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Allergie Die ersten Pollen fliegen schon

Die Allergie plagt schon wieder: Die Haselpollen sind in diesem Jahr besonders früh unterwegs, auch die Birkenpollen verbreiten sich vorzeitig. Heuschnupfen-Patienten haben kaum noch Schonzeiten.

Eine Frau steht neben einer Hasel. Der Frühblüher ist schon gestartet und sorgt bei Allergikern für Schniefnasen. Quelle: dpa

Schon wieder dieses Kribbeln in der Nase, das Augenjucken, dieses ständige Niesen. Allergiker wollen es nicht glauben, aber es geht schon wieder los. So früh im Januar! „Es gibt Leute die sagen: Ende November hat mein Heuschnupfen doch gerade erst aufgehört und jetzt fängt es wieder an“, berichtet der Mannheimer Allergologe Professor Ludger Klimek. Die Haselpollen sind in diesem Jahr wieder sehr früh dran.

Das hat auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) gemerkt. Die ersten Anfragen von geplagten Pollenallergikern kamen schon im Dezember. „Es sieht so aus, dass es die ersten Beschwerden schon Weihnachten gegeben hat“, sagt Patientenberaterin Anja Schwalfenberg.

Der Eindruck täuscht nicht. Früher hat die Hasel erst im Februar geblüht. „Es gibt immer mehr Jahre, in denen die Haselnusspollen teilweise schon Ende Dezember fliegen, die allerersten in bestimmten Regionen“, sagt Professor Karl-Christian Bergmann, Allergologe und Vorstand der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst. Das Saarland und das Rhein-Ruhr-Gebiet seien bei den Ersten, Hamburg sei immer später als München.

Schuld sind die milden Temperaturen Anfang Januar. Der Pollenflug ist zwar noch nicht sehr stark - trotzdem kommt es zu Symptomen. Woran das liegt, erklärt die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst: Nach der allergenfreien Zeit im Winter reagiert der Körper bereits auf geringe Mengen stärker als im weiteren Verlauf der Saison. Vor allem Niesen und laufende Nase treten auf, tränende und gerötete Augen hingegen noch seltener.

Auch die Birke ist früher dran

Die Birke sei im Schnitt auch zwei Wochen früher dran. Dieser Baum kann für Allergiker eine große Rolle spielen: 50 Prozent der Summe aller Baumpollen, die bei Pollenallergikern Heuschnupfen auslösen, stammen laut Bergmann von der Birke. Patienten, die auf Baumpollen allergisch reagierten, bemerkten den früheren Pollenflug.

