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50 Ideen für eine bessere Welt So wird der Alltag grüner

Klimawandel, Rohstoffknappheit und soziale Ungerechtigkeit: Die Probleme klingen global und für den Einzelnen unlösbar. Doch ganz so ohnmächtig sind die Konsumenten nicht. Sie können Modelabels wählen, die Biorohstoffe nutzen oder Hemd und Hose wiederverwerten. Sie können aber auch mit einfachen Technologien einen großen Teil ihrer Heizkosten einsparen. Schon in wenigen Jahren ermöglichen ihnen High-Tech-Lampen, mit einem Bruchteil des Stroms auszukommen.

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Vom Feld in den Kleiderschrank - Immer mehr Modedesigner entdecken den Trend zur Ökomode. So auch das deutsche Startup

Schick mit Rhabarber

Ökomode? Bisher stand das eher für gewaltfrei gestrickte, aber kratzige Wollpullover. Entsprechend klein war der Kundenkreis: Überzeugungstäter, denen das grüne Gewissen wichtiger ist als ihr Erscheinungsbild. Zahlreiche Bekleidungshersteller und Eco-Designer setzen dem nun einen neuen Trend entgegen: haltbare und zeitlos schicke Kleidung, die mehr als eine Saison getragen werden kann und allein deshalb schon zigfach nachhaltiger ist als die übliche kurzlebige Billigware.

Giorgio Armani greift in seinen Kollektionen zunehmend auf Biohanf und -baumwolle zurück. Die französische Modemarke Marithé + François Girbaud setzt für das Färben und Bleichen von Jeans Laserlicht ein, sodass dafür nur mehr fünf statt der bisher üblichen 150 Liter Wasser benötigt werden. Und der hessische Biomodenhersteller Hessnatur gewann weltweit Beachtung und Kundschaft, nachdem er Entwürfe des spanischen Designers Miguel Adrover – einem Shootingstar der Szene – in seine Kollektion aufgenommen hatte. Grün tragen ist cool. Und so führen die Protagonisten der deutschen Ökomodeszene wie der Naturtextilproduzent The Rooters ihre ökologisch korrekten Entwürfe nun auf eigenen, gut besuchten Modeschauen vor.

Grüner High-Tech für Stadt und Land
Schlafkapsel von Leap-Factory Quelle: PR
Prototyp eines wärmespeichernden Grills Quelle: PR
Mini-Windkraftwerk von MRT Wind Quelle: PR
Leuchtendes Kindle-Cover Quelle: PR
Selbstversorgende Insel in der Südsee Quelle: PR
Tomaten in einem Gewächshaus Quelle: dpa
Ein Schild mit der Aufschrift "Genfood" steckt in einer aufgeschnittenen Tomate neben einem Maiskolben Quelle: dpa/dpaweb

Recycelte Kleidung

Seine Spezialität: mit Inhaltsstoffen der Rhabarberwurzel gegerbtes Leder. Zudem wollen die Textilunternehmen mit der Wiederverwertung alter Stoffe ihre Ökobilanzen verbessern – so zum Beispiel der Kieler Outdoorausrüsters Pyua, der seine Funktionskleidung für Wanderer und Sportler aus recycelter Synthetikware schneidert. Der Stoff ist von neuem Polyester nicht zu unterscheiden.

Das Recycling löst ein großes Branchenproblem: den enormen Ressourcenverbrauch. Die Baumwollnachfrage stieg im vergangenen Jahrhundert weltweit um das Siebenfache und liegt seit 2010 bei 25,4 Millionen Tonnen. Auch die Kunstfaserproduktion ist in die Höhe geschnellt, auf zuletzt 49,6 Millionen Tonnen. Die Hersteller verbrauchen pro Jahr 31 Millionen Liter Öl.

Der Einsatz gebrauchter Ware spare bis zu 50 Prozent der Rohstoffkosten, sagt Bekleidungstechniker Thomas Schneider von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Um künftig auch Baumwolle zurück in den Produktionsprozess führen zu können, entwickelt Schneider für einen großen deutschen Textilhersteller einen Spezialwebstuhl: Das Gerät läuft rückwärts und dröselt das Gewebe von Hosen wieder auf – zurück bleibt ein strapazierfähiges Garn. In zwei bis drei Jahren soll dieser Reverse-Webstuhl fertig sein.

Aufrunden, bitte!

