Sicherheit im Smart Home Warnung vor ungebetenen Gästen

Die Sorge vor virtuellen Eindringlingen hemmt den Smart-Home-Markt. Laut einer Studie weisen mehr als die Hälfte der vernetzten Geräte Sicherheitslücken auf. Die Industrie arbeitet mit Hochdruck an Lösungen.

Sicherheitslücken im vernetzten Zuhause bieten Angriffsflächen für alle möglichen ungebetenen Gäste. Quelle: dpa

Den kleinen Lauschangriff gab es zum Abend auf der Couch gratis dazu: Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die per Sprache gesteuerten smarten Fernseher von Samsung die aufgezeichneten Daten zur weiteren Auswertung an einen Drittanbieter übermitteln.

Neue Möglichkeiten, neue Sorgen: Die Verknüpfung von digital aufgerüsteten Haushaltsgeräten kann das Leben angenehmer und sicherer machen. Doch intelligente Häuser bieten auch neue Angriffspunkte für Datendiebstahl und Manipulationen. "Das Smart Home ist ein Punkt, an dem die digitale Welt und die physische Umgebung intensiv in Kontakt treten", schreiben Wissenschaftler der EU-Agentur für Netzwerk- und Informationssicherheit (ENISA). "Das wird für beide Welten neue und noch unbekannte Gefahren und Verwundbarkeiten mit sich bringen."

Diese Technik steuert Ihr Haus
Sicherheits-SystemMit seinem Elements-System steigt der Münchner Hersteller Gigaset - bekannt für seine Drahtlos-Telefone - diesen September in die Heimautomatisierung ein. Das Starterpaket aus Türsensor, Bewegungsmelder und Basisstation meldet einer Handy-App, wenn Türen geöffnet und geschlossen werden oder sich jemand im Raum bewegt. Bricht jemand gewaltsam die Haustür auf, erscheint auf dem Handy eine Alarmmeldung. Preis: unter 200 Euro. Bild: Screenshot Quelle: Screenshot
Sachen-SucherOb das Fahrrad verloren geht, der Hund oder Schlüssel: Der GPS-Sensor mit Mobilfunkanschluss des Wiener Startups Locca macht sie per Handy-App auffindbar. Preis: weniger als 100 Euro. Bild: Presse Quelle: Presse
Privat-FernsehenDer taiwanesische Elektronikhersteller Dlink hat eine Überwachungskamera mit Nachtsichtfunktion fürs Eigenheim auf den Markt gebracht: Die DCS-5222L überträgt Livebebilder aus der Wohnung aufs Handy, lässt sich per Smartphone schwenken und zeichnet auf Wunsch automatisch Videos auf, sobald der Bewegungsmelder eine Person erkennt. Preis: 189 Euro. Bild: Robert Poorten für WirtschaftsWoche Quelle: Robert Poorten
Schlauer SteckerDie intelligente Steckdose FRITZ!Powerline 546E des Berliner Anbieters AVM - dem Herstellers des Internet-Routers Fritz-Box - bringt nicht nur einen Internet-Anschluss via Stromleitung in den Raum, sondern lässt sich auch per Smartphone schalten und sie misst den Stromverbrauch der angeschlossenen Geräte. Preis: 99 Euro. Bild: PR Quelle: PR
Smartes StromnetzLampe, Jalousie, Kaffeekocher: Mit den intelligenten Lüsterklemmen namens Digitalstrom des Schweizer Herstellers digitalSTROM sollen sich die verschiedensten Hausgeräte nachrüsten und dann fernsteuern lassen. Die Lüsterklemmen sind mit einem Highvoltchip ausgestattet, kommunizieren über die Stromleitungen und vernetzen so alle Haushaltsgeräte. Den Einbau erledigen fachkundige Installateure. Preis für die komplette Vernetzung einer 4-Zimmer-Wohnung: 3500 Euro. Bild: PR Quelle: PR
Heiz-WartDas Thermostat en:key des Berliner Anbieters Kieback&Peter fährt die Heizung von selbst um vier Grad herunter, wenn niemand mehr im Raum ist. Das soll bis zu 20 Prozent Heizenergie sparen. Besonders innovativ: Der Heizungsregler braucht keine Batterien, sondern gewinnt seine Energie aus dem Temperaturunterschied zwischen Heizung und Raumluft. Bild: PR Quelle: PR
Tor-WärterDas Türschloss Goji des US-Startups gleichen Namens besitzt eine Online-Verbindung und lässt sich vom Smartphone öffnen. Wer will, kann Freunden einen Zugangscode schicken. Eine eingebaute Kamera zeichnet auf, wer das Schloss öffnet. Preis: 280 Dollar Bild: PR Quelle: PR

Die Technologiefirma HP suchte 2014 in einer Studie nach Lücken. Bei 60 Prozent der Smart-Home-Geräte fand man Zugangsmöglichkeiten für Fremde. 70 Prozent nutzten unverschlüsselte Netzwerkverbindungen. An Gegenmaßnahmen wird eifrig gearbeitet: In Deutschland tüftelt eine Allianz am "Smart Home ready"-Siegel, das zuverlässige Lösungen kennzeichnen soll. An der technischen Basis ist auch ein Normungsausschuss des Verbands der Elektrotechnik, Elektrik und Informationstechnik (VDE) tätig.

Die Ingenieure richten ihr Augenmerk auf Gateways, sichere Übertragungsbrücken also. Denn im Haushalt von morgen treffen diverse Technologien verschiedener Anbieter aufeinander. Mit einer gemeinsamen Plattform, die nach Ansicht der ENISA möglichst mit Open-Source-Protokollen funktioniert, könnte man die Sicherheit steigern. Zwar sei vieles normungstechnisch gut abgedeckt, aber die Standards würden kaum gemeinsam genutzt, bemängelt der VDE.

Los geht es aber schon bei simpleren Dingen wie der Passwortvergabe. Acht von zehn Geräten im HP-Test forderten den Benutzer nicht auf, einen komplexen Zugriffscode zu wählen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie warnen ebenfalls: Passwortsicherheit sei auch im Smart Home oberstes Gebot.

Stimmen die Schutzmaßnahmen, können Smart-Home-Lösungen dazu beitragen, die physische Sicherheit zu erhöhen: Automatisch aktivierte Rollladen täuschen in der Urlaubszeit ein bewohntes Haus vor. Wenn doch etwas passiert, werden durch Tür- oder Fenstersensoren die Überwachungskameras aktiviert. Die schlagen Alarm, informieren den Geschädigten per SMS und senden Bilder der Eindringlinge zur Beweissicherung in die private Cloud.

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