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Alternative Rohstoffpflanzen Die bessere Ölquelle

Eine wilde Palme spendet bisher nur Schatten auf Brasiliens riesigen Weideflächen. Sie könnte sich zum neuen Rohöllieferanten entwickeln.

Zelt (links) und Averdunk setzen auf Macauba-Palmen Quelle: Presse

Brasilianische Rinder im Bundesstaat Minas Gerais haben es gut: Ganz gleich, ob Milchkühe oder Mastbullen – tagaus, tagein dürfen sie auf schier endlosen, leicht hügeligen Weideflächen umherwandern und sich satt fressen. Wird es ihnen zu heiß, stellen sie sich in den Schatten einer der zahlreichen Macauba-Palmen, die im lockeren Abstand die grüne Hügellandschaft wie dunkle Tupfen zieren. Dort, unter den 10 bis 15 Meter hohen Palmen mit den stacheligen Stämmen, warten die Rindviecher dann gerne, bis eine der kinderfaustgroßen Früchte herunterfällt, denn sie sind süß und fettig – ein Leckerbissen für die Tiere.

Auf dieses fettige Fallobst haben es nun auch die Forscher der Lüneburger Leuphana Universität abgesehen. „Die ölhaltigen Palmfrüchte eignen sich hervorragend als neuer Biorohstoff für hochwertige Chemikalien, Kosmetika oder Biosprit“, glaubt die Betriebswirtin Katharina Averdunk, die in Lüneburg die Plattform für nachhaltige Biokerosinproduktion leitet. Man müsse die Früchte der wild wachsenden, bisher kaum genutzten Palmen nur ernten und das Öl auspressen.

Ob das trotz der langen Laufwege zwischen den einzelnen Bäumen wirtschaftlich ist, haben Averdunk und ihr Kollege, der Ökonom Thilo Zelt, zusammen mit Projektpartnern mehrerer brasilianischen Unternehmen in einer gerade veröffentlichten Machbarkeitsstudie untersucht. Dazu schnitten Erntehelfer die 20 bis 40 Kilogramm schweren Fruchtdolden von den Palmen, luden sie in große Säcke und transportierten diese mit Traktoren zu einer Ölmühle. Über 300 Tonnen Früchte sammelten sie so von den Weiden ein.

Das Ergebnis der Studie war durchweg positiv. Denn die Helfer, die sonst als Kaffeepflücker arbeiten, sind während der später im Jahr liegenden Macauba-Erntezeit beschäftigungslos und froh, einen weiteren Job zu haben. Zum anderen lassen sich sämtliche Bestandteile der Macauba-Früchte verwerten: das Öl in Bioraffinerien, der ausgepresste Rest als Tierfutter und die Schale als Aktivkohle.

Wilde, potenziell nutzbare Macauba-Palmen gibt es reichlich: Rund zwei Millionen Exemplare der tropischen Palme mit dem wissenschaftlichen Namen Acromia aculeata stehen allein auf den Rinderweiden in Minas Gerais. Dort ist die Palme ein groß geratenes Ackerunkraut: Weil die Kühe die süßen Macauba-Früchte fressen, verteilen sie die Samen mit ihren Kuhfladen auf den Weiden, wo sie schnell auskeimen und neue Palmen wachsen.

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