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Spionage Amerika liest mit

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Der populäre Web-Speicherdienst, auf dem weltweit 25 Millionen Freiberufler, Kleinunternehmer und Privatkunden Dokumente, Fotos und Dateien aller Art ablegen, löste einen Sturm der Entrüstung aus: Das Unternehmen hatte eine Klausel über die mögliche Datenweitergabe an Geheimdienste in seine Geschäftsbedingungen eingefügt. So groß die Empörung auch war – die Verpflichtung gilt für jede amerikanische Web-Firma.

Das Pikante daran: Selbst wenn ein Gericht nachträglich feststellt, dass eine Behörde solche Informationen unrechtmäßig beschafft hat, muss sie diese nicht vernichten. Sie werden gespeichert in einem der größten Datenarchive der Welt. Dieses gigantische Gedächtnis wird von zwei mit schwarzem Glas verspiegelten Büropalästen aus gesteuert. Hier, in Fort Meade im US-Bundesstaat Maryland, residiert die National Security Agency (NSA), der größte und finanziell am besten ausgestattete Nachrichtendienst der USA.

Jahrelang war selbst seine Existenz so geheim, dass in Washington gespottet wurde, das Kürzel stehe für "No Such Agency", kein solcher Dienst. Dabei sind seine Ausmaße gewaltig: Die NSA beschäftigt drei Mal so viele Mitarbeiter wie die CIA, hat ihre eigene Autobahnausfahrt, und allein die Stromrechnung beläuft sich Schätzungen zufolge auf jährlich 70 Millionen Dollar: Dem Dienst wird die Fähigkeit zugeschrieben, alle sechs Stunden eine Datenmenge abzuschöpfen, die der Informationsmenge der amerikanischen Kongressbibliothek entspricht – der größten Büchersammlung der Welt.

Das große Datensammeln begann nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Damals konkurrierten ehemaligen NSA-Mitarbeitern zufolge zwei Systeme: Thinthread sollte Datenverkehr wie E-Mails oder Kurznachrichten scannen und analysieren. Mit Schlüsselwörtern ausgestattet, sollte es ausschließlich verdächtige Kommunikation speichern. Laut Thomas Drake, der mehr als ein Jahrzehnt für die NSA an solchen Projekten gearbeitet hat, gab der damalige NSA-Direktor Michael Hayden jedoch dem rivalisierenden Milliardenprojekt Trailblazer den Vorzug, einem gigantischem Datenstaubsauger.

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    Geheimraum im Netzknoten

    In ganz Amerika installierten die Abhörspezialisten IT-Anlagen, um Daten aller Art abzufangen. Frühere NSA-Mitarbeiter gehen laut einem Artikel des Magazins "The New Yorker" davon aus, dass der Dienst inzwischen sämtliche E-Mails, die über US-Anbieter verschickt werden, kopiert und abspeichert, um sie später analysieren zu können. Darunter auch Mails, die über in Deutschland beliebte Postfächer von Google Mail, Yahoo Mail und Microsofts Hotmail laufen sowie Internet-Telefonate aus aller Welt. Zwar stoppte die NSA das Projekt Trailblazer 2006, weil der Computerexperte Drake die Details an Journalisten verraten und eine Welle der Kritik ausgelöst hatte. Drake wurde wegen Geheimnisverrats zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

    Doch die NSA startete das nächste Datenprojekt: Schon kurz nach dem Ende von Trailblazer beauftragte sie das Technologieunternehmen Science Applications International, das schon Trailblazer entwickelt hatte, mit dem Aufbau eines Nachfolgeprogramms. Diesmal sollte es Executelocus heißen. Was genau sich dahinter verbirgt, ist bis heute nicht durchgesickert. Doch es wäre verwunderlich, wenn Executelocus technologisch schwächer ausgestattet wäre als Trailblazer.

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