WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Tablet-PCs Androiden greifen das iPad an

Noch dominiert Apples iPad die Branche, doch nun jagt die Konkurrenz den Primus mit einer Flut innovativer Tablet-PCs.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Apple-Chef Steve Jobs Quelle: REUTERS

Er wird kompakter, deutlich leichter, bekommt ein Gehäuse aus Kohlefaser, eine zweite Kamera für Videokonferenzen und wird – wenn er im März auf den Markt kommt – für rund 450 Dollar zu haben sein. Oder es kommt doch alles ganz anders. Wie auch immer: Alle Enthüllungen, die über Apples iPad 2 im Internet kursieren, sind kaum mehr als Spekulation. Apple schweigt eisern und lässt werbewirksam die Gerüchteküche brodeln. So gesehen scheint alles wie immer, wenn die Kalifornier ihre Fans mit einem neuen Designerstückchen verzücken oder die Konkurrenz mit einem neuen Trendsetter schocken wollen.

Doch der Schein trügt.

Konnte sich Apple-Chef Steve Jobs nach der Präsentation des iPhone 2007 fast drei Jahre auf einem komfortablen Vorsprung ausruhen, bis die Handyhersteller mit konkurrenzfähigen Smartphones konterten, ist beim iPad alles anders. Denn die Computerbranche hat aus dem iPhone-Schock der Handyproduzenten gelernt.

Apple-Konkurrenz ist deutlich günstiger

Nur zwölf Monate nach der Vorstellung des iPad im Januar vergangenen Jahres präsentieren die Branchenriesen seit Anfang Januar eine wahre Flut von Tablet-Computern unterschiedlichster Preis-, Funktions- und Leistungsklassen. Quer durch die Branche wollen Hersteller wie Dell, Motorola, Blackberry-Produzent Research in Motion (RIM) und Samsung ihre neuen Geräte in den nächsten Wochen auf den Markt bringen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Viele davon kaum weniger chic, ähnlich leicht bedienbar und zum Teil deutlich günstiger als Apples Vorbild. Daneben erweitern Tablets mit integrierter Schiebetastatur oder Kombi-Geräte, wie das Ideapad U1 von Lenovo, die sich wahlweise als vollwertiges Notebook oder als handlicher Flachrechner nutzen lassen, das Angebot.

    Die Tablet-Rechner verändern nicht nur den Umgang mit Computern, die nun noch handlicher sind und damit die letzten Winkel des Alltags erobern: Sie sind auch optimale Werkzeuge für Mitschriften in Verhandlungen, das Lesen von Geschäftsunterlagen in der Bahn oder einfach zum abendlichen Surfen im Bett. Und sie verändern nachhaltig die Art, wie wir Medien nutzen.

    Auf den Weg in den Echtzeit-Nachrichtenkonsum

    "Wir sind auf dem Weg zu einer Art Echtzeit-Nachrichtenkonsum", sagt etwa Nikolaus Mohr, Geschäftsführer im Bereich Communications und High Tech beim Beratungsunternehmen Accenture. Denn über die handlichen Tablets werde der schnelle Konsum von Informationen zu jeder Tageszeit und in jeder Alltagssituation möglich.

    Was die neue Technik leisten kann, zeigt beispielsweise das Tablet-Programm der Tagesschau-Redaktion: Nutzer können hier Kurzfassungen der neuesten Nachrichtensendung ansehen, vertiefende Artikel zu aktuellen Themen lesen und zu denen wiederum Bildbeiträge oder Kommentare abrufen. Ständig aktuell und zudem ruckelfrei.

    Völlig anders und noch innovativer ist das Programm Flipboard, das aus den verschiedensten Nachrichtenquellen sowie Blogs, Twitter und sozialen Netzwerken die neuesten Beiträge sammelt und diese wie ein persönlich anpassbares Magazin zum Durchblättern auf den Tablet bringt.

    Auch das digitale Fotoalbum wird endlich leicht bedienbare Realität. In fast schon perfekter Imitation des klassischen Bilder-Buchs lassen sich die Urlaubsbilder über den Schirm schieben oder Oma und Opa die jüngsten Gehversuche des Enkels als Kurzvideo präsentieren.

    Vor allem aber bringen Tablet-Computer die digitale Welt näher als je zuvor an die aus dem realen Leben gewohnten und erlernten Gewohnheiten der Menschen heran, erklärt Accenture-Spezialist Mohr, den Erfolg der Flachrechner. "Dank der intuitiven Bedienkonzepte werden die Tablets damit auch für neue Nutzergruppen attraktiv, denen die Technik bislang immer zu kompliziert war."

