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Erderwärmung Fünf Vorschläge für eine Politik, die das Klima wirklich rettet

Fünf Vorschläge, wie das Klima wirklich zu retten ist.

Wie ist das Klima wirklich zu retten? Quelle: dpa

1. Reform des Klimarats und Erweiterung der Forschung

25 Jahre wird das IPCC im Herbst alt – Zeit für eine Bilanz. Nur wenige Kritiker sind so radikal wie die US-Klimaforscherin Judith Curry, die das Gremium ganz auflösen will: Mit seiner Fixierung auf eine Senkung des CO2-Ausstoßes blockiere der Rat innovative Forschungsansätze, die nach anderen Erklärungen und Lösungen suchen.

Sehr viele Forscher aber wollen das IPCC gründlich reformieren. Auf der Wunschliste ganz oben stehen Entpolitisierung und weniger Geheimniskrämerei. Jüngstes Beispiel für Gemauschel: Im aktuellen Sachstandsbericht betont der Rat, er sei zu 95 Prozent sicher, dass vor allem der Mensch den Klimawandel verursacht. Das klingt nach Wissenschaft, tatsächlich basiert das Ergebnis auf einer Umfrage. Welche Forscher gefragt wurden, sagt das IPCC nicht.

Die gröbsten Schnitzer des Weltklimarats
Die Zahl der Wirbelstürme nimmt zuWahrscheinlich werde die Aktivität tropischer Wirbelstürme – dazu zählen beispielsweise Hurrikane und Taifune – künftig zunehmen, verkündete der Weltklimarat 2007. Belege für diese Entwicklung gab es schon damals kaum überzeugende. Jetzt die Kehrtwende: Die Experten erkennen an, dass die Prognosen über Stürme zu unzuverlässig sind, und behandeln das Thema nur noch als Randnotiz. Nun sehen sie nurmehr eine schwache Tendenz für stärkere Stürme voraus – begrenzt auf den Nordatlantik und den westlichen Nordpazifik. Quelle: dpa/dpaweb
Die Sache mit dem Hockeyschläger2001 veröffentlichte das IPCC die berüchtigte Hockeyschläger-Kurve. Sie sollte zeigen: Die Erdtemperatur auf der Nordhalbkugel war über Jahrhunderte weitgehend konstant. Erst mit der Industrialisierung und dem damit verbundenen verstärkten Ausstoß von CO2 stieg sie steil an. Bald korrigierten neuere Rekonstruktionen der Klimahistorie das eingängige Bild. Sie zeigen, dass die Temperaturen auch früher stark pendelten. So war es vor 900 Jahren schon einmal annähernd so warm wie heute. Es entstand der Verdacht, dass Forscher um den US-Klimatologen Michael Mann die Kurve zum Klimaverlauf „geglättet“ hatten, um die Dramatik zu betonen. Quelle: Creative Commons
Das arktische Meereis schmilztIn ihrem vorherigen Klimabericht aus dem Jahr 2007 waren sich die IPCC-Experten noch ziemlich sicher: Rings um den Südpol werde das Meereis schrumpfen, schrieben sie. Aktuelle Messungen und Satellitenbilder haben diese Prognose widerlegt. Sie zeigen im Gegenteil sogar eine Zunahme des Packeises. Im gerade veröffentlichten fünften Klimabericht gesteht das Wissenschaftlergremium seinen Irrtum ein. Jetzt halten die Forscher es für eher unwahrscheinlich, dass das antarktische Eisschild rasch an Umfang und Volumen verlieren wird. Anders in der Arktis: Am Nordpol schmilzt das Eis tatsächlich. Quelle: dpa
Die Himalaya-Gletscher verschwindenEbenfalls im Bericht von 2007 schreckte der UN-Klimarat die Welt mit der Nachricht, schon im Jahr 2035 seien die Gletscher im Himalaja vollständig aufgetaut. Käme es so, wären 1,4 Milliarden Menschen in der Region ihres Trinkwasserreservoirs beraubt. Doch bald erwies sich das Horrorszenario als Fehlalarm. Es beruhte auf Angaben der Umweltorganisation World Wide Fund for Nature und schlecht recherchierten Zeitungsartikeln. Erst spät gestand das Gremium den Patzer ein. Er basierte zudem auf einem Zahlendreher: Wenn überhaupt, sollte das Eis frühestens 2350 verschwunden sein. Quelle: dapd
In Afrika drohen große ErnteausfälleAuch die Behauptung, den Afrikanern drohten infolge des Klimawandels massive Ernteausfälle, hatte 2007 den Weg in den vierten Sachstandsbericht gefunden. Die Ernten, hieß es da, würden sich in einigen Ländern bis 2020 womöglich halbieren. In Wirklichkeit bezog sich diese Prognose nur auf drei Staaten am Mittelmeer. Zudem war die wissenschaftliche Qualität der Studie fragwürdig. Offenbar sind die IPCC-Forscher aus dem Schaden klug geworden: Zumindest im Entwurf für den Teilbericht II des Klimareports, den sie kommenden März vorlegen, wiederholen sie die Dürrewarnung nicht. Quelle: dpa

