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Treibstoff Sonne in den Tank

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Energiequelle Quelle: Laif

Dieses Manko aber lässt sich angesichts einer weiteren Stärke des grünen Sprits verschmerzen. Der nämlich eignet sich nicht nur als Benzinersatz, sondern auch als Speicher für erneuerbare Energien: Heute besteht oft das Problem, dass Windräder und Solarzellen gerade dann besonders viel Strom produzieren, wenn wenig verbraucht wird – mittags zum Beispiel, wenn die Sonne brennt, oder in stürmischen Nächten. Die grünen Stromkraftwerke werden bei zu geringer Nachfrage mitunter sogar vom Netz genommen.

Diese überschüssige Energie will Solarfuel-Chef Waldstein künftig nutzen. 2013 will der Unternehmer in der Nähe einer Windkraftanlage eine Gasproduktion aufbauen, die immer dann mit dem Windstrom Gas erzeugt, wenn andere Abnehmer fehlen. Bis zu zwei Millionen Kubikmeter Erdgas im Jahr soll die Anlage so mit bisher überschüssigem Strom erzeugen. Das entspricht etwa der Energiemenge von zwei Millionen Liter Diesel. Bei fünf Liter Verbrauch pro 100 Kilometer kämen 4000 Autos damit 10 000 Kilometer weit. Vorerst will Solarfuel sein Produkt aber ins Erdgasnetz einspeisen.

Spätestens 2020 in großem Stil produzieren

Auch Sunfire will in den kommenden Jahren in die Massenproduktion einsteigen. Bis 2013 wollen die Bremer ihre Testanlage fertigstellen; die Demonstrationsanlage soll bis 2016 stehen. Deren Kosten taxiert eine Machbarkeitsstudie der Universität Bayreuth und eines Automobilkonzerns, der nicht genannt werden will, auf 30 bis 50 Millionen Euro. Geschäftsführer Berninghausen ist indes zuversichtlich, dafür auch öffentliche Förderprogramme der EU zu gewinnen.

Spätestens 2020 wollen die Bremer Kraftstoffe in großem Stil produzieren. Laut Machbarkeitsstudie könnte die geplante Großanlage pro Tag rund 650 000 Liter Diesel, Benzin oder Kerosin herstellen. Das klingt beeindruckend – und ist trotzdem nur ein Bruchteil jener rund 180 Millionen Liter Benzin, die deutsche Autofahrer Tag für Tag verbrauchen.

Den Treibstoffdurst sollen daher baldmöglichst auch Alexander Krajetes Tiefsee-Mikroben stillen helfen. Die Tierchen, das ergaben die Tests in Wien, sind Fress- und Verdauungswunder: Ein zwei Meter tiefes 25-Meter-Hallenschwimmbecken voll damit liefere in einem Jahr genug Erdgas, um 100 000 Autos 10 000 Kilometer weit zu fahren, rechnet Krajete vor. Mit einem solchen Becken ließe sich die Jahresproduktion von rund 50 großen Offshore-Windrädern – ungefähr 750 Gigawattstunden Strom – in Treibstoff umwandeln. Die Technik, sagt er, sei reif für den Großeinsatz.

Um einen Kubikmeter Erdgas herzustellen, verbraucht das Mikroorganismen-Verfahren zwischen 14 und 16 Kilowattstunden Strom. Momentan liegen die Kosten pro Kilowattstunde bei rund acht Cent. Sunfire und Solarfuel kalkulieren mit ähnlichen Stromkosten.

Konkurrenzfähig werde sein Produkt bei Kosten von fünf Cent je Kilowattstunde Windstrom, rechnet Krajete vor. Damit würde der Archaeen-Treibstoff 75 Cent pro Kubikmeter kosten. Selbst dann aber wäre er, rechnet man die Steuern mit ein, zu heutigen Preisen noch immer 20 Cent teurer als herkömmliches Benzin.

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