Wirksame Tipps im Kampf gegen die Pollen
AllergietestDie Nase läuft, die Augen sind gerötet - im Frühjahr liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, dass die Pollenallergie zugeschlagen hat. Doch statt einer Selbstdiagnose ist ein Allergietest sinnvoll, um Hausstaub-, Tierhaar- oder andere Allergien ausschließen zu können. Denn nur wer weiß, was er wirklich hat, kann die schlapp machenden Symptome auch richtig bekämpfen. Allergien lassen sich sowohl durch einen Blut- also auch durch einen Hauttest feststellen. Den Bluttest führt auch der Hausarzt durch. Wird eine Pollenallergie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann es zu Folgeschäden kommen. Bereits das Weißbuch Allergie aus dem Jahr 2004 zeigte, dass bei 30 Prozent der Patienten innerhalb von zehn Jahren Asthma ausbrach. Quelle: dpa/dpaweb
Aktueller PollenflugZu wissen, was wann fliegt, erleichtert dem Allergiker seinen Alltag. Für den langfristigen Überblick helfen Portale wie pollenflug.de. Hier steht eine Jahresübersicht der Pollen-Flugsaison zur Verfügung. Berücksichtigt werden die Durchschnittsvorkommen der einzelnen Pollen, gemittelt aus den Daten des vergangenen Jahres. Die Daten ergeben, dass die Blütezeiten immer früher im Jahr beginnen. Gleichzeitig lohnt sich ein Blick auf die tagesaktuelle Berichterstattung, um zu erfahren, wie heftig die Pollen gerade in der Luft vertreten sind. Quelle: REUTERS
Sport im Freien meidenSind die Pollen besonders heftig unterwegs, sollten Allergiker das Freie meiden. Vor allem Sport an der frischen Luft kann dann unangenehm werden. Während der Pollensaison werden daher eher Sportarten empfohlen, die in der Halle oder im Fitness-Studio stattfinden. Die Sportkleidung sollte erst vor Ort angezogen werden, da sie schon auf dem Weg zum Sport Pollen aufnehmen kann, die dann beim Training zur Belastung werden. Auch Sportarten mit heftigen Belastungsphasen wie Basketball oder Fußball sind nicht zu empfehlen. Sinnvoller ist es, Ausdauersport zu betreiben. Quelle: dpa
Urlaub in der Pollenzeit buchenNichts wie weg! Am besten lässt sich der Pollenflug in Regionen aushalten, wo es die kleinen Quälgeister gar nicht gibt. Generell gilt, dass Küsten und Hochgebirge (ab 1500 Meter) ideale Urlaubsziele für Pollenallergiker sind. Dort wachsen zwar Gräser, aber zumeist Sauer- oder Riedgräser, die in der Regel keine Beschwerden auslösen. Auch die Tropen sind für Allergiker ein gutes Reiseziel. Quelle: dpa
Achtung beim AutofahrenKontakt zur Pollenluft lässt sich auch gut im Auto vermeiden - sofern die Fenster geschlossen bleiben. Spezielle Pollenfilter in der Lüftungsanlage sind für Allergiker ein Muss. Niesanfälle während des Autofahrens können gefährlich werden. Quelle: dpa
Pollen in der WohnungRegelmäßiges Lüften ist wichtig, um ein gutes Raumklima zu schaffen. Wer unter einer Pollen-Allergie leidet, sollte sich jedoch genau überlegen, wann er das Fenster aufreißt. Am Tag sollten die Fenster generell geschlossen bleiben. Ideal ist ein kurzes Lüften ab 23 Uhr. Außerdem ist der Pollenflug von Region zu Region unterschiedlich. Auf dem Land ist die Konzentration vor allem am Morgen zwischen vier und sechs Uhr sehr hoch. In der Stadt dagegen eher am frühen Abend. Quelle: Fotolia
Der richtige Staubsauger Pollen können besonders hartnäckig sein, wenn sie sich in der Wohnung festsetzen. Regelmäßiges Putzen ist also wichtig. Allergiker sollten allerdings darauf achten, einen Staubsauger mit Feinstaubfilter zu besitzen, damit die frisch aufgesaugten Pollen nicht wieder durch die Wohnung wirbeln können. Quelle: dapd

Die Blühzeit für Gräserpollen von Ende Mai bis Mitte Juli sei geblieben. Aber die Blühzeit für Kräuterpollen wie Beifuß und Ambrosia gehe länger, bis in den Oktober rein, erläutert der Allergologe. Bis in den November hinein wurden vom DAAB auch noch blühende Brennnesseln gesichtet.

Der Polleninformationsdienst misst seit 30 Jahren den Pollenflug an 45 Stellen in Deutschland und bietet eine kostenlose Pollen-App (für iOS und Android) an. Damit können Allergiker für ihren Standort eine Pollenvorhersage bekommen. Und wenn sie dazu noch einige Tage ihre persönliche Sensibilität auf den Pollenflug eingeben, sagt ihnen das System, wie stark sie auf die Pollenbelastung reagieren werden. Die Anwendung hat mittlerweile 60.000 Nutzer.

