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Alternative Energien Google und Facebook starten die Öko-Offensive

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Grünstrom von Apple

Schweine, Mais, Kartoffeln: Iowa, der US-Bundesstaat im Mittleren Westen, ist bekannt für seine bodenständigen Exportwaren. Nun bietet der Mais-Staat ein weiteres Naturprodukt feil – Strom aus Windkraft.

656 Windräder will der Energiekonzern MidAmerican Energy aus Des Moines, Hauptstadt des Bundesstaates, in der weiten Landschaft aufstellen – für 1,9 Milliarden Dollar. Es ist die größte Investition in Iowas Geschichte. Und es ist ein offenes Geheimnis, welcher Konzern die Entscheidung angestoßen hat: Facebook. Das soziale Netzwerk baut in Iowa ein 300 Millionen Dollar teures Datenzentrum, das Strom aus den Windparks beziehen wird.

So werden die großen Internet-Konzerne, oft als Umweltsünder gescholten, nun zu Treibern der Energiewende. Auch Google hat schon mehrere Energieversorger in Oklahoma und North Carolina dazu gedrängt, in Ökokraftwerke zu investieren.

Grüner High-Tech für Stadt und Land
Schlafkapsel von Leap-Factory Quelle: PR
Prototyp eines wärmespeichernden Grills Quelle: PR
Mini-Windkraftwerk von MRT Wind Quelle: PR
Leuchtendes Kindle-Cover Quelle: PR
Selbstversorgende Insel in der Südsee Quelle: PR
Tomaten in einem Gewächshaus Quelle: dpa
Ein Schild mit der Aufschrift "Genfood" steckt in einer aufgeschnittenen Tomate neben einem Maiskolben Quelle: dpa/dpaweb

Und die IT-Konzerne bauen selbst gewaltige grüne Kraftwerke. Apple hat an seinem Rechnerpark in North Carolina zwei Solarparks mit insgesamt 40 Megawatt Leistung installiert. Nachts erzeugen Brennstoffzellen Strom aus Biogas. Auch Erdwärme und Windkraft nutzt der Apfel-Konzern für seine vier Serverparks. iCloud, Siri, Maps: Sämtliche Cloud-Dienste von Apple saugen 100 Prozent Grünstrom.

Andere Internet-Konzerne interessieren sich allerdings kaum für sauberen Strom. Vor allem Amazon, inzwischen einer der größten Cloud-Anbieter weltweit, bezieht immer noch zum Großteil Energie aus Kohle und Gas. Der Konzern ist vor allem an geringen Strompreisen interessiert. Doch das könnte ein strategischer Fehler sein. Denn schon jetzt zeichnet sich ab, dass künftig jene Datenzentren die besten Preise bieten können, die nicht von steigenden Ressourcenkosten abhängig sind – und jene, die wenig Strom verbrauchen.

Schwimmende Server

Computer in Wasser zu tauchen, das weiß selbst der Laie, ist weder für den Computer noch für seinen Benutzer gut. Michael Kopka schert sich nicht darum. Um sein neues Kühlverfahren für Server zu demonstrieren, lässt der Manager beim US-Technologiekonzern 3M auf Messen in Deutschland schon einmal ganze Server bei laufendem Betrieb in einem Becken voll Flüssigkeit baden gehen.

Der Kurzschluss bleibt aus – dank der geheimen Zusammensetzung der Flüssigkeit: Sie sieht wie Wasser aus, ist aber keines. Sie leitet keinen Strom, aber umso besser Wärme. Und sie lässt sensible Elektronik nicht korrodieren. „Gegenüber heutigen Kühlverfahren“, sagt Kopka, „spart die Methode 97 Prozent Energiekosten.“

Grüne IT, das wird immer klarer, ist vor allem gutes Wärmemanagement. Zum Beispiel, indem Ingenieure die kalte Luft gezielter durch die Serverschränke leiten. Dazu stellen sie die Server so einander gegenüber, dass sich in den Gängen je die kalten oder die warmen Seiten begegnen. So strömt kalte Luft direkt zu den Prozessoren, ohne sich schon vorher zu erwärmen.

Aber auch die IT selbst wird effizienter. Alle 18 Monate verdoppeln Computerchips ihre Rechenleistung – bei gleichbleibendem Stromverbrauch. Sparsame SSD-Speicher ersetzen rotierende Festplatten. Und Virtualisierungssoftware verschiebt Daten so auf einzelne Geräte, dass diese am effizientesten ausgelastet werden.

Trotzdem: Datenzentren bleiben Heizkraftwerke. Der Strom, der in Computer fließt, wird nahezu komplett in Wärme umgesetzt. „Die Abwärme lässt sich aber nutzen“, sagt Ralph Hintemann, IT-Experte beim Berliner Borderstep Institut. „Darin steckt ein Riesenpotenzial.“

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