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Rohstoffe Kampf um jeden Tropfen

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Singapur deckt rund ein Drittel seines Frischwasserbedarfs mit aufbereiteten Abwässern Quelle: dpa

Von allen Staaten der Welt hat Singapur das Wasserrecycling am weitesten vorangetrieben. Der Stadtstaat importiert noch rund 40 Prozent seines Wassers aus Malaysia. Aus dieser Abhängigkeit will sich Singapur aber befreien. Zwei Drittel des Stadtgebiets sind Regenauffanggebiet: Jeder Tropfen fließt über eine getrennte Kanalisation in eines von 17 Reservoiren. Ein Fünftel des Wasserbedarfs der fünf-Millionen-Metropole wird so gedeckt.

Ein weiteres Drittel gewinnt Singapur aus seinem Abwasser. In fünf Aufbereitungsanlagen wird es durch Membranen gepresst, die Schadstoffe und Salze zurückhalten. NEWater nennt sich dieses aufbereitete Wasser, das hauptsächlich in der Industrie genutzt wird.

Als viertes Standbein setzt Singapur auf Meerwasserentsalzung. Eine erste Anlage deckt rund ein Zehntel des Bedarfs, eine zweite ist im Bau. Dort wird Meerwasser mit enormem Druck durch Membranen gepresst, die Wasser und Salz trennen. Ein Prozess, der viel Strom verschlingt. Pro Kubikmeter Wasser zwischen drei und dreieinhalb Kilowattstunden (kWh).

Siemens liefert Entsalzungskonzept

Daher hat die Regierung einen Wettbewerb für neue Entsalzungskonzepte ausgeschrieben, um den Energiebedarf der Technik zu halbieren. Gewonnen hat Siemens. Der Münchner Konzern hat ein Verfahren entwickelt, bei dem Meerwasser ebenfalls mithilfe von Membranen in einem elektrisch geladenen Feld vom Salz befreit wird.

In einer Demonstrationsanlage in Singapur läuft das Verfahren bereits. Aktuell braucht die neue Anlage 1,7 kWh, um einen Kubikmeter Meerwasser zu entsalzen. 2013 soll die Technologie in großtechnischem Maßstab errichtet werden. Dann soll der Verbrauch auf 1,5 kWh sinken.

Eine Entwicklung, die auch in Saudi-Arabien aufmerksam verfolgt wird. Die Saudis verfeuern bislang 1,5 Millionen Barrel Öl für Meerwasserentsalzung – pro Tag. Das entspricht immerhin drei Viertel des täglichen Rohölverbrauchs der gesamten Bundesrepublik.

Um diesen immensen Ressourcenverbrauch in den Griff zu bekommen, lässt die saudi-arabische Regierung nun, unterstützt vom US-Technologieriesen IBM, die weltgrößte solarbetriebene Meerwasserentsalzungsanlage bauen. Die dort eingesetzten Membranen sollen die Wassermoleküle fast doppelt so schnell passieren lassen wie bisherige Techniken. Ende kommenden Jahres soll die Anlage in Betrieb gehen und dann 100 000 Menschen mit Trinkwasser versorgen.

Mit weniger Aufwand trinkbares Wasser zu gewinnen ist indes nur ein Lösungsansatz der Forscher gegen die Wasserknappheit. Mindestens so wichtig ist die Frage, wie sich der Verbrauch des kostbaren Nass reduzieren lässt. Vor allem in der Landwirtschaft. Immerhin liegt ihr Anteil am globalen Wasserverbrauch heute bei annähernd 70 Prozent.

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