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Rohstoffe Kampf um jeden Tropfen

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Nach dem Motto "More crop per drop" – zu Deutsch "mehr Ertrag pro Tropfen" – entwickeln Saatguthersteller und Forschungsinstitute daher beispielsweise besonders dürreresistente und wassereffiziente Getreidesorten. Solche trockentoleranten Sorten wären vor allem für die weltweiten Kornkammern wie die Great Plains in den USA oder den Nordwesten Chinas interessant. Diese Anbaugebiete kämpfen mit Trockenheit, ihre Grundwasserressourcen schrumpfen dramatisch. Getreidesorten, die mit deutlich weniger Wasser auskommen und selbst bei Dürre noch ordentliche Erträge liefern, wären hier ein großer Fortschritt.

Sowohl der US-Saatgutkonzern Pioneer als auch sein Schweizer Konkurrent Syngenta haben in diesem Jahr dürreresistenten Hybridmais auf den Markt gebracht. Pioneers Mais soll Trockenperioden trotzen und dennoch fünf Prozent mehr Ertrag bringen als Standardsorten, der von Syngenta Ernteausfälle bei Dürre um 15 Prozent reduzieren. Neben der Zucht setzen die großen Saatguthersteller auf die umstrittene Gentechnik, um trockentolerante Sorten zu entwickeln. Ein entsprechender Genmais von Monsanto und BASF steckt in den USA bereits im Zulassungsverfahren.

Zu wenig Schutz für Wasser

Doch effizientere Pflanzen alleine sind kein Allheilmittel gegen Wassernot. "Was nützt eine wassereffiziente Pflanze in einem Bewässerungssystem, das Wasser verschwendet?", fragt Folkard Asch, Leiter des Fachgebiets Wasserstress-Management an der Uni Hohenheim. Denn in vielen Weltregionen geht auf dem Weg zum Feld viel in maroden Kanälen verloren. Und auch auf dem Feld versickern und verdunsten oft bis zu drei Viertel des Wassers.

Dabei gibt es neue Möglichkeiten, Pflanzen genau so viel Wasser zu geben, wie sie brauchen. Drahtlos vernetzte Bewässerungssysteme, die Daten von Wetterstationen mit Infos zu Bodentyp und Pflanzenart kombinieren, können die Wasserabgabe flexibel und nach Bedarf regeln. Das hilft, knapp ein Drittel Wasser zu sparen.

In Coleambally im australischen New South Wales nutzen Farmer diese Technik und haben Sendemasten in ihre Felder gesteckt. Sensoren im Fuß messen die Bodenfeuchte. Am Laptop lesen die Farmer die Werte in Echtzeit ab und werfen die Sprinkler nur noch an, wenn der Boden zu trocken wird. Das Projekt ist Teil eines 1,6 Milliarden Dollar schweren Regierungsprogramms zum Wassersparen. Ein Ergebnis: Die Getreidegattung Sorghum beispielsweise wird in Coleambally nur noch alle neun statt alle sieben Tage bewässert.

Für Kleinbauern in Entwicklungsländern bleiben solche High-Tech-Systeme vorerst allerdings unerschwinglich. Doch auch dort gibt es intelligente Konzepte gegen Wassermangel. Wie etwa beim Anbau von Reis: So hat das philippinische International Rice Research Institute ermittelt, dass die Felder nicht permanent überflutet sein müssen. Erst wenn der Wasserstand auf 15 Zentimeter unter der Bodenoberfläche sinkt, muss bewässert werden. Den unterirdischen Wasserstand können die Bauern in einem perforierten Plastikrohr im Boden messen. Schon dieser einfache Bewässerungszyklus spart 15 bis 30 Prozent Wasser bei konstanten Erträgen.

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