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Umfrage zum IT-Gipfel "Viele Ankündigungen, keine Resultate"

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Welche konkreten Maßnahmen müsste die Politik ergreifen, um das Klima für Startups zu verbessern und den IT-Standort Deutschland voranzubringen?

Lukasz Gadowski, Gründer der Internet-Firma Spreadshirt

Tino Truppel (Pidoco): Die Politik sollte nicht versuchen Probleme im IT-Bereich (Internetkriminalität etc.) über den Köpfen der Firmen hinweg zu lösen. Die Lösungen, die so entstehen sind meist für Start-Ups nicht praktikabel oder erst gar nicht umsetzbar.

Lukasz Gadowski (Spreadshirt-Gründer und Investor): Beim Datenschutz ist vieles im Argen, die Vorratsdatenspeicherung schadet mehr als sie nützt. Auf der anderen Seite gibt es oft auch unsinnige Behinderungen durch überpeniblen Datenschutz. Im Effekt wandern die Marktanteile einfach in die USA.

Regulatorisch kann man sich im Ausland viel anschauen. Banale Dinge machen Schwierigkeiten, zum Beispiel die Incentivierung von Mitarbeitern oder Aufsichtsräten durch Anteile – ein Horror, der eigentlich leicht zu beheben wäre.

Auch Förderungen von Innovationen sind interessant. Anstatt staatlicher Programme sollte die Regierung lieber die Wirtschaft mit steuerlichen Anreizen fördern. Hier ist Frankreich sehr erfolgreich – durch Steuervorteile für Privatpersonen haben diese Anreize, in Innovationen zu investieren. Funktioniert dort super, hier bitte auch einführen!

Sönke Schulz (Tredition):  Die Bundesregierung (alt wie neu) bürgt bei Verbindlichkeiten der Banken und Unternehmen wie z.B. Opel mit Milliardenkrediten. In der Gründungsszene kommt so ein Konstrukt leider nicht zum Einsatz. Es bürgen immer die Gründer. Auch Bürgengemeinschaften bitten am Ende den erfolglosen Gründer zur Kasse und das bis der letzte Euro zurückgezahlt wurde.

Es ist für den IT-Standort vorteilhaft, wenn ein Bürgenfonds eingerichtet wird. Dieser ist die Sicherheit für Fremdkapitalgeber, die in Startups investieren. Der Gründer müsste natürlich den Fremdkapitalgeber (z.B. die Bank) und den Fonds von seiner Idee und sich oder seinem Team überzeugen. Der Gründer ist aber so geschützt, dass er nicht sein Leben lang zurückzahlen muss.

Julia Derndinger (Entrepreneuers Organization): Weniger Bürokratie, Vereinheitlichung von Gewerbeangelegenheiten in den Bundesländern, mehr Flexibilität in der Mitarbeiterplanung, Vereinfachung der Steuergesetzgebung insbesondere für Gründer in den ersten Jahren beziehungsweise bevor erste große Umsätze da sind.

Heiko Hubertz (Bigpoint): Die Politik sollte sich in den offenen Dialog mit den Unternehmen geben und zusammen mit den Unternehmern Lösungen erarbeiten. Diese dürfen aber den Wirtschaftsstandort Deutschland nicht gefährden und müssen sinnvoll umsetzbar sein. Nur so kann langfristig das Vertrauen der Nutzer gestärkt und der Wirtschaftszweig Neue Medien gestärkt werden.

Hier ist unsere Forderung ganz klar: wir möchten das der Wachstumsmarkt Games als modernes Kulturgut von der Politik anerkannt wird. Ähnlich der Filmförderung erwarten wir dass sich die Politik stärker dafür einsetzt den für Deutschland immer wichtiger werdenden Wirtschaftszweig elektronische Spiele mehr zu fördern. Gerade was die Startup Finanzierung angeht sollte Unternehmertum und der Mut sich in solchen schwierigen Zeiten selbstständig zu machen durch eine leichtere und transparentere Kreditvergabe gefördert werden.

Um den Technologiestandort zu fördern muss die Bundesregierung auch ihr Versprechen, bundesweit Breitbandfähige Internetzugänge zu schaffen, umsetzen

Sven Schmidt (Verwandt.de): Meiner Ansicht nach sollte sich die Politik auf Rahmenbedingungen fokussieren und nicht auf Klientelpolitik. Was heißt das konkret? Zum einen mehr Bildung (= mehr Informatik Studenten) und bessere Infrastruktur (= VDSL für jeden Haushalt), zum anderen weniger Bürokratie, einfacheres Steuersystem, keine Subventionen und keine öffentlich-rechtlichen Medien. Mir konnte noch niemand erklären, warum wir eine IHK-Zwangsmitgliedschaft in Deutschland haben.

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