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Bio-Kraftstoff Petersilie im Tank

Die Zahl der Biogas-Tankstellen hat sich in einem Jahr verdoppelt. Was steckt hinter dem Bio-Boom? Wir haben einen Zapfsäulenbesitzer gefragt.

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Eröffnungsrede Horst Seide, Tankstelleneröffnung August 2011, Foto: Rainer Erhard, Küsten Quelle: Presse

Wirtschaftswoche: Herr Seide, Biogas-Tankstellen sollen ja starken Zulauf finden in Deutschland. Wie viele Kunden haben Sie denn so pro Tag?

Seide: Im Schnitt derzeit 25, aber die Zahl steigt laufend. Pro Monat kommen zwei bis drei neue Kunden dazu. Das sind zehn Prozent Wachstum.

Was ist denn der Vorteil gegenüber Benzin oder Diesel?

Biogas verursacht 90 Prozent weniger CO2 als fossile Treibstoffe. Aber das interessiert die Kunden weniger als der Preis. Ein Kilogramm Biogas gibt es bei mir zurzeit für 1,034 Euro. Gemessen am Energiegehalt, ist das 40 Prozent preiswerter als Benzin und 50 Prozent preiswerter als Diesel. Für eine Tankfüllung zahlen Sie nur 15 bis 25 Euro.

Damit dürfte Ihre Zapfsäule die begehrteste im ganzen Wendland sein!

Ich muss mir meine Kunden erst schaffen. Das Problem ist, dass Gas als Treibstoff wenig bekannt ist. Und wenn an der Säule 1,034 Euro pro Kilo Gas steht, weiß keine Hausfrau, dass das in Wirklichkeit halb so teuer ist wie ein Liter Benzin für 1,70. Also schalte ich Annoncen in der Zeitung, lade Leute zum Probefahren ein.

Was für Leute tanken denn schon bei Ihnen?

Die Kunden sind ganz verschieden: Pendler, die sogar bis Hamburg zur Arbeit fahren. Handwerker, die mit ihrem VW Caddy vorbeikommen. Aber auch ganz normale Hausfrauen. Manche tanken für sieben Euro im Monat, manche für 300.

Wie kann ich mit meinem Auto denn Biogas nutzen?

Sie können Ihren Wagen umzurüsten. Das kostet ungefähr 2500 Euro. Oder Sie kaufen ein neues Auto mit Biogasantrieb. Gegenüber einem Benziner ist so ein Serienfahrzeug 2000 Euro teurer. Nach 25000 Kilometer haben Sie die Mehrkosten drin – ab dann sparen Sie Geld.

Wo kommt Ihr Biogas denn her?

Aus Petersilienstengeln.

Wie bitte?

Bei uns in der Region ist eine Gewürzfabrik, die Petersilie verarbeitet. Die Stengel bleiben übrig – und die bekomme ich. Zurzeit 50 Tonnen pro Tag. Dazu kommen 30 bis 40 Tonnen Mais.

Biomasse wird immer teurer

Preissäule Autohof Dannenberg, Foto: Rainer Erhard, Küsten Quelle: Presse

Ein Problem damit, dass der Mais extra fürs Vergasen angebaut werden muss?

Nein, damit habe ich kein Problem. Wir Landwirte haben vor mehr als hundert Jahren fast sämtliche Energie für die Bevölkerung bereitgestellt. 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche wurden früher für Energiepflanzen genutzt. Warum sollten wir das Niveau heute nicht wieder erreichen?

Rechnet sich das Ganze für Sie?

Unterm Strich steht eine schwarze Zahl. Aber natürlich: Meine Biomasse schreibt mir eine Rechnung. Und die wird Jahr für Jahr teurer.

Und damit auch der Preis an der Zapfsäule?

Ja, der Biogas-Preis steigt in etwa so stark wie der von Benzin und Diesel.

