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Energie-Streitgespräch "Rückkehr zur rationalen Energiepolitik"

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Solarkraftwerk bei Trier Quelle: dpa

Die Solarbranche ist laut Studien nur halb so produktiv wie etwa die hiesige Elektronikindustrie. Wären die Subventionen anderswo besser angelegt? 

Frondel: Unbedingt. Auch die Investitionsquote der Branche in Forschung und Entwicklung ist schwach: Solarworld und Q-Cells – die beiden größten Vertreter – investieren in Deutschland weniger als zwei Prozent ihres Umsatzes, Siemens dagegen knapp fünf Prozent.

Kemfert: Trotzdem sind deutsche Solarfirmen bei Patentanmeldungen weltweit führend.

Frondel: Und doch haben sie viel zu spät auf die innovative, besonders wirtschaftliche Dünnschichttechnik gesetzt. Wir müssen fürchten, dass viele große deutsche Solarunternehmen vom Markt verschwinden. Die Arbeitsplätze werden überwiegend nach Asien abwandern.

Und schuld daran sind die Subventionen? 

Frondel: Genau. Zu lange war die künstlich getriebene Nachfrage größer als das Angebot. Die Importe ausländischer Anlagen haben asiatische Anbieter erst groß gemacht. Nun überschwemmen sie den Weltmarkt zu Preisen, bei denen deutsche Hersteller nicht mithalten können.

Kemfert:  Auch hier übertreiben Sie. Mittlerweile arbeiten über 40.000 Fachkräfte alleine in der deutschen Fotovoltaikbranche. Und ihre Technik ist weltweit führend.

Der Fortschritt ist doch auch deutlich sichtbar: Früher als erwartet können Privatleute Strom auf dem Dach zu Kosten produzieren, die den Preisen für Haushaltsstrom entsprechen.

Kemfert: Das zeigt, wie effektiv das EEG ist.

Frondel: Der Preisverfall der Module, der das möglich macht, wurde doch von ausländischen Unternehmen getrieben – nicht vom EEG.

Der Sektor profitiert seit Jahrzehnten von Subventionen

Bei allem Dissens, in einer Frage sind Sie sich einig: Damit der Strom bezahlbar bleibt, müssen die Atomkraftwerke länger laufen. Das wird die Ökostrombranche auf die Palme bringen.

Kemfert: Anders wird es nicht gehen. Die Ökostromlobbyisten behaupten immer, es ginge darum, mit grüner Energie Atomkraft zu ersetzen. Doch das ist nicht die Alternative. Zeitgleich zu den Kernkraftwerken geht fast jeder zweite Kohlemeiler aus Altersgründen vom Netz. Wir müssen einfach begreifen, dass wir nicht aus Kernkraft und Kohlestrom gleichzeitig aussteigen können.

Frondel: Wichtig bei der Laufzeitverlängerung ist, dass der ganz große Teil der Zusatzgewinne dem Staat und damit dem Steuerzahler zufließt. Also deutlich mehr als die momentan diskutierten 50 Prozent. Als Verfahren schlagen wir vor, Lizenzen für die Laufzeitverlängerung zu versteigern.

Und mit den Einnahmen könnte man die erneuerbaren Energien fördern?

Frondel: Da bin ich strikt dagegen. Der Sektor profitiert seit Jahrzehnten von Subventionen. Stattdessen könnte man die Speicher- oder Effizienztechnik fördern und generell mehr staatliche Mittel für Forschung und Entwicklung von Energietechnologien bereitstellen.

Kemfert: Das sehe ich ähnlich. Allerdings sollte man den größten Teil des Geldes in den Ausbau der Netze stecken.

Frondel: Ich bitte Sie! Wir können doch nicht sagen, wir bauen jetzt die Netze mittels staatlicher Gelder aus. Die gehören schließlich privaten Unternehmen und Investoren. Und zwischen staatlichen und privaten Interessen gibt es eine tiefe Kluft.

Kemfert: Das muss man lösen. Eine Möglichkeit wäre, wie manche Kommunen es schon tun, staatliche oder halbstaatliche Akteure die Netze zurückkaufen zu lassen, finanziert mit Geldern aus der Laufzeitverlängerung.

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