„Earth Overshoot Day“ Ab heute leben wir über unseren Verhältnissen

Ab heute leben wir für den Rest des Jahres „auf Pump“ – sämtliche natürliche Ressourcen unserer Erde für das Jahr 2013 sind aufgebraucht. Der sogenannte „Overshoot Day“ findet jedes Jahr früher statt.  

Diese Regionen drohen zu verschwinden
NildeltaDer afrikanische Strom Nil versorgt Menschen in sieben Ländern mit Wasser und sorgt für fruchtbaren Boden. Von Ruanda und Burundi fließt er durch Tansania, Uganda, den Südsudan und den Sudan, durch Ägypten und mündet dann ins Mittelmeer. Gerade in Ägypten gilt der Fluss als Lebensader. In den nächsten zwölf Jahren könnte sich seine Bedeutung jedoch umkehren: Wenn die Meeresspiegel weiter ansteigen, würden die Menschen aus dem Nildelta von Überschwemmungen vertrieben. Quelle: obs
HalligenGenauso bedroht vom steigenden Meeresspiegel sind die zehn deutschen Halligen rund um die Insel Insel Pellworm vor der Küste Schleswig-Holsteins. Steigt der Meeresspiegel weiter, können die Bewohner der Halligen die Landwirtschaft nicht aufrecht erhalten - ihre Lebensgrundlage wäre bedroht. Stürme, häufigere Überflutungen und damit verbundene Bodenerosionen könnten die Halligen im Laufe der Zeit vollständig wegspülen. Quelle: dpa/dpaweb
WattenmeerSteigt der Meeresspiegel sehr schnell und hoch, könnte auch Wattenmeer komplett verschwinden. Damit würden tausende Vögel ihre Lebensgrundlage verlieren. Quelle: dpa
KilimandscharoDoch auch die Berge sind bedroht: Durch die Klimaerwärmung sind die Gletscher auf dem ostafrikanischen Kilimandscharo um 80 Prozent geschrumpft. In den nächsten drei bis vier Jahren soll die Schneedecke ganz verschwunden sein. Da wegen der globalen Erwärmung auch der Wolkenkranz, der die Spitze des Berges umschließt, weniger wird, ist die dortige Wasserversorgung gefährdet. Am Fuß des Mount Kilimanjaro lebt die Volksgruppe der Massai, außerdem tausende Tierarten wie Affen, Büffel, Elefanten, Pelikane, Raubkatzen, Nashörner, Zebras und Gazellen. Verschwinden die Wolken um den Kilimandscharo herum, verschwindet auch die Lebensgrundlage von Mensch und Tier. Quelle: dapd
GletscherAllgemein verschwinden Schnee und Eis von der Erdoberfläche - nicht nur in Ostafrika oder an den Polen. So sind beispielsweise auch die österreichischen Skigebiete wie Kitzbühel betroffen. Schon ein Temperaturanstieg von drei Grad reicht laut Geologen aus, um 80 Prozent der Alpengletscher abzutauen. Forscher gehen davon aus, dass im Jahr 2050 alle Alpen gletscherfrei sein werden. Quelle: gms
Namib-WüsteDeutsche Forscher sind erst im vergangenen Sommer in der Nähe der Wüste Namib in Namibia im Südwesten von Afrika auf riesige unterirdische Wasservorräte gestoßen. Trotzdem bleibt das Land vom Klimawandel gefährdet: Trocknet die Wüste noch stärker aus, könnten Wanderdünen Mensch, Tier und Pflanzen bedrohen. Laut Geologen reicht ein Temperaturanstieg von 2,1 Grad, damit Sandstürme und Wanderdünen aus der Namib-Wüste rund die Hälfte der Tier- und Pflanzenwelt auslöschen und das Leben der Menschen gefährden. Quelle: dpa
Amazonas-RegenwaldGut sechs Prozent der Vogel-, Amphibien- und Säugetierarten müssten im brasilianischen Amazonasbecken mittlerweile ausgestorben sein - weil der Regenwald dort seit vier Jahrzehnten zerstört wird. Ein Fünftel des Amazonas-Regenwalds ist bereits vollständig zerstört. Quelle: dpa
Great Barrier ReefAuch das Great Barrier Reef vor der australischen Küste ist bedroht. Durch die Erwärmung der Meere wird das Zusammenleben von Korallen, Algen und Fischen gestört. Steigt die Wassertemperatur weiter an, könnten mehr als 600 Arten verschwinden. Quelle: AP
VenedigIm letzten Jahrhundert hat sich die Lagunenstadt Venedig, die überwiegend auf Holzpfählen steht, um 23 Zentimeter abgesenkt. Die Zahl der Überschwemmungen ist gestiegen. Steigt der Meeresspiegel weiter, reichen irgendwann auch die Hochwasserbarrieren nicht mehr aus, um die Stadt vor einer Karriere als zweitem Atlantis zu bewahren. Quelle: dpa/dpaweb
OlympiaDoch Venedig ist nicht die einzige antike Stadt, die dem Klimawandel zum Opfer fallen könnte. Die Stadt, in dem 776 vor Christus die ersten Olympischen Spiele stattfanden, könnte in naher Zukunft der globalen Erwärmung zum Opfer fallen. Das antike Olympia ist erst vor wenigen Jahren von einer Waldbrandserie nach schweren Hitzewellen heimgesucht worden. Quelle: dapd

