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Raumfahrt Wie Europa von der Krise der Nasa profitieren kann

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Das Spaceshuttle Endeavour bei Quelle: dpa

In seinem Büro in der vierten Etage eines schmucklosen Plattenbaus am DLR-Standort in Köln-Porz gibt sich der deutsche Raumfahrtmanager selbstbewusst und verweist auf das Know-how in der Weltraumforschung. Prototyp für neue Kooperationen ist das Programm Exo-Mars gemeinsam mit der Nasa, das die Erkundung des Mars zum Ziel hat. Die Rakete liefern die USA, das Raumschiff die Europäer und die Instrumente beide gemeinsam. Ein Beispiel von vielen Technikbereichen, in denen Wörner Europa und speziell Deutschland zur Weltspitze zählt:

Robotik: Das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB entwickelt im Auftrag der Europäischen Raumfahrtagentur Esa einen Mondlanderoboter, der in die Lücke stoßen könnte, nachdem die Nasa ihre Mondmission 2020 gestoppt hat. Noch aber sind Details des Projektes Next Lunar Lander geheim.

Erdbeobachtung und Klimaforschung: Auch für Erkundungsmissionen zum Mond oder Mars haben deutsche wie europäische Ingenieure einzigartige Technik entwickelt. Dabei profitieren sie von ihrer Erfahrung bei der Erdbeobachtung – etwa mit dem Erdforschungssatelliten Smos, dem zweiten seiner Art, den die Esa Ende vergangenen Jahres in Nordrussland ins All geschickt hat. Smos wird bei der weltweiten Überwachung des Klimawandels eine entscheidende Rolle übernehmen.

Hilfe benötigen die Amerikaner nicht nur von DLR und Esa: „Moskau, wir haben ein Problem“, funken die USA derzeit auch nach Russland. Denn alleine die für alle Weltraumfragen zuständige Staatsholding Roskosmos verfügt nach dem Auslaufen der Spaceshuttle-Flüge über eine 50 Jahre alte erprobte Technik, die den Transport von Material und Menschen ins All sicherstellen kann. In diesem Jahr schickte Roskosmos bereits vier Proton- und eine Sojus-Rakete ins All. Voriges Jahr gab es 21 Starts vom Weltraumbahnhof Baikonur, der auf kasachischem Gebiet liegt. Die Russen sind Marktführer bei Raumtransporten, egal, ob für die Europäer, die USA oder andere Länder – und sie werden es auch bleiben, solange die chinesischen Pläne fürs All noch in den Kinderschuhen stecken.

Langer Marsch ins All

Ob die Nasa nach dem Ende des Shuttle-Programms Zugang zu weiteren russischen Kapazitäten bekommt, wird vom Preis abhängen. Der aktuelle Vertrag der Nasa läuft bis 2012. Im letzten Jahr der Laufzeit lassen sich die Russen vier Starts mit rund 220 Millionen Euro bezahlen.

Ihre Verhandlungsposition ist günstig, um der Nasa ab 2013 noch mehr Geld aus dem Budget zu pressen. Anatoli Perminow, der Chef von Roskosmos, warnte kürzlich, dass sich die Preise für Flüge zur Raumstation ISS künftig „vollständig ändern“ werden: Nicht mehr nur die Transportkosten sollten eingepreist werden, so Perminow, auch ein Beitrag zur Entwicklung der russischen Raumfahrt müsse berücksichtigt werden. Denn auch die will sich nun für das Abenteuer Mars rüsten.

Doch nicht nur Europäer und Russen wittern Morgenluft. Mit der Schwäche der USA sehen auch die Chinesen ihre Chance gekommen: Statt eines Amerikaners soll 2020 ein Chinese auf dem Mond landen, so das Ziel der Pekinger Regierung. Für China ist das Weltraumprogramm vor allem eine Frage des nationalen Prestiges. Ob in der Wirtschaft, bei der Forschung oder eben bei der Raumfahrt – das Maß aller Dinge sind für die KP-Führer die Vereinigten Staaten. Die gilt es zu schlagen.

Die Fortschritte der Chinesen können sich sehen lassen. 2003 war China nach der Sowjetunion und den USA das dritte Land, das einen Menschen mit der Rakete Langer Marsch und dem Raumschiff Shenzhou 5 in den Weltraum brachte. 2011 oder 2012 schon könnten die Chinesen ein einfaches Weltraumlabor ins All bringen und ein Andockmanöver zweier Raumfahrzeuge vornehmen.

Auch Pekings Fernziel ist der Mars. Bisher sind die Chinesen bei der Mondmission auf russische Technologie angewiesen. Doch „eigentlich ist China inzwischen fähig, den Mars selbstständig zu erforschen“, glaubt Ye Peijian, Chefdesigner des ersten chinesischen Mondsatelliten.

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