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Sonnenenergie Solaranlagen-Herstellern droht überfällige Auslese

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Experten erwarten "scharfe Konsolidierung"

Grund dafür sind sinkende Bestellzahlen auf dem wichtigen spanischen Markt, weil die Regierung die Förderung von Fotovoltaik-Anlagen auf jährlich 500 Megawatt begrenzte. Zudem bereiten der Branche die Folgen der Finanzkrise Sorgen: Weltweit haben Betreiber Probleme, große Solarparks zu finanzieren. Verschärft wird die Situation durch ein Überangebot, ausgelöst durch zahlreiche neue Solarfabriken vor allem in China.

Seither purzeln die Preise. Der Bundesverband Solarwirtschaft meldet zum Jahresbeginn einen Rückgang von acht Prozent auf einen Anlagenpreis von rund 4000 Euro je Kilowatt Leistung. Lux-Analyst Ted Sullivan rechnet sogar mit 25-prozentigen Abschlägen bei Zell- und Modulpreisen. Und der Nürnberger Großhändler FR-Frankensolar bestätigt bereits Nachlässe von bis zu 30 Prozent.

Bislang konnten unter dem Schutzschirm staatlicher Unterstützung auch schlecht wirtschaftende Unternehmen überleben. Nun erwarten Experten wie Sullivan eine „scharfe Konsolidierung“. Darin ist er sich mit Matthias Brachert einig: „Der Wettbewerbsdruck bietet vor allem innovativen und effizient produzierenden Unternehmen Chancen“, sagt der Ökonom vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle. Solarworld-Chef Frank Asbeck schätzt, dass am Ende des Prozesses zehn bis zwölf große Unternehmen auf der Welt übrig bleiben werden – drei davon in Deutschland. Und er ist sich sicher: Sein Unternehmen wird dazugehören.

Diese überfällige Auslese legt zugleich den Grundstein für den nächsten Aufschwung der Solarbranche. „Je schneller das Ziel Netzparität unter dem gestiegenen Wettbewerbsdruck erreicht wird, desto mehr Marktperspektiven werden aufgestoßen“, sagt Brachert. Der Grund: Dann wird der Kauf von Solarstrom-Anlagen auch in nicht geförderten Märkten attraktiv.

Die Lux-Analysten kommen zum gleichen Schluss und sagen den Solarstromern für 2013 Umsätze von 55,3 Milliarden Euro voraus – fast doppelt so viel wie im Jahr 2008. Die installierte Leistung steigt dann weltweit auf 18,5 Gigawatt, das entspricht annähernd dem heutigen Stromangebot aus Atomkraftwerken in Deutschland.

Preisverfall der Anlagen nimmt zu

Weitere Entwicklungen beschleunigen den Preisverfall der Anlagen und stärken die Wettbewerbsfähigkeit von Solarstrom:

In spätestens fünf Jahren sollen Zellen standardmäßig mehr als 20 Prozent des Sonnenlichts in Strom umwandeln. Die höhere Ausbeute verbessert die Wirtschaftlichkeit deutlich. Heute liegt der Wirkungsgrad im Schnitt bei weniger als 17 Prozent.Silizium, das rund 60 Prozent der Herstellungskosten einer Solarzelle ausmacht, ist nach dem Ausbau der Produktionskapazitäten für Solar-Silizium viel billiger zu haben. Kostete es im vergangenen Sommer noch 400 Dollar pro Kilogramm, ist der Preis inzwischen auf 135 Dollar gefallen.

Wie stark die Preise sinken könnten, zeigt folgender Vergleich: Während einige Hersteller gängige Solarmodule zum Systempreis von 2,10 Euro je Watt Leistung produzieren, liegen die Durchschnittskosten in der Branche mit 3,52 Euro deutlich höher.

Die Subventionen haben dazu geführt, dass das relativ sonnenarme Deutschland mit großem Abstand zum größten Markt für Solarstrom-Technik geworden ist. Doch Experten sind sich einig: Die Solarbranche ist jetzt so weit, künftig in einem direkten Wettbewerb mit Kohle, Erdgas und Atomstrom bestehen zu können.

Das wäre sogar wichtig: Denn weltweit nimmt die Konkurrenz zu. Hersteller aus Ländern ohne großzügige Subventionen werden zusätzlich Druck auf die Preise von Solarmodulen ausüben. Technologievorstand Fath von Centrotherm mahnt deswegen zur Eile: „Bei der gegenwärtigen Marktdurchdringung können die Hersteller nicht mehr darauf vertrauen, ihre Module allein in geförderten Märkten abzusetzen.“ Das Rennen zur Gleichheit mit Netzstrom ist eröffnet.

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