Der Klimarat sei schon immer eine politische Institution gewesen, sagt Mike Hulme, Klimaforscher am Londoner King’s College. Geschaffen und überwacht von Regierungen. Sie sorgten dafür, dass vermeintliche Sachaussagen politisch gefärbt wurden. Umso wichtiger sei, dass seine leitenden Akteure Distanz hielten, statt sich für politische Maßnahmen vereinnahmen zu lassen, ergänzt Silke Beck, Sozialforscherin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig.

Hulme setzt sich zudem für kürzere Berichte ein, die häufiger aktualisiert werden. Mit ihnen sollten die Forscher gezielt Wissenslücken schließen, zum Beispiel über die Wirkung der Aerosole. Gerade in den Megastädten Asiens mit ihrem permanenten Smog ist der Einfluss dieser Staubpartikel auf das regionale Klima nicht zu unterschätzen: Sie schatten Sonnenstrahlung ab und kühlen so die erdnahe Luft.

2. Entwicklung klimaschonender Technologien

Lange waren dem Weltklimarat die Möglichkeiten, das Klima womöglich reparieren zu können, kein Wort wert. Im aktuellen Report beschäftigt er sich immerhin erstmals mit dem sogenannten Geoengineering.

Ideen dafür gibt es viele: Die einen wollen die Meere mit Eisen düngen. Es würde das Wachstum des Planktons fördern, das sich von CO2 ernährt. Andere schlagen vor, tonnenweise Schwefel in den oberen Schichten der Erdatmosphäre zu verbrennen. Es entstünde ein Dunstschleier, der die Sonneneinstrahlung vermindert.

Viele Experten halten die Klempnerei am Klima allerdings für hochriskant. Sie setzen eher auf Technologien, die verhindern, dass CO2 in die Luft gelangt, oder die das Gas einfangen und es entweder als Rohstoff nutzen oder es dauerhaft einlagern. 130 Millionen Tonnen CO2 werden so heute schon wirtschaftlich verwertet.

Der niederländische Klimaökonom Richard Tol hat ausgerechnet, was der Einsatz der besten dafür verfügbaren Technologien weltweit bringen würde: Die globalen Treibhausgas-Emissionen würden sich auf einen Schlag halbieren.

