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Spionage Amerika liest mit

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„Es ist kein technisches Problem. Man kann Daten vor unberechtigtem Zugriff schützen. Es ist ein politisches Problem“, sagt Tim Dunn, Sicherheitsmanager beim US-Cloud-Computing-Anbieter CA Technologies, an den Firmenkunden praktisch all ihre IT auslagern können. Der Brite sitzt im Lenkungsausschuss für Computersicherheit von Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda. "Wir müssen gegenüber den USA als EU auftreten", fordert er. Derzeit mache jeder Mitgliedstaat seine eigene Datensicherheitspolitik.

Doch selbst Dunn sitzt in der Zwickmühle. Die Zentrale seines Unternehmens liegt im US-Bundesstaat New York. "Wir sind ein amerikanisches Unternehmen. Rechtlich gesehen müssen wir US-Behörden Zugang gewähren, können den Patriot Act nicht brechen", sagt er. In welcher Form die NSA auf CA-Server zugreifen kann, will er nicht sagen, weil er nicht wisse, ob dies offene oder verdeckte Operationen seien. Jedenfalls nimmt der Druck auf die Politik zu. Beim Walldorfer Softwarehersteller SAP, der seinen Kunden seit einem Jahr Betriebswirtschaftssoftware aus der Cloud anbietet, heißt es: „Plötzlich sieht man, dass hier Handlungsbedarf existiert."

Die IT-Branche klagt, dass die Unsicherheit mittlerweile den Aufstieg des Cloud Computing bremse. Viele Unternehmen trauen sich nicht, sensible Daten in externe Rechenzentren zu verlagern. Die meisten, die es doch tun, verlangen, dass ihre Daten auf keinen Fall auf US-Servern gespeichert werden. "Die Kunden reagieren aufgeklärter, stellen Fragen über die Möglichkeiten der US-Regierung und diktieren, was zu tun ist", berichtet Dunn.

Klar jedoch ist: Die Sorgen der Unternehmen sind berechtigt. In der Vergangenheit hatten die USA schon mehrfach von der NSA abgefangene Informationen gegen europäische Wettbewerber eingesetzt: In den Neunzigerjahren hörte der Dienst Telefonate des französischen Rüstungskonzerns Thomson-CSF mit Brasilien ab. Denen zufolge bestach Thomson-CSF Regierungsmitglieder, um einen Satellitenauftrag an Land zu ziehen. Amerika machte dies publik, das Geschäft erhielt US-Konkurrent Raytheon. Ähnlich erging es Airbus ungefähr zur selben Zeit bei einem Auftrag in Saudi-Arabien.

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    NSA fördert Startups

    Als mögliche Schnittstelle zwischen NSA und US-Wirtschaft gilt seit Langem das Advocacy Center im US-Handelsministerium. Das Büro soll Regierungsressourcen koordinieren und für Chancengleichheit gegenüber ausländischen Konkurrenten bei der Vergabe internationaler Großaufträge sorgen. Die Sorge vor solchen Institutionen ist längst keine europäische Debatte mehr: Kanadische Fachmedien etwa warnen Anwälte generell davor, vertrauliche Mandantendaten auf Servern amerikanischer Anbieter zu speichern. Dort sei es unmöglich, Vertraulichkeit zu gewähren.

    Auch Privatnutzer sind zunehmend betroffen, nicht nur ihre Mails landen in den gigantischen NSA-Archiven. Aufgrund der wachsenden Verbreitung von Smartphones und Tablet-Rechnern laden immer mehr Menschen persönliche Daten in populäre Web-Speicherdienste wie Evernote oder Dropbox. So sind die Informationen zwar jederzeit von jedem Gerät aus erreichbar, doch genauso einfach für US-Geheimdienste einsehbar. Und das kann Folgen haben.

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