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Smart Home So schützen Sie das vernetzte Heim vor Einbrechern

Smart-Home-Technik wird immer günstiger und vermeintlich einfacher zu installieren. Doch Vorsicht: Manch technisch weniger versierter Kunde öffnet beim Einbau der Technik unbedacht Hintertüren für Verbrecher.

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Rollo, Heizung, Türschloss - immer mehr Menschen steuern ihr Zuhause via Web. Quelle: Marcel Stahn

Es passiert nicht oft, dass deutsche Gründer per Crowdfunding in nicht mal 90 Minuten eine Million Euro einsammeln. Ali Jelveh und Christopher Blum, den Gründern des Hamburger IT-Start-Ups Protonet, ist das mit sehr einfach nutzbaren Speichersystemen für Selbstständige und Kleinunternehmen gelungen.

Ihre für den Einsatz daheim, in Kleingruppen oder in kleineren Unternehmen konzipierten Server „Carla“ und „Carlita“ ermöglichen es den Nutzern, Dateien und Dokumente zu teilen und auszutauschen – ohne dabei Daten auf fremdkontrollierten Cloud-Servern von Anbietern wie Google, Microsoft oder Dropbox abzulegen.

Das Konzept des privaten IT-Einsatzes haben die Hamburger, die seit Februar auch von Y-Combinator gefördert werden, einem der wichtigsten Start-up-Inkubatoren im Silicon-Valley, nun auf die Steuerung von Smart Homes übertragen. „Zoe“ heißt die von Protonet entwickelte, sprachgesteuerte Schaltzentrale fürs intelligente Heim, mit dem Jelveh und Blum abhörsichere Vernetzung bei Privatkunden etablieren wollen.

Zoe schaltet auf Zuruf das Licht an oder regelt die Heizung hoch und kommt mit Technik verschiedener Hersteller zurecht. Dabei verarbeitet er keinerlei Nutzerdaten oder Sprachbefehle auf Rechnern außerhalb des eigenen Heims, versprechen die Hamburger.

Run auf sichere Smart-Home-Technik

Seit dem 15. März läuft die Zoe-Kampagne auf Indigog. Ziel war es, mit der Idee einer sicheren Smart-Home-Plattform binnen eines Monats 100.000 Dollar einzuwerben. Das stößt offenbar nicht bloß in Deutschland, sondern auch in den USA auf enormes Interesse.

Ihr Ursprungsziel knackten die Hamburger binnen weniger Tage, Mitte April hatten sie rund 300.000 Dollar eingeworben. Inzwischen hat Protonet die Kampagne um einen Monat verlängert.

Der Run auf Zoe hat gute Gründe. Denn die Softwerker von der Elbe verbinden zwei Megatrends der gegenwärtigen Vernetzung: Das wachsende Bewusstsein von IT-Anwendern für den Schutz der Privatsphäre mit der rasanten Verbreitung digitaler Geräte ins Privatleben der Menschen.

So wehren Sie Angriffe auf Ihr vernetztes Heim ab

Denn im Zuge des Trends zum Internet der Dinge begeistern sich immer mehr Menschen für die Vernetzung von Haus oder Wohnung und rüsten ihre heimischen vier Wände hoch. Rund 40 Prozent der deutschen Haushalte, ermittelten Marktforscher des Datenportals Statista, „zeigen sich dem Thema Smart Home gegenüber aufgeschlossen“.

Gleichzeitig herrscht Skepsis, ob die Technik angemessen gegen digitale Angriffe geschützt ist. Das belegt eine Umfrage der Unternehmensberatung Accenture unter deutschen Konsumenten: „42 Prozent der Befragten fürchten, Kriminelle könnten per Hackerangriff auf sensible Informationen zugreifen“, sagt Jürgen Morath, Geschäftsführer für Communications, Media und Technology Accenture in Frankfurt. Auch das ist sicher ein Grund für den Erfolg der Protonet-Kampagne.

Wie begründet die Sorgen sind, zeigte ein Exklusivtest von Smart-Home-Technik für die WirtschaftsWoche vor zwei Jahren. Mehr als die Hälfte der untersuchten Systeme wies damals gravierende Schwachstellen auf.

So fanden sich Lücken bei der Verschlüsselung von Passwörtern, bei der Authentifizierung von Zugriffen übers Internet oder Manipulationsmöglichkeiten durch Angreifer von außen.

Technik-Neulinge sind besonders gefährdet

Das ist heute noch weitaus gefährlicher als vor zwei Jahren: Denn der drastische Preisverfall der Smart-Home-Technik und ein wachsendes Angebot vermeintlich leicht zu installierender Do-it-yourself-Geräte fürs intelligente Heim animieren immer mehr Menschen ohne IT-Erfahrung zur Vernetzung.