3. Weniger Klimagipfel, aber mehr politische Ehrlichkeit

Die Apokalyptiker des Klimawandels
Al Gore»Jeder einzelne Meter, den der Meeresspiegel ansteigt, verursacht rund 100 Millionen Klimaflüchtlinge.«Der ehemalige US-Vizepräsident wurde zum wichtigsten politischen Vertreter der Klimapolitik in den USA. Bücher, Konzertreihen und ein Dokumentarfilm zum Thema („Eine unbequeme Wahrheit“) machten ihn zur politischen Ikone der Klimabewegung in den Vereinigten Staaten. Quelle: REUTERS
Rajendra Pachauri»Hitzewellen, die alle paar Jahrzehnte auftraten, werden bis Mitte des Jahrhunderts jedes zweite Jahr vorkommen.«Der Ökonom und Eisenbahningenieur leitet seit 2002 das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Gemeinsam mit Al Gore erhielt der Inder für diese Arbeit 2007 den Friedensnobelpreis. Die regelmäßigen Prognosen des IPCC finden weltweit große Beachtung. Quelle: REUTERS
Nicholas Stern»Was auf die Welt zukommt, das hat es in den vergangenen 30 Millionen Jahren nicht gegeben.«Der einstige Chefökonom der Weltbank beschäftigte sich 2006 in dem nach ihm benannten Bericht mit den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels. Vor großen Zahlen schreckt er nicht zurück: Im schlimmsten Fall werde die Erderwärmung 20 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts kosten. Quelle: AP
Hans Joachim Schellnhuber»Fünf Grad mehr können bedeuten, dass sich eine Wüste vom Süden bis nach Berlin erstreckt.«Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung ist der wohl bekannteste deutsche Klimaforscher. Der Ideengeber für das „Zwei-Grad-Ziel“ der UN nimmt als Mitglied im IPCC und wissenschaftlicher Berater der Bundesregierung Einfluss auf die Klimapolitik. Quelle: dpa
Angela Merkel»Wir wissen, dass das Zwei-Grad-Ziel nicht zu erreichen ist, es wird eher das Doppelte herauskommen.« Spätestens seit dem medienwirksamen Auftritt mit dem damaligen Umweltminister Sigmar Gabriel auf Grönland 2007 hat die Bundeskanzlerin das Klima für sich entdeckt. Nach dem Fukushima-Reaktorunfall nutzte sie die emotionale Kraft des Themas, um aus der Atomkraft auszusteigen Quelle: REUTERS
Michael Mann»Die weltweite Klimaentwicklung im vergangenen Jahrhundert hat die Form eines Hockeyschlägers.«Auf diese Form lässt sich die Erkenntnis des US-Forschers bringen. 1999 veröffentlicht, wurde sie zeitweise zum Hauptwerk der Klimaforschung. In die Öffentlichkeit drängt es den Forscher kaum. Mit der anschaulichen These ist er dennoch zum Hassobjekt des konservativen Amerikas geworden. Quelle: Presse

Die Euphorie war groß, als die UN 1992 im brasilianischen Rio de Janeiro weitreichende Maßnahmen zum Schutz unseres Planeten vereinbarten. Im kommenden November treffen sich Hunderte Abgesandte aus rund 200 Staaten in Warschau erneut: zum inzwischen 19. Klimapalaver.

Doch vom Ziel, die Erderwärmung bis zum Ende der Jahrhunderts auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, ist die Welt weiter entfernt denn je. Die einstige Aufbruchstimmung ist erstorben. Und kaum ein professioneller Beobachter glaubt mehr, dass sich die Weltgemeinschaft auf einem künftigen Gipfel noch auf gemeinsame Maßnahmen einigen wird. Was aber tun? Die Gipfel abblasen?

So weit will Oliver Geden von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin nicht gehen. Doch die Mission des IPCC hält er „für erfüllt“. Geden schlägt vor, das Zwei-Grad-Ziel aufzugeben. „Es ist illusorisch.“ Statt Klimapolitik länger im Gewand eines vermeintlich „wissenschaftlich abgesicherten Weltumgestaltungsplans zu präsentieren“, sollten die Regierungen lieber pragmatisch Möglichkeiten aushandeln, Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren.

Elliot Diringer, Vizepräsident des US-Center for Climate and Energy Solutions in Virginia, sieht den besten Weg darin, wenn jedes Land für sich seine Klimaziele und den Weg dorthin festlegt. So entstünde Wettbewerb, und es käme endlich Dynamik in den Prozess, ist er überzeugt.

Andere schwören auf einen globalen Emissionshandel. Unternehmen und Kraftwerksbetreiber, die CO2 in die Luft pusten, müssen für die Verschmutzung bezahlen. Außer der EU experimentieren inzwischen Australien, Neuseeland, China, Südkorea und Bundesstaaten in den USA und Kanada mit solchen Systemen. Experten sehen Chancen, sie zu verknüpfen.

