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Startups Die heimlichen Stars der Cebit

Mehr als 300 Startups tummeln sich auf der Computermesse, die interessantesten Gründer und ihre Ideen im Überblick.

Highlights der Cebit 2014
Zum Abschluss der weltgrößten Computermesse Cebit haben die Veranstalter am Freitag ein positives Fazit gezogen. Das neue Konzept einer reinen Geschäftsmesse, die nicht mehr auf private Besucher setzt, habe sich bewährt: „Der Neustart ist gelungen“, sagte Messe-Chef Oliver Frese. Unter anderem stand der Datenschutz im Mittelpunkt der fünftägigen Messe, die sich erstmals nur an professionelle Anwender richtete. Bis zum Vormittag wurden 210.000 Fachbesucher aus 100 Nationen gezählt - etwas weniger als erwartet. Erstmals seit 2008 kommen nach Angaben der CeBIT mit 55 Prozent wieder mehr als die Hälfte der rund 3400 Aussteller aus dem Ausland. Quelle: dpa
Panono KameraDie Firma Panono hat einen Ball entwickelt, in den 36 kleine Kameras eingebaut sind. Die 360-Grad-Wurfkamera ermöglicht problemlos eine Rundum-Aufnahme vom Messegelände. Damit fängt die Kamera alles ein - auch den Fotografen. Das fertige Bild hat 72 Megapixel. Quelle: dpa
i-limb ultraDie bionische Hand "i-limb ultra" wird am Stand des Herstellers Touch Bionics vorgestellt. Die Prothese vermittelt ein "Echtheitsgefühl", alle Finger lassen sich einzeln bewegen und biegen. Und - mit der i-limb ultra lassen sich auch schwerere Gegenstände greifen und heben. Quelle: dpa
Bag2Go Die Telekom hat einen intelligenten Koffer für Reisefans vorgestellt. Bag2Go heißt der Koffer, der nicht wie sonst mit dem Reisenden im Flugzeug mitreist, sondern per externen Logistikpartner verschickt werden soll. Per Smartphone kann der Koffers jederzeit geortet werden - damit gehört das lästige Koffer verlieren der Vergangenheit an. Zudem gibt Bag2Go sofort Alarm, sollte jemand versuchen den Koffer zu öffnen. Damit es keine böse Überraschungen beim Wiegen gibt, verfügt der Koffer über eine eingebaute Waage. Quelle: dpa
Samsung Gear 2Auch die neue Samsung-Smartwatch mit dem Namen "Samsung Gear 2" ist Thema bei der Cebit. Die Armbanduhr gibt ihrem Träger ein diskretes Signal, wenn auf dem Computer in der Tasche beispielsweise eine E-Mail oder Facebook-Nachricht eingeht. Quelle: dpa
Vectoring-TechnologieDie Vectoring-Technologie wird am Stand der Telekom visuell dargestellt. Vectoring ist eine Technologie, die vorhandene Kabel für den Datenverkehr schneller machen kann. Mit Hilfe des Datenturbos kann die Telekom die Übertragungsgeschwindigkeiten ihres VDSL-Netzes deutlich steigern. Quelle: dpa
RoboyEin Roboter, der Gefühle zeigt und sich wie ein Mensch bewegt - das stellt die Universität Zürich auf der diesjährigen IT-Messe Cebit in Hannover vor. Mittels echter Sehnen- und Muskelbewegungen haben Wissenschaftler seine Körperbewegungen nachempfunden. Das Ziel: Die Interaktion von Gehirn und Körper besser verstehen. Quelle: REUTERS

Wer einen kleinen Eindruck davon haben möchte, wie viel Facebook über seine Nutzer weiß, muss auf der Cebit an den Tisch von Meelis Kosk kommen. In einem blauen Ordner hat er seine eigenen Basisinformationen ausgedruckt, allerdings nur 139 von 400 Seiten. Die insgesamt 17.394 Zeilen sind für Außenstehende kryptischer Computercode. Kosk macht sie sich für sein Startup Big Data Scoring zu Nutze: „Wir prognostizieren damit das Rückzahlungsverhalten bei Krediten“.

