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Raumfahrt Wie Europa von der Krise der Nasa profitieren kann

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Der Marsroboter Spirit in in Quelle: dpa/dpaweb

Sicher ist: Für die Amerikaner, einst Gewinner des Wettlaufs zum Mond, brechen schwere Zeiten an. Wenn die US-Spaceshuttles, nach dem letzten Flug der Raumfähre Endeavour, Ende September nach 29 Jahren Dienst stillgelegt werden, endet eine Ära.

Die Nasa hat dann kein eigenes Transportmittel mehr, um Material und Astronauten zu der maßgeblich vom amerikanischen Steuerzahler finanzierten International Space Station (ISS) zu bringen. Dabei hatte Bush 2004 nach dem Absturz des Spaceshuttle Columbia die Nation noch auf die Rückkehr zum Mond bis 2020 und von dort aus zur Expedition zum Mars eingeschworen.

Doch das auf 108 Milliarden Dollar kalkulierte Constellation-Programm – das gesamte Apollo-Programm kostete umgerechnet etwa 125 Milliarden Dollar – kam wegen technischer Probleme und heftiger Grabenkämpfe um die richtige Technologie nie in die Gänge. Statt weiter Milliarden in das Prestigeprojekt seines Vorgängers zu buttern, zieht Obama die Reißleine.

Der nach dem Wegfall von Shuttle- und Constellation-Programm verbleibende Rest-Etat der Nasa wird zwar um sechs Milliarden Dollar in den nächsten fünf Jahren aufgestockt. Zugleich aber steht der Nasa ein radikaler Strategiewechsel bevor: Statt alle Projekte selbst zu betreiben, soll sich die Behörde künftig mehr um das Entwickeln und Fördern neuer Technologien kümmern und nicht so sehr um den Transport von Menschen und Material. „Was wir brauchen, sind neue Technologien, die alles Dagewesene in den Schatten stellen“ fordert Nasa-Chef Charles Bolden. Zum Beispiel Tankstellen und Depots im All, an denen Raumschiffe andocken könnten.

Nicht nur beim Transport – sogar bei der bemannten Raumfahrt selbst setzt Obama auf ein Konzept, das eigentlich das Credo seiner politischen Konkurrenz von den Republikanern ist: Statt des Staates soll die Privatwirtschaft vorangehen. Nach den Erfolgen von US-Unternehmern in Internet und Biotechnologie sollen sie, wenn Obama sich durchsetzt, jetzt ihre Kreativität auch im All austoben.

Heftige Grabenkämpfe

Als erste Folge von Obamas Schwenk hat die Nasa bereits im Februar rund 50 Millionen Dollar bereitgestellt, um eine kommerzielle bemannte Raumfahrt zu stärken: Nutznießer ist unter anderem die Sierra Nevada Corporation. Sie erhält 20 Millionen Dollar, um das Raumfahrzeug Dream Chaser zu bauen, das sieben Personen Platz bieten und später mit der Atlas-V-Rakete gestartet werden soll. Boeing wiederum kassiert 18 Millionen Dollar für die Entwicklung eines Raumfahrzeuges, das mit bestehenden US-Raketensystemen wie der Atlas starten soll und auf den Erfahrungen der Gemini-, Apollo- und Skylab-Programme aufbaut.

Neben dem Rüstungskonzern Lockheed Martin und Boeing rüsten sich sogar zwei prominente Internet-Unternehmer für die Eroberung des Alls. Einerseits der Milliardär Jeff Bezos, der Gründer des Online-Handelsimperiums Amazon. Mit seiner Firma Blue Origin werkelt er seit 2000 im Verborgenen in einem Hangar nahe Seattle an einer Weltraumfähre namens New Shepard. Von der Nasa hat Bezos’ Firma bereits einen Auftrag in Höhe von 3,7 Millionen Dollar zum Entwickeln neuer Sicherheitstechnologien für die bemannte Raumfahrt erhalten.

Mit ihm konkurriert der 38-jährige Südafrikaner Elon Musk, der sein Vermögen mit dem Verkauf des Online-Bezahldienstes Paypal begründete. Der Multiunternehmer und Multimillionär finanzierte unter anderem den Elektrosportwagen-Hersteller Tesla Motors und die Solar-Installationsfirma Solar City. Sein besonderes Steckenpferd aber ist das Weltall. Rund 100 Millionen Dollar hat er in seine Firma SpaceX gesteckt, die bereits einen 1,6 Milliarden Dollar schweren Auftrag von der Nasa zur Beförderung von Material ins All erhalten hat.

Um aber nicht gänzlich in Abhängigkeit Russlands zu geraten, bis die Technik fertig entwickelt ist, sinnt Senator Bill Nelson, ein Parteifreund von Obama, auf einen Kompromiss. So könnte der Präsident die Pension des Spaceshuttles am 15. April hinauszögern und den politischen Schaden durch das Kappen des Mondprogramms vorerst begrenzen. Vor allem am Shuttle-Standort Florida. Dort sind 9000 Arbeitsplätze durch die Ausmusterung der Raumfähren bedroht.

John Shannon, Chef des Spaceshuttle- Programms, hat schon mal die Kosten dafür ausgerechnet. „Wir bräuchten ungefähr 200 Millionen Dollar im Monat dafür“, sagt er.

Geld, das Obama nicht hat.

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