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Roboter Befreite Maschinen

Auch die Werkhallen erreicht eine neue Welle der Automatisierung.

Seit vergangenem Herbst arbeiten Mechaniker im Volkswagen-Motorenwerk Salzgitter mit einem mannshohen Roboterarm quasi Hand in Hand. Quelle: dpa

Ein Roboter als Kollege, das klingt nach Science-Fiction. Im Volkswagen-Motorenwerk Salzgitter ist es Alltag: Seit vergangenem Herbst arbeiten hier Mechaniker mit einem mannshohen Roboterarm quasi Hand in Hand. Der metallene Helfer steckt Glühstiftkerzen in schwer zugängliche Bohrlöcher von Otto- und Dieselmotoren – der Mensch klebt die Stelle zu.

UR5, so der Name des schlauen Arms, darf Menschen so nahe kommen, weil er anderen Maschinen in einem wichtigen Punkt voraus ist: Er erkennt mithilfe von Sensoren, wenn ihm Wesen aus Fleisch und Blut in die Quere kommen und hält inne. Darum braucht der Roboter, anders als sonst, keinen Sicherheitszaun – und Kollege Mensch keine Schutzkleidung.

Wie ein Kind

„Wir befreien Roboter aus ihren Käfigen“, verkündet Esben Østergaard, Mitgründer des dänischen UR5-Herstellers Universal Robots. 2.500-mal hat er den smarten Arm schon verkauft – auch, weil der mit 22.000 Euro weit weniger kostet als herkömmliche intelligente Maschinen. Neue Aufgaben lernt er wie ein Kind, indem ein Mensch ihn per Hand führt.

Preiswert, leicht bedienbar, handzahm: Mit diesen Vorzügen erobern neue Roboter wie der UR5 oder sein Kollege Baxter vom US-Hersteller Rethink Robotics derzeit die Werkhallen. Dank winziger Sensoren, drahtlosem Internet und intelligenter Software sind sie vielseitiger denn je.

Wie Roboter den Alltag erleichtern
Krankenpfleger Ein Roboter CARE-O-bot, der vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung entwickelt wurde, versorgt eine Bewohnerin eines Pflegeheims mit einem Getränk (undatiert). Auch dieser Roboter unterstützt ältere Menschen im häuslichen Umfeld und das Pflegepersonal in Pflegeeinrichtungen. Quelle: dpa
Der KochBremer Forscher präsentierten 2013 den Roboter „PR2“, der Popcorn machen und Pfannkuchen wenden kann. Das nötige Vorwissen habe sich dieser unter anderem aus dem Internet geholt, sagte Professor Michael Beetz von der Universität Bremen. Sein Team arbeitet zusammen mit sieben europäischen Partnern in einem auf vier Jahre angelegten Projekt an lernfähigen Robotern. Ziel sei es, diese neue Form der Programmierung zunächst bei Robotern anzuwenden, die alte und pflegebedürftige Menschen bei einfachen Aufgaben unterstützen. Diese könnten in den nächsten zehn Jahren einsatzbereit sein. Quelle: dpa
Der BarkeeperDer Roboter "James" des Münchener Fortiss-Institutes für Hightech-Forschung in München (Bayern) ist als Barkeeper programmiert und soll bei einer Interaktion mit Menschen seine Aufgaben nicht nur richtig erledigen, sondern dabei auch auf die sozialen Bedürfnisse seines Gegenübers eingehen. Wer sich bei James bedankt bekommt die Antwort: "Always a pleasure". Quelle: dpa
KuschelrobbeDer weiße Sozialroboter namens Paro soll Demenzkranken Zuwendung schenken. Das mit Sensoren vollgestopfte Kuscheltier reagiert auf Berührung, Licht und Bewegung. Es soll für Demenzkranke Zuwendung simulieren - und ist deswegen vor allem nach einer Messepräsentation 2011 heftig umstritten gewesen. Tritt an die Stelle des Zivildienstleistenden oder der Pflegekraft nun der Sozialroboter? 5000 Euro kostet die schnurrende Pelzattrappe. Quelle: dpa
Putzhilfe mit gutem OrientierungssinnInzwischen schon fast ein Klassiker unter den Haushaltsrobotern ist der autonome Staubsauger. Dieses Modell, ein Samsung Navibot SR 8855, sticht vor allem durch seine Navigationsfähigkeiten heraus. Aus Aufnahmen von einer eingebauten Kamera setzt er ein digitales Abbild des Raums zusammen, den er reinigen soll. Das verhindert laut Hersteller sinnloses Kreuz- und Querfahren wie bei anderen Saugrobotern. Hindernissen weicht der Navibot aus, die eingebauten Sensoren erkennen auch Treppenabsätze. Im Handel gibt es den Navibot ab etwa 320 Euro. Quelle: Presse
Freundlicher KrankenpflegerDieses freundlich dreinschauende Gesicht gehört einem Roboter aus dem Hause Panasonic. Das Modell Hospi-Rimo soll als Kommunikationsplattform für bettlägerige Patienten dienen, die mit dem Roboter von zu Hause aus mit Arzt, Freunden oder Verwandten per Videokonferenz kommunizieren wollen. Der Roboter kann dabei laut Hersteller mit fragilen Ampullen und Medikamenten so vorsichtig umgehen wie eine Krankenschwester. Quelle: Presse
HaarpflegerDieser von Panasonic hergestellte Haarwaschroboter widmet sich der Pflege des Haupthaars von bettlägerigen Patienten. Vollautomatisch kann das Gerät eine komplette Haarwäsche durchführen und dabei eine Spülung einmassieren sowie die Haare nach dem Waschen wieder trocknen. Dabei kommen insgesamt 24 robotische Finger zum Einsatz. Quelle: Presse

Damit steht die Industrie vor einer neuen Welle der Automatisierung. Werkelt bisher jeder zweite Roboter in einer Autofabrik, wird die Technik nun zunehmend für Lebensmittelhersteller, die Pharmaindustrie oder den Maschinenbau interessant. Die Blechmänner stapeln Frischkäsepackungen, polieren Metallteile oder legen fertige Waren in Versandkartons.

Mit flexiblen, preiswerten Robotern können auch kleine Unternehmen Aufgaben automatisieren, die bisher Menschen erledigten – und ihnen damit oft monotone und ungesunde Arbeit abnehmen.

Das verschärft zugleich den Kampf um die Industriejobs. Bei noch mehr Investitionen als früher muss ein Top-Manager entscheiden, ob er die Produktion in ein Land mit billigen Arbeitskräften verlagert, mit der Belegschaft hierzulande weitermacht – oder automatisiert.

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