Mensch weiß was "qwerty" ist? Falsch gedacht. Die Buchstabenfolge, die auf einer amerikanischen Tastatur nebeneinander liegt, landet auf Platz fünf. Auf deutschen Tastaturen wäre es übrigens "qwertz". Quelle: REUTERS
Das sportliche PasswortSport-Fans müssen sich etwas besseres einfallen lassen, als nur den Namen ihrer Lieblingssportart: Auf Platz acht der meistgeknackten Passwörter landet "baseball". Quelle: AP
Mystische GestaltenAuch Drachen-Fans gibt es einfach zu viele. Das Passwort "dragon" ist jedenfalls alles andere als originell. Es findet sich auf Rang neun. Quelle: REUTERS
Sport, die zweiteAnhänger des Football sind auch nicht besser dran als Baseball-Freunde: Das Passwort "football" findet sich auf Rang zehn der gehackten Zugangsdaten. Quelle: AP

Marco Gercke, Chef des Cybercrime Research Institute, ist überzeugt, dass es in Zukunft noch mehr Erpressungen im Cyberraum geben wird: „Das Risiko einer Identifikation ist für die Täter aufgrund der anonymen Kommunikations- und Zahlungsverfahren deutlich geringer.“ So nehmen die Cybererpresser auch Unternehmen ins Visier.

Ende Oktober bombardierten bisher Unbekannte die Web-Server der Münchner Fidor Bank und des Düsseldorfer IT-Dienstleisters Sipgate mit so vielen Anfragen, dass sie unter der Last zusammenbrachen.

Sodann meldeten sich die Übeltäter per Mail bei den Geschädigten mit den Worten: „Hallo, wie Sie hoffentlich festgestellt haben, haben wir Ihre Web-Seite für fünf Stunden offline genommen. Wir geben Ihnen bis 13 Uhr Zeit, sich bei uns zu melden zwecks Zahlungsvereinbarung.“

Millionen für Erpresser

Die beiden Unternehmen entschieden, die Polizei einzuschalten und nicht zu zahlen. Anschließend rollte eine noch größere Anfragewelle auf die beiden zu. Andere Unternehmen geben deshalb lieber klein bei, erstatten keine Anzeige und zahlen.

Selbst ein in Bayern ansässiges Dax-Unternehmen, berichten Sicherheitsexperten, habe erst kürzlich einem Erpresser nachgegeben. Der hatte die Kontrolle über einen Server der Firmen-Web-Seite übernommen und gedroht, den gesamten Verkehr auf eine originalgetreu gefälschte Homepage umzuleiten. Das Unternehmen konnte zwar das Lösegeld etwas herunterhandeln, am Ende flossen aber mehr als zwei Millionen Euro.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Mitunter nehmen die Erpressungsversuche bereits mafiöse Konturen an. Systemadministratoren, das sind die Experten in den Unternehmen mit den umfassendsten Zugriffsrechten auf die IT-Systeme, bekamen schon anonyme Päckchen, die einen USB-Stick mit einem Spionageprogramm enthielten. Er möge den USB-Stick in seinen Rechner stecken, forderte ein Absender einen Empfänger auf, wenn ihm an der Gesundheit seiner Kinder gelegen sei. „Solche Fälle hat es auch in Deutschland schon gegeben“, sagt ein Sicherheitsberater. „Aber das wird kein Unternehmen zugeben.“

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%