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Alternative Energien Die wichtigsten Trends der Solarbranche

Ob Handy, Fassade oder Autodach – die Eigenversorgung mit Sonnenenergie wird zur globalen Massenbewegung. Ist Solarstrom auch ohne staatliche Subvention wirtschaftlich?

Solarstrom für den Hausgebrauch
Sonne im GlasDie Bürger von Schilda wollten das Sonnenlicht einst mit Eimern einfangen und damit ihr fensterloses Rathaus erleuchten – so eine der Sagen von Till Eulenspiegel. Mit diesem umdisponierten Einmachglas wird das Märchen endlich wahr: Einfach das Behältnis in die Sonne stellen und abends den Deckel verschließen – schon erstrahlt feines Solarlicht. Das Geheimnis: Das Glas enthält Solarzellen und einen Akku, dessen Strom eine Leuchtdiode fünf Stunden aufleuchten lässt. Sun in a Jar Quelle: Presse
Doppel-Pack für den HybridWeil gleich zwei Solarquellen die Batterie des C-Max Solar Energi von Ford mit Elektronen auffüllen, soll der Plug-in-Hybrid mit Verbrennungsmotor ganz ohne Kabel und Stecker auskommen. Er lädt sozusagen während der Fahrt – sofern die Sonne scheint. Das Konzeptfahrzeug hat zum einen klassische Siliziumzellen auf dem Dach. Zum anderen ist es mit sogenannten Konzentratorzellen bestückt, die das Sonnenlicht wie ein Brennglas bündeln. Das soll die Ladegeschwindigkeit verachtfachen. C-MAX Hybrid Energi Quelle: Presse
Paddelboot für FauleLass mal die Sonne ran! Kann sich sagen, wer mit einem Elektro-Kajak von Klepper auf Flüssen und Seen unterwegs ist. Zwei Solarmodule mit zusammen 60 Watt Leistung treiben das Boot bei Sonnenschein mit Paddelgeschwindigkeit lautlos voran. Sobald der Fahrer selbst die Paddel ins Wasser sticht, laden die Zellen einen Akku. Dann hat er Strom für Handy, GPS und Zeltbeleuchtung zum Nulltarif. Klepper Falt Solarantrieb für E-Kajaks
Solarhandy gegen NomophobieEs soll Menschen geben, die sich vor nichts mehr fürchten als auch nur eine Minute nicht erreichbar zu sein. Nomophobia (No-Mobile-Phone-Phobia) heißt das Phänomen in Fachkreisen. Den Geplagten kann geholfen werden, verspricht das Schweizer Unternehmen Tag Heuer - eigentlich bekannt für Luxusuhren. Es will im Juli ein Handy auf den Markt bringen, dessen im Display integrierte transparente Solarzelle genug Strom produzieren soll, um das Mobiltelefon allzeit auf Empfang zu halten. Das Laden funktioniert angeblich auch bei Kunstlicht. TAG Heuer Meridiist Quelle: Presse
Strom zum AufstellenKeine Steckdose in Reichweite? Macht nichts! Der mobile Solar-Kiosk Cubox des österreichischen Anbieters HBT Energietechnik versorgt sich selbst mit Strom – am Strand, auf dem Golfplatz, in der Fußgängerzone oder bei der Party im eigenen Garten. Die Zellen produzieren genügend Energie, um den schicken Hingucker zu illuminieren und das Bier zu kühlen. cubox.at Quelle: Presse
Schaufelrad auf dem DachÜber die Dächer unserer Städte und Dörfer streicht, außer bei Windstille, ein beständiger Luftstrom – besonders intensiv über die glatte Oberfläche von Solarmodulen. Die LWS Systems aus Mecklenburg-Vorpommern hat eine Strömungsturbine entwickelt, die ihn über Schaufeln auffängt und in elektrische Energie umwandelt. Die Hybridtechnik hebt die Energieausbeute auf dem Dach; sie ist genehmigungsfrei. www.lws-systems.com/windmodule Quelle: Presse
Heizen mit EisDie Hybridkollektoren des Lörracher Unternehmens Consolar am Bodensee zapfen nicht nur die Sonne als Wärmespender für Dusche und Heizung an. Sie entziehen auch der Luft Wärme und speichern diese in Verbindung mit einer Wärmepumpe in einem Speicher. Ein Teil der Energie wird zu Eis gefroren. Taut das Eis wieder zu Wasser auf, wird besonders viel Energie frei. Dank dieses Effekts fasst der Eis-Wasserspeicher acht Mal mehr Energie als konventionelle Wasserspeicher gleicher Größe. Consolar Solaera Quelle: Presse

Trägt jeder von uns künftig sein Kleinkraftwerk direkt am Leib – eingewoben in die Kleidung? Und lädt, sofern er in der Sonne spaziert, mit ihm sein Smartphone auf?