Dazu wird das Netzwerk der Freunde analysiert, zudem das Nutzungsverhalten. „Wenn jemand ständig etwas postet und unzählige Freunde akzeptiert, ist das ein schlechtes Zeichen“, sagt Kosk. In Polen, Tschechien oder Finnland bietet das Unternehmen aus Estland seinen Service bereits an, in Dänemark oder Norwegen laufen Tests. Die Nutzer müssen bei der Beantragung eines Kredits in die Nutzung ihrer Facebook-Daten einwilligen und erhalten dafür eine Gutschrift, die je nach Land zehn Euro oder mehr beträgt.

Interessant sind solche Modelle vor allem in Ländern, wo es wenige Daten über die Kreditwürdigkeit gibt. Diese Märkte hat auch das Startup Kreditech im Visier. Die Hamburger arbeiten ähnlich, stellen die Kredite aber auch gleich selbst zur Verfügung. Zehn Millionen Euro waren es im vergangenen Jahr, 2014 soll sich die Summe verdreifachen. Auch das Volumen der angebotenen Kredite wird demnächst nämlich deutlich ausgeweitet: Statt 500 Euro werden bis zu 2500 Euro verliehen, die Laufzeit beträgt statt 30 Tagen bis zu einem Jahr. „Wir zielen insbesondere auf Länder, wo es keine Schufa gibt“, so Kreditech.

In Polen, Tschechien, Russland, Spanien und Mexiko vergibt Kreditech bereits Privatkredite, Brasilien und Peru sollen in diesem Jahr folgen. Als erster Test für reifere Märkte startet das Angebot zudem auch in Australien.

Die beiden Kreditanalysespezialisten sind zwei von 50 Startups, die sich auf der diesjährigen Cebit für den Wettbewerb Code_n qualifiziert haben. Bereits zum dritten Mal stellt der Stuttgarter IT-Dienstleister GFT den Jungunternehmern eine eigene Halle zur Verfügung, um sich zu präsentieren.

Inzwischen wird sie allgemein als einer der Höhepunkte der gealterten Computermesse wahrgenommen.

Dazu trägt auch die Gestaltung durch wechselnde Künstler bei, die sich deutlich von den anderen Messehallen unterscheidet. In diesem Jahr laufen riesige farbige Kurven von den schwarz verhangenen Wänden herab. Sie zeigen wie oft bestimmte Begriffe seit 1800 in der Literatur vorkommen. Das Leitmotto der Cebit, „Datability“, wird so auch optisch erfassbar.

Nachdem im Vorjahr der Fokus auf grüner Technologie lag, wurden diesmal für Code_n Big-Data-Startups ausgewählt. Der Wettbewerb ist dabei so international wie nie: aus 17 Ländern kommen die Gründer, 13 der 50 Startups stammen aus Deutschland.

Viele von ihnen versprechen, Datenanalysen schneller und günstiger zu machen oder bieten vielfältigste Formen der Auswertung und Visualisierung von Informationsmassen an. Bei einigen wird das abstrakte Thema Big Data dagegen greifbarer. Auf der Seite von Marineexplorer kann jedermann vor dem Strandurlaub nachschauen, welche Temperatur das Meer vor Ort gerade hat. Die estnischen Gründer mit Firmensitz im kalifornischen Sunnyvale kombinieren die Daten aus tausenden verfügbaren Quellen, von Bojen und Bohrplattformen, Roboterschiffen bis zu markierten Robben. Genutzt werden sie einerseits von 6800 Wissenschaftlern, andererseits stellen sie Unternehmen eine kommerzielle Version der Plattform zur Verfügung.

Precogs aus Paris wiederum analysiert die Entwicklung von Preisen, Lieferzeiten und Bestellmengen diverser elektronischer Bauteile. Die Genauigkeit hat schon manchen Kunden beeindruckt: „Ein Interessent aus Peking sagte einmal, wir sind Chinesen, wir wissen am Besten wo es was am günstigsten gibt“, erzählt Precogs-Manager Jean-Louis Andorin. Doch nach einer Demonstration hatte er die Chinesen als Kunden gewonnen.   

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