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Sensortechnik Wie Smartphone-Nutzer zur Infoquelle werden

Dank der Fortschritte bei der Produktion von Mikrochips wachsen inzwischen auch Smartphone-Daten zu immer größeren Informationsnetzen zusammen. Das Geschäft boomt, doch nicht immer überzeugen die Ergebnisse.

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Smartphone-Nutzer sind nicht nur Informationsempfänger, sondern auch Informationsquelle. Quelle: handelsblatt.com

Auf der Kennedybrücke in der Hamburger Innenstadt ist heute alles im grünen Bereich. Aber auf dem Alsterglacis dahinter staut sich der Verkehr. Die Straße ist rot eingefärbt – im Kartendienst Google Maps.

Dass Google Internetnutzer mit Echtzeitinformationen über die Verkehrslage informieren kann, liegt daran, dass immer mehr Autofahrer Smartphones nutzen, auf denen Googles Betriebssystem Android läuft. Viele haben eine Funktion aktiviert, die es dem Telefon erlaubt, fortlaufend Standort-Daten an Google zu übertragen.

Das Unternehmen erhält kontinuierliche Informationen darüber, wie schnell sie sich in ihrem Auto bewegen. Der Einzelne wird zum Teil eines Verkehrsinformationssystems.

Dies ist nur ein Beispiel, wie in einer immer weiter vernetzten Welt nicht nur die Endgeräte selbst, sondern auch die Umwelt erfasst und vermessen wird. Nicht nur Stromnetze werden dank neuer Sensoren intelligenter. Auch Verkehrsströme oder Gewässer werden durch Zehntausende Informationslieferanten zum Teil eines Netzes, zu dem nicht mehr nur Rechenzentren, sondern auch Smartphones gehören.

Ursache für die Entwicklung sind Fortschritte bei der Produktion von Mikrochips, sagt Steffen Schäfer, der bei IBM als Technologieexperte im Bereich Smarter Cities die Themen Mobilität und Umwelt verantwortet. „Prozessoren sind sehr viel günstiger geworden und werden immer mehr in Alltagsgegenstände eingebaut. Und es rechnet sich auch inzwischen häufig, sie großflächig in die Umwelt wie Straßen, Fahrzeuge, Gebäude, Flüsse oder Industrieanlagen zu integrieren.“

Prognosen basierend auf historischen Daten

So sind inzwischen auf mehr als 500 Kilometern im Wasser des New Yorker Hudson River ebenso Sensoren angebracht wie vor der niederländischen Küste oder – als Teil des Tsunami-Frühwarnsystems – im Indischen Ozean. Sie versorgen Behörden etwa mit Pegelständen. In vielen deutschen Städten werden freie Parkplätze bereits mit Hilfe von Sensoren angezeigt, die in Parkuhren stecken. Andere Sensoren versorgen Verkehrsleitsysteme, die Autofahrer dazu bringen sollen, Route und Tempo an Wetter und Verkehrsdichte anzupassen.

Anspruch bei vielen Projekten ist es dabei, nicht nur in Echtzeit vor Flutwellen oder Staus zu warnen. „Auch Echtzeitdaten können mitunter nicht aktuell genug sein“, sagt Schäfer. „Deswegen erstellen wir Prognosen, basierend auf historischen Daten, um etwa vorherzusagen, welche Folgen es auf andere Straßen des Verkehrsnetzes hat, wenn irgendwo an einer engen Stelle neben einer Baustelle ein Fahrzeug liegen geblieben ist.“

Das Bundesland Bayern etwa stellte kürzlich IBM drei Monate lang die Daten von 150 Verkehrsschleifen zwischen München und Nürnberg zur Verfügung. Das Unternehmen prognostizierte daraus mit einer Genauigkeit von 90 Prozent die Verkehrsentwicklung für die jeweils nächste Stunde.

Doch ist öffentliches Geld für solche Sensorprojekte immer gut angelegt? Kurt Jaeger, Geschäftsführer eines Internetproviders im Landkreis Esslingen und beim Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) engagiert, zweifelt: „Es stellt sich immer die Frage nach dem Aufwand und den Kosten, die einem möglichen Nutzen gegenüber stehen.“

Während für ihn etwa der Sinn der Investitionen in das Tsunami-Frühwarnsystem nicht in Frage steht, bezweifelt er, dass es derzeit möglich ist, Verkehrsströme in Deutschland mit einem vertretbaren Aufwand in optimale Bahnen zu lenken. Trotzdem versuchten viele High-Tech-Unternehmen, auch diese Technik an die Öffentliche Hand zu verkaufen. „Die Konzerne verwenden viel Energie darauf, die Produkte zu vermarkten, und die Politik ist oft zu überlastet, um wirklich zu entscheiden, ob sich bestimmte Systeme lohnen und die Gesellschaft sie wirklich braucht“, sagt Jaeger.

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