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Telekommunikation Abgang der klassischen Telefonanlage

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Rechenzentrum von Strato: Quelle: obs

Umso mehr, wenn virtuelle Telefonanlagen – wie etwa beim Druckereimanager Bradtmöller – vergleichbare oder zusätzliche Funktionen für weniger Geld bieten als die Vermittlungstechnik im eigenen Schaltschrank. Denn für den Kölner Unternehmer ist es in Zukunft egal, ob seine Mitarbeiter einander in der Firma anrufen – oder im Rest der Republik, wo Onephone das Netz von E-Plus nutzt: „Interne“ Telefonate der Mitarbeiter untereinander sind kostenfrei. Für den Rufaufbau reicht die übliche Kurzwahl.

Wer externe Telefonate führen will, um Geschäftspartner zu erreichen, holt sich „ein Amt“. Dabei kann der Nutzer wählen, ob die eigene Festnetz- oder die Handynummer angezeigt wird. Externe Telefonate aus der eigenen Funkzelle rechnet Onephone zu Festnetzkonditionen ab, Gespräche unterwegs zu den üblichen Geschäftskundentarifen. Branchenriesen wie Siemens, Cisco oder die Deutsche Telekom, die seit Jahren Telefonanlagen und den zugehörigen Service verkaufen, sind alarmiert. Nicht anders die zahlreichen kleineren Anbieter von Vermittlungstechnik für mittelständische Unternehmen wie Agfeo, Auerswald, Funkwerk oder Tiptel. Für alle steht ein Milliardengeschäft auf dem Spiel. Ein sicheres zumal, denn fünf- bis zehnjährige Serviceverträge für Vermittlungstechnik und Telefone waren in der Branche bisher die Regel – und fünfstellige Miet- und Wartungskosten im Jahr für viele Mittelständler völlig normal.

Die Zeiten derart leicht verdienten Geldes aber sind vorbei. Neben neuen Mobilfunkdiensten, wie Onephone sie bietet, konkurrieren zunehmend auch Internet-Anbieter mit Telefondiensten um Unternehmenskunden. Bei Firmen wie Sipgate, nfon, bluvo, Deutsche Telefon Standard oder toplink übernehmen spezielle Telefonserver im Internet die Funktion der traditionellen Telefonanlagen beim Kunden. Sie alle haben das Stadium technischer Spielerei hinter sich gelassen und werden zu einer ernst zu nehmenden Alternative zu Telekom & Co.

Umso mehr, als schnelle Online-Anschlüsse bei den meisten deutschen Unternehmen heute ebenso zum Standard gehören wie leistungsfähige interne Datennetze. Die verknüpfen Computer ebenso gut wie moderne Tischtelefone für Internet-Telefonie. Die unterscheiden sich von klassischen Büroapparaten nur darin, dass sie die Gespräche über die Online-Verbindung übermitteln statt über herkömmliche Telefonleitungen oder den ISDN-Anschluss. Die Gesprächspartner merken davon in der Regel nichts.

Virtuelle Kommunikationszentrale über das Internet

Für die Unternehmen jedoch haben die Internet-Anschlüsse zahlreiche Vorteile: Sie sind nicht nur flexibler und komfortabler, sondern zumeist auch billiger als klassische Vermittlungstechnik. Aus dem Grund hat auch Steffen Landgraf klassische Vermittlungstechnik aus den Büros seines Arbeitgebers, dem weltweit tätigen Betreiber der Online-Ticketing-Plattform Etix.com, verbannt. Dabei hat der 50-jährige Technikexperte selbst jahrelang für die Deutsche Telekom Telefonanlagen installiert und gewartet. Doch bei Etix im sächsischen Chemnitz hatte die alte Technik keine Zukunft mehr.

Seit eineinhalb Jahren nutzt der Web-Dienstleister nun den Vermittlungsservice des Internet-Telefonie-Anbieters nfon aus München. Heute verbindet virtuelle Vermittlungstechnik die Telefone der rund 50 Etix-Beschäftigten an acht Standorten in Deutschland, den USA und Kanada. Und das – seit dem Umstieg auf die neue Technik – mit 35 bis 45 Prozent niedrigeren Kommunikationskosten, „je nach Monat und Nutzung“, sagt Landgraf.

Auch, weil die Online-Verbindung teure Überseeverbindungen überflüssig macht. Sie laufen nun kostenlos durch das Internet. Zudem habe früher, bei den fest verdrahteten Telefonen, jede Neukonfiguration oder Anrufumleitung „ein kleines Informatikstudium erfordert“, sagt Landgraf. Heute reichten ein paar Mausklicks im Online-Menü, „und eingehende Anrufe landen am anderen Ende der Republik oder gleich jenseits des Atlantik“. Bei manchem Telefonanbieter klappt das auch umgekehrt. Dienstleister wie der Düsseldorfer Anbieter Sipgate offerieren nicht nur Anschlüsse in fast allen deutschen Ortsnetzen in ihrem Online-Portal. Wer etwa als Münchner Rechtsanwalt auch für Klienten aus Regensburg, Augsburg und Ulm zum Ortstarif erreichbar sein will, aktiviert in seinem Kundenprofil einfach weitere Rufnummern aus den entsprechenden Ortsnetzen.

Genauso klappt das auch international. „Per Mausklick integrieren wir Nummern aus knapp 30 Staaten weltweit – von Argentinien über Kanada bis Zypern – in die digitale Vermittlungstechnik unserer Kunden“, sagt Sipgate-Gründer Tim Mois. Dank Internet-Telefonie sei so auch die lokale telefonische Präsenz im Ausland nur ein paar Klicks im Sipgate--Online-Portal entfernt. Nur dass dort eingehende Anrufe dann via Internet am deutschen Anschluss auflaufen.

Nun reagieren die traditionellen Anbieter. Fast alle haben inzwischen neben klassischer Vermittlungstechnik auch Telefonanlagen mit VoIP-Funktion im Programm. Viele haben zudem die Laufzeiten ihrer Serviceverträge reduziert. Und die Deutsche Telekom sowie Vodafone offerieren mit den brandneuen Tarifangeboten Deutschland-LAN sowie OfficeNet sogar erstmals reine virtuelle Telefonanlagen für Unternehmenskunden – wohl wissend, dass das zulasten ihres traditionellen Geschäfts gehen wird.

Etwas anderes bleibe den etablierten Anbietern auf Dauer ohnehin nicht übrig, glaubt Berlecon-Expertin Dufft, getreu dem Motto: „Kannibalisiere dich selbst, bevor andere es tun.“

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