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Schweinegrippe "Dem Virus auf den Fersen bleiben"

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Sind denn die Vorräte der Grippe-Mittel Tamiflu und Relenza ausreichend? Das wurde ja lange heiß diskutiert… … darüber kann man auch trefflich streiten. Heute hat jedes Bundesland aber so große Vorräte angelegt, dass bei einer Pandemie auf jeden Fall das Hilfspersonal – also die Ärzte, Pfleger, die Apotheker, die Mitarbeiter der Diagnose-Institute und so weiter – versorgt werden können. Das ist bei einer Pandemie mit einem Massenansturm von Patienten wirklich wichtig, weil sonst die Krankenversorgung zusammen bricht.

Was kann jeder einzelne tun? Das wichtigste ist, sich gut zu informieren. Und ich persönlich würde derzeit nicht nach Mexiko reisen, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.

Sollte man sich ein Tamiflu Rezept holen und einen privaten Not-Vorrat anlegen? Nein, das ist wirklich übertrieben.

Haben Sie selbst Tamiflu für sich und Ihre Familie zuhause? Nein, weder für mich noch für meine Frau und meine Kinder. Ich halte es auch für keine gute Idee, wenn jeder nach eigenem gut Dünken zu solchen Medikamenten greift. Schon jetzt gibt es in vielen Ländern große Probleme mit normalen Grippeviren, die Resistenzen gegen Tamiflu entwickelt haben.

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    Das Mittel wirkt gar nicht mehr? Genau.

    Gibt es dann gegen das Schweinegrippe-Virus überhaupt eine wirksame Substanz. Ja, denn erste Tests haben gezeigt, dass der neue Erreger sensibel für das Mittel ist, also keine Resistenz dagegen besitzt.

    Inwiefern sind Menschen geschützt, die sich im vorigen Herbst der Grippeschutzimpfung unterzogen haben? War dort ein H1N1-Typ dabei?

    Ja, es war ein normaler H1N1-Stamm dabei. Aber obwohl man eine so genannte Kreuz-Immunität hätte erwarten können, scheint kein Schutz vor dem neuen H1N1-Erregertyp zu bestehen.

    Wie schnell lässt sich ein optimal passender Impfstoff entwickeln? Das dauert mehrere Monate. Allerdings reisen die Daten und Informationen über das Virus heute auch extrem schnell von Land zu Land und von Forschergruppe zu Forschergruppe. Wie die genetische Ausstattung des Virus aussieht, war extrem schnell für jeden Forscher auf der Welt in den Virologen-Netzwerken abrufbar. 

    Hat die intensive Forschung, die wegen der Vogelgrippe-Gefahr voran getrieben wurde, hier die Ausgangslage verbessert?

    Auf jeden Fall. Viele Unternehmen wie GlaxoSmithKline und andere haben ja schon so genannte Mock-up Impfstoffe vorbereitet. Das sind quasi halbfertige Impfstoffe, die bereits in einer vorläufigen Form eine Zulassung erhalten haben. Sobald klar ist, wie der Pandemie-Erreger genau aussieht, wird der Impfstoff zu Ende konstruiert.

    Wie lange dauert es dann noch, bis ein solcher Impfstoff einsatzfähig ist? Leider immer noch ein paar Monate. Denn der Großteil der Grippe-Impfstoff-Produktion funktioniert immer noch nach einem zeitintensiven klassischen Verfahren: Er wird in befruchteten Hühnereiern gezüchtet. Novartis hat in Marburg zwar eine moderne biotechnische Produktionsanlage seit 2007 in Betrieb genommen, die sehr viel schneller liefern kann. Aber das ist noch längst nicht der Standard.

    Mit Qiagen aus Hilden bei Düsseldorf hat Deutschland auch ein Biotechnik-Unternehmen vor Ort, das sehr schnelle Nachweiseverfahren für Grippeviren anbietet. Welche Rolle spielen solche Tests?

    Um eine Pandemie zu stoppen, sind solche schnellen Tests ebenso wichtig wie die Medikamente. Denn zuerst einmal muss ich wissen, wie schnell und wohin die Erreger sich bewegen. Nur wenn wir ihnen dicht auf den Fersen bleiben, lässt sich ihre Ausbreitung kontrollieren.

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