Die Bundeswehr tarnt sich Deutsche Soldaten bekommen neue Uniform

Eine neue Uniform soll deutsche Soldaten in der Heimat ebenso tarnen wie in den Einsatzländern. Die Bundeswehr folgt – wieder einmal – amerikanischem Vorbild.

Anprobe des neuen Mulitarndrucks der Bundeswehr in der Versuchswerkstatt des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Werk- und Betriebsstoffe in Erding. Quelle: © 2015 Bundeswehr / Tom Twardy Quelle: Presse

Die Bundeswehr wird sich demnächst so sichtbar verändern wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Die Soldaten bekommen ab Mitte 2016 neue Uniformen. Mit Mode hat das nichts zu tun, sondern mit den veränderten Aufgaben und Ansprüchen der geschrumpften deutschen Freiwilligenarmee.

Seit den frühen Neunziger Jahren tragen deutsche Soldaten im Dienst in der Regel den charakteristischen Feldanzug mit „Flecktarn“: fünf Farben (Braun, Schwarz und drei Grüntöne) in  unregelmäßig gekleckerten Flecken. Er soll Soldaten im Gelände tarnen, also menschliche Umrisse mit dem Umfeld verschwimmen lassen, um gegnerischen Kämpfern das Erkennen und Zielen zu erschweren. Die Farbmischung orientiert sich am mitteleuropäischen Mischwald. Für Auslandseinsätze in trockeneren, weniger bewachsenen Landschaften, zum Beispiel in Afghanistan, führte die Bundeswehr ab 1995 eine Tarn-Variante in Sandfarben, Braun und leichten Dunkelgrün-Flecken ein.

Nun gibt es ein einheitliches „Multitarn“, das zunächst bei Spezialeinheiten der Infanterie eingeführt wird. Also jenen Soldaten, die für besonders heikle und gefährliche Aufgaben, wie zum Beispiel die Befreiung von Geiseln, ausgebildet sind. Das neue Tarnmuster mit sechs Farben wirkt wie ein Kompromiss der beiden bisherigen Muster. 

So tarnen sich Soldaten verschiedener Armeen
Die Bundeswehr rüstet ihre Soldaten mit einer neuen Uniform aus. Was sich ändert, zeigt dieser Truppenversuch in Afghanistan: Ganz links ist die derzeit verwendete, dreifarbige Wüsten-Uniform der Bundeswehr, ganz rechts der neu entwickelte Multitarn. Quelle: Weweb, Bundeswehr
Ein Soldat der Bundeswehr im dreifarbigen Tropentarn. Quelle: Sean Harriman, U.S. Army [Public domain], Wikimedia Commons
Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen trägt beim Truppenbesuch in Mali beige, ihre Soldaten den dreifarbigen Wüstentarnanzug. Quelle: AP
Multicam USA Quelle: Cooper T. Cash [Public domain], Wikimedia Commons
Russian Armed Forces Quelle: REUTERS
Ein Soldat der britischen Armee im aktuellen Tarnanzug. Quelle: Ministry of Defence UK, OPL
French Army Quelle: REUTERS

Für den deutschen Mischwald sei das bisherige Flecktarn-Muster zwar nach wie vor optimal, heißt es aus dem Bundesverteidigungsministerium. Aber sobald der Soldat diesen verlässt, sei er mit dem neuen Muster besser geschützt.

Der neue Multitarn-Druck besteht aus sechs Farben: Braun, Dunkel- und Hellgrün, grau, Beige und ein paar helle Kleckser. Das entspreche auch dem Gesamteindruck der Landschaften in den potentiellen Einsatzgebieten, also Ländern wie Afghanistan, Irak, aber auch Mali. Beim Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe (Weweb) der Bundeswehr, wo die Tarnung entwickelt wurde, ist man überzeugt, dass das neue Multitarn-Muster in solchen potentiellen Einsatzländern auch besser funktioniere als die bisherige Sandtarn-Uniform, wie Erprobungen in Afghanistan gezeigt hätten. Außerdem seien die neuen Farben so entwickelt, dass ihre Tarnwirkung auch beim Einsatz von Nachtsichtgeräten erhalten bleibe.

Und noch eine Neuerung: Im Unterschied zu den bisherigen Tarn-Mustern verhindert die Bundeswehr mit einem eingetragenen Designschutz die kommerzielle Verbreitung von Multitarn. Ausrüstungsteile mit dieser Tarnung werden also nicht auf dem freien Markt erhältlich sein.

Bundeswehr und Personal
Eine Hauptgefreite an Bord des Einsatzgruppenversorgers
Petra Müller (Mitte) im Gespräch mit einer Besucherin und einem jungen Offizier Quelle: Bundeswehr
Militärpolizist Quelle: Helmut Michelis
Bundeswehr-Panzergrenadiere bei der Einführung des neuen Schützenpanzers
Wehrpflichtige Quelle: Helmut Michelis

Im Bundesverteidigungsministerium heißt es, der Wunsch nach einer neuen Tarnkleidung sei explizit von den Spezialkräften gekommen. Inwiefern andere Truppenteile neu eingekleidet werden sollen, wird gerade im Verteidigungsministerium beraten. Das Erscheinungsbild der Truppe wird sich also nicht auf einen Schlag, sondern allenfalls allmählich ändern - ähnlich wie in den 1990er Jahren bei der Einführung des bisherigen Flecktarns: Damals wurden zunächst die Einheiten versorgt, die tatsächlich mit höherer Wahrscheinlichkeit Tarnung nötig haben. Also Kampfeinheiten vor Unterstützungstruppen.

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