Im Vergleich zum Vorjahr ist der " Earth Overshoot Day" (übersetzt „Welterschöpfungstag“) um zwei Tage nach vorne gerutscht,  zeigen Berechnungen des Global Footprint Networks. 1987 lag er noch im Dezember. Bis Ende des Jahres bräuchten wir 1,5 Erden, um unseren Bedarf an Nahrung und Energie decken zu können.

Bereits seit Mitte der 80er-Jahre lebt die Menschheit über ihre Verhältnisse, verbraucht also mehr, als nachwächst oder sich regeneriert. Dazu zählen unter anderem Wasser, Brennmaterial, Bauholz, Getreide, Fische und sogar der entsprechende Platz, um Müll zu entsorgen. Langsam aber kontinuierlich hat sich der „Overshoot Day“ immer weiter nach vorne geschoben. 1993 fiel er auf den 21. Oktober, 2003 auf den 22. September und dieses Jahr dann auf den 20. August. Nach den aktuellen Trends wird klar: Der Zeitpunkt, ab dem die Erde erschöpft ist, tritt jedes Jahr etwas früher ein.

Der Klimawandel in Zahlen

Ähnlich wie Unternehmen Buch über Einnahmen und Ausgaben führen, führt Global Footprint Network Buchhaltung über Angebot und Nachfrage an natürlichen Ressourcen und ökologischen Leistungen durch die Menschheit. Zur Bestimmung des „Overshoot Days“ wird die Biokapazität der Erde berechnet, also die Anzahl global generierter natürlichen Ressourcen innerhalb eines Jahres. Der Ertrag der Erde steht im Gegensatz zu unserem ökologischen Fußabdruck, der sich aus unserem Konsum und der Freisetzung von Kohlendioxid als Abfallprodukt zusammensetzt. Als Maßstab gilt ein „globaler Hektar“.

Studien der Umweltorganisation WWF zeigen, dass wir bis zum Jahr 2030 zwei Planeten benötigten, um unseren Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken, wenn die Menschheit weiter so lebt wie bisher. Bis 2050 wären es sogar fast drei. "Die größte Schuldenkrise der Menschheit ist der Raubbau an natürlichen Ressourcen. Wir leben jedes Jahr mehrere Monate auf Kredit", warnt Christoph Heinrich, Geschäftsleitung Naturschutz beim WWF Deutschland. Klimawandel, Artensterben, Wassermangel und der Kollaps der Fischbestände seien klare Anzeichen dafür, dass der Planet unter der Übernutzung leide.

In Arbeit
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Die Verantwortung für die Übernutzung des Planeten tragen laut WWF vor allem die reichen Länder. China hat die USA als Klimasünder Nummer eins auf der Welt abgelöst. Mehr als 20 Prozent der energiebedingten Kohlendioxid-Emissionen gehen auf das Konto der Chinesen. Aber auch Indien, Russland und Japan stehen auf der Liste der Klimakiller ganz weit oben. Laut WWF hätten Regierungen, Unternehmen und Konsumenten genug Mittel in der Hand, um nachhaltiger zu leben, sei es durch Energieeffizienz, bewussteren Fleischkonsum oder umweltfreundliche Mobilität.

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