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Dow-Chemical-Manager Wasserstoffspeicher, groß wie der Kölner Dom

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Wie sicher sind die unterirdischen Speicher?


Wie Dow Chemical erneuerbare Energien speichern will (zum Vergrößern bitte anklicken).

Also haben Sie doch Angst vor den kommenden Monaten?

Angst ist das falsche Wort. Aber nach den Ankündigungen aus dem Umweltministerium sind wir in Sorge. Was mich trotzdem optimistisch stimmt: Die Politik will die produzierende Industrie in Deutschland halten. Das hören wir aus den Parteien, und darauf müssen wir uns auch verlassen können. Aber wir wollen nicht nur von der Politik fordern. Wir fragen uns auch, was wir als Chemieunternehmen zur Energiewende beitragen können.

Und was wäre das zum Beispiel?

Unsere Produkte machen Solaranlagen und Windräder effizient, sie senken den Energieverbrauch von Häusern, ermöglichen leichtere Autos und spielen eine wichtige Rolle bei der Elektromobilität. Nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz sind für uns wichtige Ziele. Außerdem arbeiten wir an unserem Standort in Stade nahe Hamburg gerade an einem der wichtigsten Pfeiler der Energiewende: einem großen Wasserstoffspeicher, der die Versorgung mit grünem Strom aus Wind und Sonne sichern kann.

Sie wollen erneuerbare Energie in Wasserstoff umwandeln?

Wasserstoff ist ein ausgezeichneter Energieträger und lässt sich mit Strom aus Wasser erzeugen. Das geschieht per Elektrolyse – einem in der Chemieindustrie seit Jahrzehnten praktizierten Verfahren. Jetzt haben wir uns mit Industriepartnern zusammengetan, um zu prüfen, wie wir diesen Prozess bald auch mit überschüssigem Windstrom aus Norddeutschland und künftig auch Offshore-Windparks betreiben können. Der so erzeugte Wasserstoff lässt sich dann bei Bedarfsspitzen in Brennstoffzellen oder Gasturbinen in Strom zurückverwandeln.

In der Theorie mag das klappen. Aber wo wollen Sie den Wasserstoff lagern?

Wir nutzen in der Nähe von Stade einen riesigen Salzstock, aus dem wir Sole für unsere chemischen Prozesse fördern. Dabei entstehen unterirdische Kavernen, deren Volumen etwa dem des Kölner Doms entspricht. Füllen wir nur eine davon mit Wasserstoff, genügt das, um 480 000 Haushalte einen Monat lang mit Strom zu versorgen. So gibt es künftig auch bei Flaute Windstrom.

Und die Kavernen sind sicher? Immerhin ist Wasserstoff sehr flüchtig.

Salzgestein ist besonders dicht gegen Gase, das gilt auch für Wasserstoff. Sowohl in Großbritannien als auch in den USA werden seit vielen Jahren Salzkavernen zuverlässig als Wasserstoffspeicher genutzt. Und auch in Deutschland dienen die unterirdischen Hohlräume als Erdgasspeicher, und zwar akzeptiert von der breiten Mehrheit der Bevölkerung. Davon abgesehen ist es heute natürlich bei allen Großprojekten entscheidend, die Menschen von vornherein umfassend zu informieren und das Gespräch zu suchen.

Experten kritisieren Wasserstoffspeicher als ineffizient, weil rund 70 Prozent der Energie beim Umwandeln verloren gehen.

Was ist die Alternative? Derzeit müssen die Betreiber Windparks vom Netz nehmen, wenn die Nachfrage zu gering ist. Trotzdem erhalten sie Vergütung für den nicht erzeugten Strom. Statt die Energie verpuffen zu lassen, sollte man sie besser speichern – auch wenn dabei ein großer Teil der Energie verloren geht.

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