    Microsoft-Chef Steve Ballmer Quelle: AP

    Keine Frage: Apple hat hier – erst mit dem iPhone, dann mit dem iPad – Standards gesetzt. Und so werden die Kalifornier das Tablet-Segment nach Ansicht von Experten wie Keith Bachman vom amerikanischen Marktforscher BMO Capital Markets zunächst auch weiter anführen.

    Doch die Konkurrenz wird rasch härter. So versucht etwa Softwaregigant Microsoft mit einer für Tablets optimierten Version seines Windows-7-Betriebssystems einen Teil der PC-Dominanz in die mobile Welt hinüberzuretten. Und der weltgrößte PC-Hersteller, Hewlett-Packard, wird voraussichtlich im Frühjahr erste Mobilrechner auf der Basis des 2010 mit dem Handheld-Pionier Palm zugekauften Betriebssystems webOS auf den Markt bringen.

    Der große Gewinner im 2011 auf weltweit mindestens 45 Millionen Geräte wachsenden Markt aber werde Google sein, prognostiziert Bachman. So trugen nach Branchenberechnungen 2010 noch gut vier Fünftel aller 15 Millionen verkauften Tablet-Computer das Apple-Logo. Doch spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2011 werde Googles Android-Plattform, gemessen am Marktanteil der Softwareplattformen, auf ebenso vielen Tablets laufen wie das Apple-Betriebssystem iOS.

    Google hängt Apple ab

    Und – iPad 2 hin oder her – nach Ansicht von Bachman wird die Android-Fraktion Apple beim Wachstum in den nächsten Jahren sogar abhängen.

    Top-Jobs des Tages

    Jetzt die besten Jobs finden und
    per E-Mail benachrichtigt werden.

    Standort erkennen

      Damit zeichnet sich, wie in der Handywelt, auch bei den Tablets ein Zweikampf der Giganten ab zwischen Apple und Google. Denn der Suchmaschinenriese ist gerade dabei, sein bei Smartphones erfolgreiches Betriebssystem für den Einsatz auf den Tablet-Rechnern zu optimieren.

      Die nächste Android-Generation 3.0 – Codename Honeycomb – wird mit einem modifizierten Bedienkonzept mit 3-D-Darstellung von Anwendungs- und Bediensymbolen sowie erweiterten Funktionen wie etwa der automatischen Lesezeichensynchronisation zwischen Tablet und Haupt-PC speziell auf die handlichen Flach-Computer zugeschnitten sein.

      Und dieses System läuft auf den meisten neu vorgestellten Tablet-Rechnern. Motorola etwa sorgte auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas mit dem neuen Tablet-Modell „Xoom“ für Aufsehen (unten). Der einstige Handyspezialist will seinen Android-3.0-Rechner im März als einer der ersten Hersteller auf den US-Markt bringen. Der deutsche Markt folgt im späteren Jahresverlauf.

      Hersteller und Kunden profitieren vom Wettbewerb

      Auch Asus, Samsung oder Panasonic setzen auf Googles Technik, die zunehmend zum Windows der mobilen Internet-Welt wird: Apple besetzt das Premiumsegment. Das Massengeschäft macht Android, wie einst Microsoft auf dem PC.

      Von dem verschärften Wettbewerb werden nicht nur die Kunden – dank rasch fallender Gerätepreise – profitieren, sondern auch die Hersteller. Denn ähnlich wie die zwar vergleichsweise leistungsschwachen, aber preiswerten Netbooks, die das neue Marktsegment der Zweit- und Drittcomputer in Privathaushalten erschlossen haben, werden auch die Tablets weder Schreibtischrechner noch Laptops vom Markt verdrängen, sondern zusätzliche Umsätze generieren.

      Für viele traditionelle Anwendungsfelder des PCs sind sie mangels Rechenpower oder vernünftiger Tastatur eher ungeeignet. So lassen sich auf den virtuellen Displaytasten zwar nach einer Eingewöhnungszeit Texte und E-Mails verfassen. Wer aber Präsentationen gestalten oder Bilder bearbeiten will, benötigt auch in Zukunft eine Tastatur und eine Maus.

      Doch das tut dem Tablet-Boom keinen Abbruch: Laut einer Übersicht der BMO-Experten kommen im Laufe dieses Jahres 25 bis 30 neue Tablet-Computer von mindestens 20 Herstellern auf den Markt; darunter Asus, Fujitsu, Hewlett-Packard (HP), HTC, Lenovo, LG, MSI, Panasonic, Samsung, Toshiba und ViewSonic.

      Apples iPad 2 – zumindest das ist jenseits aller Gerüchte schon jetzt klar – ist dann nur noch ein Tablet von vielen.

      © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
      Zur Startseite
      -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%