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Spionage Amerika liest mit

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at&t

Etwa zur selben Zeit ließ der pensionierte AT&T-Techniker Mark Klein, ein grauhaariger Mann mit Schnauzbart, rundem Gesicht und Drahtbrille, eine weitere PR-Bombe platzen. Gegenüber der für Datensicherheit und Meinungsfreiheit kämpfenden Electronic Frontier Foundation (EFF) gab Klein sensible Informationen aus seinem Berufsleben preis: Unter Eid beschrieb er die Technik, durch die der US-Telefonriese AT&T Mails und andere Daten seiner Nutzer an die NSA weiterleitet. So betreibe diese in der AT&T-Kommunikationszentrale in San Francisco einen geheimen Raum, von dem aus sie Glasfaserdatenleitungen des Telefonriesen anzapfe, berichtet Klein in der Aussage, die der WirtschaftsWoche vorliegt.

Auch Verizon soll Daten weiterleiten

Über den auf diese Weise angezapften Netzknoten in Kalifornien laufen nicht nur Telefongespräche aus aller Welt, sondern auch ein großer Teil des internationalen Datenverkehrs sowie Internet-Telefonate zwischen Amerika, Asien und der Pazifikregion. Und das hat offenbar System: Laut der EFF  betreibt die US-Regierung ein landesweites Netzwerk aus Überwachungstechnik, die direkt in die Schlüsselanlagen der Telekomunternehmen integriert ist.

Durch das Netzwerk zeichne der Geheimdienst Telefonate, Text-Nachrichten, E-Mails und andere Internet-Kommunikation auf. "Betroffen sind alle AT&T-Kunden, jeder der mit einem AT&T-Kunden kommuniziert sowie alle die, deren Daten im Web irgendwann über ein AT&T-Netz geleitet werden“, warnt die EFF. Laut der Tageszeitung "USA Today" soll auf ähnliche Weise auch AT&T-Konkurrent Verizon sein Netz für die NSA geöffnet haben.

Großkonzerne und Mittelständler geben unbewusst Daten preis

"Solche Internet-Service-Provider sind eine Schwachstelle, weil sie von der Regierung angezapft werden können", warnt ein amerikanischer IT-Manager, der nicht genannt werden will. Dies sei ein noch größeres Risiko als Nationale Sicherheitsbriefe an Rechenzentrumsbetreiber. Nicht nur Großkonzerne, auch Mittelständler geben auf diese Weise sensible Firmengeheimnisse preis, ohne es zu ahnen: Auch sie lagern immer mehr Daten bei Cloud-Diensten im Netz, warnt der Innenexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer.

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    Zwar verstoßen die Telekommunikationsanbieter mit ihrem Gebaren gegen US-Telekommunikationsrecht. Immer wieder versuchen Unternehmen und Privatnutzer gegen AT&T und andere Anbieter zu klagen. Doch die Verfahren verlaufen fast immer im Sande. Die US-Regierung unter George W. Bush hatte den Telefonkonzernen kurz vor Ende ihrer Amtszeit durch eine spezielle Regelung Immunität verschafft. Einer ihrer Unterstützer war auch der heutige US-Präsident Obama.

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