Wenn sich die Idee von Forschern der Fudan- und der Tongji-Universität in Shanghai bewährt, die sie jüngst in der angesehenen Fachzeitschrift „Angewandte Chemie“ vorgestellt haben, dann sind solche textilen Solarzellen zum Anziehen ganz nahe. Die Wissenschaftler haben ein Gewebe aus dünnen Titandrähten und feinen Fäden aus Nanoröhrchen entwickelt und darin spezielle Farbstoffmoleküle eingelagert. Einfallendes Licht regt diese an, Strom zu produzieren. Eine Leuchtdiode haben die chinesischen Forscher mit ihrer Erfindung schon zum Glühen gebracht. Ein Anfang.

Die Meldung aus China ist ein Beispiel für einen globalen Trend. Mit raffinierten Techniken verwandeln Entwickler überall auf der Welt Gegenstände in solare Kraftwerke: Autodächer, durchsichtige Hausfassaden, Rucksäcke und Handys. Jetzt folgt eben der Mensch. Die Eigenversorgung mit billigem Solarstrom wird zur globalen Massenbewegung.

Bei der weltgrößten Solarmesse Intersolar in München wollte die Branche kürzlich noch eines beweisen: Sonnenstrom ist auch ohne staatliche Subvention wirtschaftlich. Er soll zur alltäglichen, erschwinglichen Energiequelle für jedermann werden – ob Hausbesitzer, Mieter oder Nutzer elektrischer Geräte.

Wir stellen die wichtigsten Trends vor.

Fotovoltaik

1. China überholt alle

Dramatischer könnte sich der weltweite Fotovoltaikmarkt kaum wandeln. Noch vor zwei Jahren dominierten ihn deutsche Investoren. Sie stellten hierzulande Anlagen mit einer Leistung von 7600 Megawatt (MW) auf – mehr als jedes andere Land. Jetzt stürzt der einstige Primus auf Rang vier ab. Künftig bestimmen Prognosen der US-Marktforscher von IHS zufolge andere die Entwicklung. China baut demnach dieses Jahr mit Abstand am meisten zu: rund 13.400 MW. Aber auch Japan und die USA überflügeln Deutschland, wo voraussichtlich nur knapp 2800 MW ans Stromnetz gehen (siehe Grafik).

Insgesamt werden laut IHS auf allen fünf Kontinenten 46.000 Megawatt Grünstrommodule neu installiert. Das entspricht rechnerisch der Leistung von rund 46 großen Kohlekraftwerken. Fotovoltaik wird zum Megageschäft.

China und Japan installieren dieses Jahr fast die Hälfte aller neuen Fotovoltaikanlagen Quelle: IHS

Deutschlands solarer Absturz entbehrt nicht einer gewissen Tragik. Denn ausgerechnet in unseren von der Sonne wenig verwöhnten Regionen reifte die junge Technik dank der üppigen, staatlich garantierten Einspeisevergütungen zur Blüte heran. Hersteller aus aller Welt, allen voran aus China, fanden hier genügend Absatz, um ihren Systemen die Kinderkrankheiten auszutreiben und sie über große Stückzahlen und effizientere Produktionstechniken massiv zu verbilligen.

Kostete die Kilowattstunde Solarstrom anfangs noch 50 Cent und mehr, produzieren heutige Spitzenmodule sie an ergiebigen Standorten schon für weniger als zehn Cent. In Kalifornien mitunter sogar für umgerechnet weniger als fünf Cent.

Der Effekt: In immer mehr Ländern schaffen Geschäfts- und Privatleute Solaranlagen an, um den teureren Stromtarifen der Energieversorger zu entgehen. Die steigenden Stückzahlen werden die Preise für die Fotovoltaiksysteme weiter sinken lassen – der Solarboom nährt sich selbst.

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