Dramatische Zunahme der Allergiker

Der Allergologe Klimek kennt noch die Regel von früher, dass Pollenallergiker vier bis sechs Wochen im Jahr Beschwerden haben. Heute sei das teilweise umgekehrt. „Die Zahl derjenigen, die auf verschiedene Pollen reagieren, hat dramatisch zugenommen“, sagt der Mediziner.

Wer auf eine Pollenart reagiere, habe tendenziell ein Risiko, das dies auch für weitere Pollen gelte. „Es ist letztlich eine Eigenschaft der Immunreaktion, dass der Körper im Laufe der Zeit auf immer mehr Dinge allergisch reagiert“, sagt Klimek. Verschnaufpausen können dadurch kürzer werden.

Das sind die größten Allergiker-Mythen
Die schlechte Nachricht vorweg: Es gibt keine Heilung für Allergien. Das liegt daran, dass bislang niemand die genauen Ursachen für Allergien kennt. Und solange die Ursache unbekannt ist, ist auch die Heilung unmöglich. Quelle: dpa
Genauso falsch ist der Glaube, mit einem Bluttest zu Hause feststellen zu können, ob man allergisch ist - und gegen welchen Stoff. Wer keine Lust auf falsche Interpretationen und damit eine falsche Behandlung hat, sollte zum Hautarzt oder Allergologen gehen. Quelle: dpa/dpaweb
Auch gibt es Allergien keineswegs nur in unserer modernen Welt - Stichwort Desinfektionsmittel: Schon im Mittelalter soll es Allergien gegeben haben. Was richtig ist, ist aber, dass wenig Bewegung, und viel Heizungsluft unsere Atemwege anfälliger machen. Und das ist in der Tat ein Merkmal unserer Gesellschaft. Quelle: dpa
Es schadet dem Immunsystem von Kindern also nicht, wenn man viel mit Desinfektionsmitteln hantiert. Genauso wenig wird das Kind zum Allergiker, wenn man ihm vor dem ersten Geburtstag sogenannte hochallergene Lebensmittel wie Tomaten und Erdbeeren gibt. Wissenschaftliche Beweise für den Nutzen dieser Art Schonkost gibt es keine. Quelle: dpa
Genauso wenig richtig ist, dass ältere Menschen keine Allergien mehr bekommen können. Allergien können sich zu jeder Zeit und in jedem Alter entwickeln. Das Alter spielt nur bei dem Allergieauslöser eine Rolle: Erwachsene reagieren in der Regel auf andere Stoffe allergisch als Kinder. Quelle: obs
Pollen, eines der häufigsten Allergene bei Erwachsenen, fliegen übrigens nicht nur im Frühjahr und im Sommer. Zwar ist die Pollen- und damit auch die Heuschnupfen-Hochsaison zwischen April und August, Pollen können aber das ganze Jahr über fliegen. Quelle: dpa
Ebenfalls sehr weit verbreitet ist die Allergie gegen Tiere - nicht aber gegen Tierhaare. Die allergischen Reaktionen werden nicht von den Haaren ausgelöst, sondern von Urin-, Kot- und Speichelresten, die an den Tierhaaren oder Federn haften. Quelle: dpa

Bei den Patienten, die während der ganzen Blütezeit Beschwerden haben, sieht Klimek drei Phasen: zuerst eine starke Reaktion auf die ersten Pollen. Die Reaktion lässt dann etwas nach, aber es kommt zu Entzündungen in den Schleimhäuten. „Die Betroffenen haben dann zusätzlich Kopfschmerzen, eine verstopfte Nase, gereizte Schleimhäute, die sich wie wund anfühlen“, sagt Klimek.

Trotzdem würden aber nach einer aktuellen Untersuchung nur zehn Prozent der Allergiker medizinisch richtig behandelt, sagt DAAB-Patientenberaterin Schwalfenberg. Allergien würden oft nicht ernst genug genommen, auch von Ärzten und Krankenkassen. „Eine Allergie ist keine Bagatell-Erkrankung“, stellt sie dagegen fest. Werde diese nicht behandelt, könne daraus Asthma entstehen.

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