Verkehrsmittel der Zukunft
In der Stadt von Morgen wird es keine festen Wege mehr für Autos, Radfahrer und Fußgänger geben. Alle Verkehrsteilnehmer werden sich künftig flexibel einen Weg durch die Stadt suchen – das glauben zumindest Forscher, die sich mit Städten der Zukunft befassen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In den künftigen Megacities muss es gelingen auf gleichem Raum mehr Menschen zu transportieren. Indische Städte wie Delhi und Gurgaon planen Roboter-Taxis einzuführen. Die computergesteuerten Kabinen für vier bis sechs Personen warten an Haltestellen auf ihre Fahrgäste. Per Lasertechnik werden die Kabinen durch die Stadt gelotst, die Haltestellen können dann je nach Bedarf angesteuert werden – getrennt vom restlichen Verkehr. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In Jakarta bringt ein Zug namens Aeromovel die Fahrgäste ohne Lärm und Abgase ans Ziel – angetrieben von Druckluft. Die Erfindung neuer Transportmittel, die ohne Kraftstoff auskommen wird in Zukunft immer wichtiger werden.  Illustration: Javier Martinez Zarracina
In Medellin befördern seit 2004 Seilbahnen Passagiere umweltfreundlich durch die Stadt. Die ersten europäischen Städte ziehen nun nach. Seilbahnen sollen künftig auch in London und Hamburg sowohl CO2 als auch Platz sparen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In São Paulo kommen auf rund 19 Millionen Einwohner etwa sieben Millionen Autos. Städte wie Istanbul, Bogotá oder Santiago de Chile ersetzen Autospuren durch Schnellbuslinien. Auf diesen Bus Rapid Transits rollen Riesenbusse im Minutentakt an allen Staus vorbei. 900 000 Istanbuler nutzen solche Busse bereits Tag für Tag. Weitere 80 Städte wollen nachziehen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Nicht nur Menschen müssen zukünftig Platz- und Ressourcen sparend durch die Stadt transportiert werden. Gerade der Schwerlastverkehr mit Lastwagen gehört zu den größten Luftverschmutzern. In Bochum setzt das Unternehmen CargoCap daher auf computergesteuerte Kapseln, die Paletten durch Rohe unter der Erde ans Ziel bringen. Eine oberirdische Teststrecke gibt es in Bochum bereits. Die Kosten für dieses System: geringer als der Bau einer Autobahn. Laut CargoCap kostet eine Röhre mit zwei Fahrsträngen pro Kilometer 6,4 Millionen Euro, ein Kilometer Autobahn in Deutschland das Vielfache. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In Zukunft werden auch platzsparende Autos gefragt sein. Eine Antwort darauf könnte das Hiriko-Citycar geben. Den Elektrozweisitzer entwickelten Forscher am amerikanischen Massachusetts Institute of Technology. Das Auto lässt sich zum Parken einfach zusammenklappen und benötigt nur ein Drittel der Standfläche eines Smarts. Im Jahr 2013 sollen 20 Modelle auf den Markt kommen, so die Unternehmensberatung Frost & Sullivan. Auch andere Ideen sorgen für Aufsehen… Illustration: Javier Martinez Zarracina

Gibt es so etwas für eine Einspeisevergütung für Biogas?

Es gibt eine vorgeschriebene Quote für den Anteil Biotreibstoff am Kraftstoff. Biogas ist hundert Prozent regenerativ, überbietet den vorgeschriebenen Anteil bei weitem. Die Differenz zwischen faktischem Wert und der Quote kann ich verkaufen – an einen Mineralölkonzern.

Haben Sie keine Sorge, dass Ihnen bei einem Gas-Boom die Biomasse ausgeht?

Derzeit habe ich keine Nachschub-Probleme. Ich sehe beim Kraftstoff noch ein großes Potenzial. Theoretisch reicht die Biomasse in Deutschland, um zehn Prozent des Straßenverkehrs zu versorgen. Diesen Anteil sollten wir uns vornehmen!

In Arbeit
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Gibt es konkrete Expansionspläne?

Dier Nachfrage besteht: Im Landkreis Lüchow-Dannenberg ist die Dichte an Erdgas-Fahrzeugen fünf Mal höher als im Bundesdurchschnitt. Die Menschen denken hier grüner. Darum baue ich gerade eine zweite Zapfsäule, in einem Ort 30 Kilometer weiter entfernt.

Wie kommt denn dann Ihr Gas dorthin?

Durch das gewöhnliche Gasnetz. Das ist ein weiterer Vorteil von Biogas: Sie können es überall ins Netz speisen – und überall dort tanken, wo eine Gasleitung liegt.

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