Seit dem 1. März können Verbraucher in teilnehmenden Handelsunternehmen wie Netto oder Kaufland an der Kasse ihren Betrag bis zur nächsten Zehn-Cent-Stelle aufrunden lassen - Und spenden so an nachhaltige Projekte Quelle: AP

Mitfühlende Heizung

Kaum etwas schluckt im Alltag so viel Öl und Gas wie unsere Heizungen: 40 Prozent der weltweit genutzten Primärenergie werden in Gebäuden verbraucht – 85 Prozent davon gehen fürs Wärmen oder Kühlen drauf.
Das soll sich ändern: Das Münchner Startup Tado hat eine Technologie entwickelt, die Heizungen anhand des Verhaltens der Nutzer, der Gebäudecharakteristika und des lokalen Wetters steuert.

Dafür installieren die Bewohner ein kleines Programm auf ihren Smartphones, das ihre Bewegungen analysiert. Eine zigarettenschachtelgroße, weiße Box, die mit der Heizung verbunden ist, empfängt diese Informationen via Drahtlosfunk und steuert die Therme. Sie reagiert, wenn sich der Besitzer früher auf den Heimweg macht, aber auch, wenn er länger im Büro bleibt. Zugleich ermöglicht das Smartphone-Programm, die Heizung via Handy fernzusteuern.

Noch befindet sich Tado im Test. Doch der laufe gut, heißt es bei den Münchnern: So habe Tado „im Schnitt 27 Prozent der Heizkosten einsparen können“, sagt Geschäftsführer Christian Deilmann. Spätestens im Herbst soll das Gerät auf den Markt kommen. Die Kosten dafür werden sich laut Tado für den Nutzer in unter einem Jahr amortisieren.

Stimmt so!

Einkaufen und dabei Gutes tun – das geht jetzt: indem wir an der Kasse aufrunden. In bisher 15 Handelsunternehmen – darunter Kaufland, Netto, Douglas – können Kunden beim Bezahlen mit den Worten „Aufrunden, bitte!“ ihre Rechnung erhöhen, und zwar auf den nächsten Zehn-Cent-Betrag, beispielsweise von 4,48 Euro auf 4,50 Euro. Die gespendeten Cent kommen sozialen Projekten weltweit zugute. Hinter der Idee steckt die Gemeinnützige Stiftungs-GmbH Deutschland rundet auf.

Ihre Überlegung ist einfach: Zwei oder drei Cent zu spenden ist für jeden machbar. Wenn Millionen von Verbrauchern weltweit so denken würden, kämen sehr schnell und problemlos enorme Summen zusammen. Auf www.deutschland-rundet-auf.de lässt sich die aktuelle Spendensumme verfolgen: In der Bundesrepublik wurde allein in den ersten vier Wochen mehr als zwei Millionen Mal
aufgerundet. Der Spendenerfolg: über 95.000 Euro. Immerhin ein Anfang.

Leucht-Turm

Umwelt



20 Prozent der weltweit erzeugten Elektrizität verbraucht die Menschheit für die Beleuchtung von Straßen, Büros und Wohnhäusern. Forscher arbeiten nun an Lampen, die mindestens 80 Prozent sparsamer sind als die heutige Glühbirne und damit den CO2-Ausstoß erheblich verringern. Die sogenannten organischen Leuchtdioden, kurz Oleds, bestehen aus kohlenstoffhaltigen Kunststoffen. Sie haben nicht nur eine vorzügliche Ökobilanz, sondern auch den passenden Formfaktor, um sich im Alltag durchzusetzen: Mit weniger als zwei Millimeter Tiefe passen sie fast überall hin und erlauben völlig neue Lichtdesigns, etwa als flächiges Oberlicht in der Decke.

Zugleich spenden sie, anders als die sparsamen Leuchtstoffröhren, warmes, angenehmes Licht. Oled-Leuchten für zu Hause, wie sie etwa der Lampenhersteller Osram anbietet, kosten aber noch mehrere Tausend Euro, denn die Massenproduktion läuft gerade erst an. Wie die Zukunft der Beleuchtung mit der Technologie aussehen kann, ist seit Kurzem in der Berliner Dependance der Deutschen Bank zu sehen: Eine sieben Meter hohe Installation hängt dort im Treppenhaus, zusammengesetzt aus insgesamt 384 Oled-Lampen des niederländischen Elektronikkonzerns Philips.

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