Die aber sind kaum in der Lage, Webcams oder Temperatursensoren mit sicheren Passwörtern zu schützen oder die integrierte Firewall zu aktivieren. Um zu prüfen, ob das wachsende Interesse der Käufer für die Technik womöglich weiterhin auf sträflich ungesicherte Technik trifft, hat die WirtschaftsWoche die Smart-Home-Plattformen der wichtigsten Anbieter im deutschen Markt einem erneuten Sicherheits-Check unterzogen.

Die wichtigsten Anbieter im Crash-Test

Experten des internationalen IT-Sicherheitsdienstleisters SEC Consult mit Sitz in Wien haben die Systeme von Devolo, Digitalstrom, eQ-3, Gigaset, RWE und der von der Deutschen Telekom betriebenen Qivicon-Plattform in mehrstufigen Tests daraufhin überprüft, wie verlässlich sie gegen unerwünschte Zugriffe durch Dritte gesichert sind.

Was die Deutschen beim Thema Smart Home interessiert

Im vergangenen Dezember erst hatten die Sicherheits-Spezialisten aus Wien, gemeinsam mit Forschern der Universität von Michigan mehr als drei Millionen von Routern und Modems im Internet identifiziert, die sich wegen gravierender Sicherheitslücken mit geringem Aufwand von Hackern hätten kompromittieren lassen.

Und wie steht es um die getesteten Smart-Home-Plattformen? „Die Ergebnisse waren in weiten Teilen solide“, kommentiert SEC-Consult-Geschäftsführer Markus Robin. Im Fall von zwei Systemen hatten die Experten indes mehr oder minder großen Anlass zur Kritik. Bei einem Anbieter war sogar ein Update der Firmware erforderlich, um die Technik gegen Angriffe über den Browser abzusichern.

Denn potenzielle Angriffsstellen beim vernetzten Heim gibt es mehr als reichlich - und je komplexer die Gebäudesteuerung, desto potenziell weitreichender sind die Folgen eines erfolgreichen Angriffs. Erst recht, wenn der digitale Hack zum elektronischen Dietrich für vernetzte Einbrecher wird.

So smart sind die Deutschen von heute
Die GfK hat im April 2014 rund 1000 Haushalten folgende Frage gestellt: Nutzen Sie bereits folgende Smart-Home-Anwendungen oder planen Sie diese in Zukunft zu nutzen? Alle Angaben basieren auf Zahlen des Statistikportals Statista. Quelle: dpa
Feuer keine Chance geben durch zentrale RauchmelderIn Nutzung: 9 Prozent In Planung: 11 Prozent Interesse: 33 Prozent Quelle: obs
Intelligente Stromzähler – wie hier von Landis+Gyr – helfen bei effektiver KontrolleIn Nutzung: 2 Prozent In Planung: 6 Prozent Interesse: 44 Prozent Quelle: dpa
Zentrale HeizkörpersteuerungIn Nutzung: 5 Prozent In Planung: 6 Prozent Interesse: 32 Prozent Quelle: dpa
TV auf allen GerätenIn Nutzung: 10 Prozent In Planung: 7 Prozent Interesse: 22 Prozent Quelle: dpa-dpaweb
Tür- und FenstersensorenIn Nutzung: 2 Prozent In Planung: 5 Prozent Interesse: 29 Prozent Quelle: dpa
Multi-Room-AudioerlebnisIn Nutzung: 4 Prozent In Planung: 6 Prozent Interesse: 25 Prozent Quelle: dpa-dpaweb

Wenn es etwa gelingt, per Hackerangriff die Alarmanlage zu deaktivieren, arbeitet es sich für Diebe weitaus entspannter. Lässt sich gar die vernetzte Haustüre mithilfe elektronisch ausgeforschter Passwörter entsperren oder sich einfach ein gefälschter Entsperrbefehl über das ungeschützte Haus-Netz an die Türsteuerung übermitteln, können Einbrecher womöglich gar Haus oder Wohnung ausräumen, ohne überhaupt Aufbruchspuren zu hinterlassen.

Ungeschützte Smartphones beim Bewohner oder ungesicherte Fernsteuer-Apps, unverschlüsselte Datenübertragung zum Gebäude-Controller, ja sogar Sicherheitslücken beim Management des smarten Hauses über den heimischen PC – all das bietet den elektronischen Einbrechern eine Vielzahl möglicher Schwachstellen. Ein gut programmiertes Smart-Home-System sichert diese Schwachstellen möglichst umfassend ab. Jeder Besitzer von Smart-Home-Technik sollte das System sicherheitshalber selbst auf Lücken überprüfen.

Welche Anbieter sicher sind, auf welche Lücken Sie achten sollten und wie Sie sie mit kleinem Aufwand schließen können, lesen Sie in unserem Smart-Home-Report.

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