4. Vorfahrt für ökonomisch effiziente Maßnahmen

Wie Politiker Geld zum Fenster hinauswerfen und dem Klima – statt zu helfen – auch noch schaden, haben die Ökonomen Hans-Werner Sinn und John Hassler erst jüngst wieder in einer Studie vorgerechnet. Sinn ist Präsident des Münchner ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hassler lehrt an der Universität Stockholm. In dem Papier kommen sie zum Ergebnis, dass es nicht nur viel Geld kostet, Raps und Mais als Energiealternative zu Kohle und Öl zu subventionieren. Schlimmer: Ihr Anbau beschleunigt die Erderwärmung sogar.

Der Grund liegt im „grünen Paradoxon“, auf das Ökonom Sinn schon früher aufmerksam gemacht hat. Die Förderung für Energiepflanzen schmälert zunächst die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen, die daraufhin billiger werden. Als Folge des Preisrutsches werden am Ende aber mehr Kohle und Öl verheizt als vorher – die Klimabelastung steigt. Ein Blick auf die globale CO2-Bilanz untermauert die These. Die Emissionen erreichten vergangenes Jahr einen neuen Rekord: Sie stiegen um 1,4 Prozent auf 31,6 Milliarden Tonnen.

Doch es kommt noch ärger. Weil dort, wo Energiepflanzen angebaut werden, kein Getreide und Gemüse wachsen kann, verteuern diese sich laut Sinn und Hassler um mindestens 40 Prozent, im schlimmsten Fall sogar um 250 Prozent. Das ist verkorkster Klimaschutz auf Kosten der Ärmsten.

Wirkungsvoller als jeder politische Gipfel

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde
Das BevölkerungswachstumDie Anzahl der Menschen auf der Erde wächst jedes Jahr um etwa 70 bis 80 Millionen Personen. Das entspricht fast der Bevölkerungsgröße Deutschlands. Bis 2050 soll laut Schätzungen der Vereinten Nationen die Weltbevölkerung auf knapp 10 Milliarden Menschen angewachsen sein. Dass die Kinder nicht hierzulande oder bei unseren europäischen Nachbarn geboren werden, ist hinreichend bekannt. Vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern in Afrika und Asien wächst die Bevölkerungszahl. Dadurch wächst auch der Bedarf an Rohstoffen, Energie, Wasser und Nahrung. Quelle: dpa
WirtschaftswachstumTrotz Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1992 hat sich der CO2-Ausstoß kaum verringert. Lediglich als 2009 aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise viele Industriestätten weniger produzierten, sank der Wert der Kohlendioxidemission auf 784 Millionen Tonnen. Schon ein Jahr später lag der Wert wieder bei 819 Millionen Tonnen. Dabei entsteht ein Großteil der Emissionen in nur wenigen Ländern wie China, den USA und der EU. Quelle: dpa/dpaweb
AutomobileWährend Carsharing und der öffentliche Nahverkehr in Ländern wie Deutschland in Zeiten hoher Bezinkosten viele Anhänger findet, ist der weltweite Trend eindeutig ein anderer. Immer mehr PKW fahren über den Globus. 2010 wurde erstmals die 1.000.000-Marke geknackt. Besonders viele Autos pro Einwohner werden in Monaco und den USA gefahren. Quelle: dpa
Kohle, Kohle, KohleDer seit Mai 2012 stetig ansteigende Ölpreis hat dafür gesorgt, dass Kohle wieder an Attraktivität gewonnen hat. Die Wiederauferstehung der Kohle ist für die Umwelt eine Katstrophe. Laut BUND sind Kohlekraftwerke mehr als doppelt so klimaschädlich wie moderne Gaskraftwerke. Die großen Dampfwolken aus den Kühltürmen der Kraftwerke machen ein anderes Problem deutlich: Mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie geht meist als ungenutzte Wärme verloren. Quelle: dpa
AbholzungDas Handout der Umweltschutzorganisation WWF zeigt die illegale Abholzung eines Waldgebietes in Sumatra (Indonesien). Jährlich gehen knapp 5,6 Millionen Hektar Wald verloren. Die fortschreitende Abholzung von Regenwäldern trägt entsprechend mit zur globalen Erderwärmung bei. Denn die Wälder speichern Kohlendioxid. Quelle: dpa
RindfleischRinder sind wahre CO2-Schleudern. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien erzeugt genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie eine 1.600 Kilometer lange Autofahrt. In diese Rechnung fließen mehrere Faktoren ein. Zum einen können auf dem für die Rinder genutzten Weideland keine Wälder mehr wachsen. Zum anderen scheiden Rinder das klimaschädliche Gas Methan aus. Laut WWF sind in Deutschland fast 70 Prozent der direkten Treibhausemissionen auf die Ernährung mit tierischen Produkten zurückzuführen. Quelle: dpa
WegwerfgesellschaftNicht nur Unmengen an Verpackungsmüll produzieren die Deutschen. Wir schmeißen auch jede Menge Lebensmittel weg, pro Kopf etwa 100 Kilogramm pro Jahr. Auch diese Verschwendung wirkt sich massiv negativ auf das Klima aus. Quelle: dpa

