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Trinkwassergewinnung Der Markt für Wasseraufbereitung boomt

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Die Idee der Wiederverwendung macht Schule. Dabei mussten Pioniere der ersten Stunde noch eigene Lösungen finden. Ende der Achtzigerjahre entschied das Management des Textilherstellers H. Brinkhaus in Warendorf, den gewaltigen Wasserverbrauch – 1987 waren es 145 Millionen Liter, die nach Nutzung stark verschmutzt in die örtliche Kläranlage flossen – beinahe auf null zu reduzieren. Fünf Jahre später war es geschafft. Zum einen durch Mehrfachnutzung von Waschwasser, zum anderen durch eine eigene Kläranlage, die die Abwässer so weit reinigte, dass sie wiederverwendet werden konnten. Heute bieten Unternehmen wie EnviroChemie aus Rossdorf bei Darmstadt oder die niederländische Lenntech maßgeschneiderte Anlagen für das Recycling industrieller Abwässer an.

Der Münchner Autobauer BMW reduzierte den Wasserverbrauch pro produziertem Fahrzeug in den vergangenen fünf Jahren von knapp 1000 auf 640 Liter. Auf die Spitze getrieben haben die Bayern das Wassersparen in ihrem Motorenwerk im österreichischen Steyr. Vor gut einem Jahr schlossen sie den Kanalanschluss für Prozesswasser. Seitdem wird jeder Tropfen, der in der Produktion genutzt wird, in einer dreistufigen Anlage gereinigt. Per Ultrafiltration werden Öl und Fett, per Nanofiltration Schwermetalle und Tenside abgetrennt. Eine Umkehrosmoseanlage schließlich entfernt Salze und organische Verbindungen. Damit spart das Werk pro Jahr 30 Millionen Liter Wasser ein, das entspricht dem Jahresverbrauch von 650 Menschen.

Amortisationszeit für Einfamilienhäuser bei 10 bis 20 Jahren

„Wasser muss, wie Energie, nachhaltig genutzt werden“, fordert Kandeh Yumkella, Generaldirektor der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (Unido). Die dabei angewandten Methoden müssten zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen, dürften die Umwelt aber nicht schädigen. Die deutsche Industrie ist bereits auf gutem Weg. Weniger als ein Viertel des Wassers, das sie benötigt, nutzt sie nur einmal. Rund drei Viertel führt sie im Kreislauf. Laut Statistischem Bundesamt wird jeder Tropfen Wasser 3,5-fach genutzt.

Auch private Haushalte können mitmachen, mit einer Kleinkläranlage des Wassertechnikspezialisten Pontos aus dem Schwarzwaldstädtchen Schiltach beispielsweise, die Dusch- und Badewasser so weit reinigt, dass es zur Toilettenspülung, in der Waschmaschine und zur Gartenbewässerung genutzt werden kann. Einsparungen von bis zu 90.000 Liter pro Jahr sollen mit AquaCycle möglich sein. Die Amortisationszeit für Einfamilienhäuser liegt nach Pontos-Angaben bei 10 bis 20 Jahren. Das Itzehoer Unternehmen Condias hat eine Kleinkläranlage für Züge serienreif gemacht. „Dann kommt eine Toilette monatelang mit zehn Liter Wasser aus“, sagt Vertriebsspezialist Matthias Lorenzen. Heute schießen täglich 100 Liter und mehr in die Edelstahlschüssel. Die Itzehoer realisieren das wasser- und energiesparende WC mit dem Vacuumtoilettenspezialisten Evac aus Wedel bei Hamburg.

Bei der Bereitstellung von Trinkwasser machen den Wasserwerken zahlreiche Rückstände wie Spuren von Arsen, Quecksilber und selbst Uran zu schaffen, ganz zu schweigen von Medikamenten menschlichen und tierischen Ursprungs. Komplex aufgebaute Pharmazeutika wie Steroide und Antibiotika lassen sich mit konventionellen Verfahren nicht knacken, ebenso wenig Düngemittel und Pestizide. „Um diese zu zerstören, ist eine Kombination aus UV-Strahlung und starken Oxidationsmitteln wie Wasserstoffperoxid nötig“, sagt Sven Schalk von Heraeus Noblelight in Hanau, einem Hersteller solcher UV-Strahler. Eingesetzt wird die UV-Bestrahlung beispielsweise von Wedeco in Herford.

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