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Rohstoffknappheit Fünf Schritte zur grünen Wirtschaft

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Mehr Brutto vom Netto

Ein Beispiel ist die Rückgewinnung von Rohstoffen, wie sie Umicore in Antwerpen zur Perfektion treibt. Die Belgier holen aus jeder Tonne Computer-Leiterplatten 200 bis 250 Gramm Gold heraus. Die Ausbeute in typischen Goldminen liegt dagegen bei gerade einmal fünf Gramm Gold je Tonne.

Um es zu gewinnen, muss das Gestein tief aus der Erde hochgeholt werden. Zudem sind riesige Mengen an Chemikalien und Wasser notwendig, um es herauszulösen. "Die ökologischen Rucksäcke von Edelmetallen wie Gold oder Platin sind enorm", sagt Christian Hagelüken, Leiter der Geschäftsentwicklung bei Umicore.

Dagegen sind die Abfälle des Industriezeitalters ergiebiger als jede Mine. Und das Recycling lässt keine apokalyptisch anmutenden Mondlandschaften zurück wie vielerorts der Bergbau.

Wie groß das Potenzial einer Kreislaufwirtschaft ist, zeigen neueste Berechnungen am Beispiel des Autos: Danach können von 1000 Kilogramm eingesetztem Rohmaterial 900 Kilogramm zurückgewonnen werden, um neue Fahrzeuge herzustellen. Bisher bringen es die Hersteller nur auf 50 Kilogramm.

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    Ein Gutachten des Rats für nachhaltige Entwicklung hält sogar 100-prozentiges Recycling für machbar – abzüglich der technisch bedingten Verluste bei der Aufbereitung. Dass in Deutschland die Mehrzahl der Elektrogeräte und der Kunststoffe immer noch im Müll landen, prangert der Vorsitzende des Gremiums, Hans-Peter Repnik, als "pure Verschwendung" an.

    Eine teure zudem. Denn das Land gab zuletzt pro Jahr mehr als 90 Milliarden Euro für Rohstoffeinfuhren aus.

    100 Milliarden Euro sparen

    Die Rechnung würde weiter gedrückt, setzten die Unternehmen bei der Herstellung ihrer Produkte die neuesten ressourcenschonenden Verfahren ein – quer durch alle Industrien.

    Um die 100 Milliarden Euro könnten die hiesigen Unternehmen pro Jahr auf diese Weise einsparen, hat die Deutsche Materialeffizienzagentur Demea ausgerechnet. "Das brächte enorme Wettbewerbsvorteile", sagt Fraunhofer-Präsident Bullinger. Schließlich beträgt der Materialanteil fast die Hälfte an den Produktionskosten.

    Doch gerade bei der Materialproduktivität liegen die Industrieländer weit auseinander. Am besten schneiden die Holländer ab: Sie erzielen mit jedem Kilogramm Rohstoff eine Wirtschaftsleistung von rund viereinhalb Dollar. Die Australier schaffen hingegen nicht einmal einen Dollar. Deutschland hat seine Rohstoffproduktivität seit 1994 um fast 40 Prozent verbessert.

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