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Rohstoffe Kampf um jeden Tropfen

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Wächst die welteweite Wassernachfrage wie bisher weiter, wird sie das verfügbare Angebot im Jahr 2030 um 40 Prozent übersteigen (in Milliarden Kubikmetern) Quelle: 2030 Water Resources Group

Die Ansätze der Forscher reichen weit: Sie entwickeln neue, preiswerte Verfahren, um Wasser aus mit Keimen oder Chemikalien verseuchten Brunnen, Bächen und Seen zu reinigen. Sie arbeiten am massiven Ausbau des Abwasserrecyclings, an energiesparenden Verfahren zur Meerwasserentsalzung. Und sie wollen mit hoch effizienten Bewässerungstechniken sowie der Züchtung besonders dürreresistenter Nutzpflanzen trotz geringerer Bewässerung sichere Erträge liefern.

All dies ist nicht nur technologischer Kraftakt sondergleichen, es ist auch ein gigantischer Markt. Auf rund 50 bis 60 Milliarden Dollar pro Jahr haben etwa die Fachleute der WRG den weltweiten Investitionsbedarf hochgerechnet, um die globale Wasserkrise zu entschärfen. Allein das Weltmarktvolumen für Spezialmembranen zur Wasseraufbereitung und zur Entsalzung von Meerwasser, das nach Industrieangaben derzeit bei rund einer Milliarde Dollar liegt, wächst aktuell um rund 15 Prozent pro Jahr.

Zu den Profiteuren zählen grade deutsche Unternehmen, die in vielen Gebieten der Wasseraufbereitung führend sind. Dieser Technologievorsprung ist eine der Folgen der Vorgaben zum Gewässerschutz und zur Abwasserreinigung, die in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland kontinuierlich verschärft worden sind.

Verschwendetes Abwasser

Dazu kommen Herausforderungen wie wachsende Arzneimittelrückstände, die in deutschen Abwässern und wiederholt sogar in Trinkwasser nachgewiesen wurden. Hier müssen neue Filter entwickelt und zusätzliche Reinigungsstufen in die Kläranlagen eingebaut werden.

Das in den vergangenen Jahren erworbene Know-how öffnet deutschen Technikspezialisten nun die Märkte im Kampf gegen den Wassermangel: "Denn mit das Klügste, was wir tun können, ist unseren Umgang mit Abwasser zu ändern", sagt Peter Gleick.

Trotzdem wird Abwasser selbst in wasserärmsten Regionen wie Nordafrika oder Australien kaum oder gar nicht behandelt und verseucht so Flüsse und Meere. Dabei könnte daraus wieder wertvolles Brauchwasser für Industrie und Landwirtschaft gewonnen werden, ja sogar Trinkwasser. "Wir dürfen Abwasser nicht mehr als Bürde betrachten", sagt Gleick, "sondern als Kapital."

Viele wasserarme Staaten wie China und Indien haben gar keine andere Wahl. Jahrzehntelang wurden dort hochgiftige Abwässer in Flüsse geleitet und Sondermüll in Seen und Senken gekippt. Die wichtigsten Flusssysteme Chinas sind inzwischen verseucht, und das Trinkwasser von 300 Millionen Chinesen ist kontaminiert. Ein Fünftel des Oberflächenwassers eignet sich inzwischen nicht einmal mehr zur Bewässerung.

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