Das gleiche Paradoxon zeigt sich in der Energiepolitik. Was die Deutschen wegen ihrer Windmühlen und Solardächer weniger an CO2 in die Luft blasen, wird anderswo wegen der gesunkenen Preise etwa für Kohle umso ungenierter konsumiert. Die Lehre daraus: Nichtstun kann besser sein, als das Falsche zu tun.

Zumindest sollten die Politiker künftig vorher genau bedenken, was ihr Aktionismus bewirkt. Dann würden sie vielleicht zögern, mit Fotovoltaik ausgerechnet jene Technologie am stärksten zu fördern, die CO2 am weitaus teuersten vermeidet.

Das zeigen Berechnungen des Energiewissenschaftlichen Instituts (EWI) in Köln. Danach kostet jede mit Sonnenstrom eingesparte Tonne CO2 346 Euro. Werden die Watt mit Windrädern an Land erzeugt, sinken die Kosten auf 42 Euro. Die Differenz addiert sich zu enormen Summen. Würde CO2-Vermeidung in Deutschland bis 2022 komplett auf Windenergie aus Onshore-Anlagen umgestellt, rechnen die EWI-Experten hoch, verringerten sich die jährlichen Gesamtkosten um bis zu zwei Milliarden Euro.

Viel Geld, das Bürgern für Konsum und Unternehmen für die Schaffung neuer Jobs zur Verfügung stünde. Die Konsequenz ist für Sinn klar: Vor jeder Maßnahme sollte künftig eine nüchterne ökonomische Kosten-Nutzen-Analyse stehen.

Zahlen zum Klimawandel

5. Anpassung an den Klimawandel kann billiger sein

Bei der Diskussion über die Erderwärmung werden positive Effekte gerne unterschlagen. Darauf weist der Klimaforscher Bjørn Lomborg aus Kopenhagen hin und nennt Beispiele: In Regionen, die sich erwärmen, können die Bauern mehr Ernten einfahren, und die Heizkosten sinken. Und weil weit mehr Menschen an Kälte denn an Hitze sterben, könnten künftig jährlich weltweit 1,4 Millionen Menschen weniger solchen Wetterextremen zum Opfer fallen.

Doch in vielen Teilen der Welt werden eher die negativen Folgen überwiegen. Dennoch könnte es ökonomisch sinnvoller sein, sich dort dem Wandel anzupassen, als ihn verhindern zu wollen – egal, was es kostet. Roger Pielke senior, Klimaforscher an der Universität von Colorado, spricht vom „Bottom-up-Prinzip“. Er schlägt vor, die Verletzlichkeit von Ökosystemen und Infrastrukturen zu erfassen und sie einer Risikoanalyse zu unterziehen. Beim Wirbelsturm Sandy, der vergangenes Jahr New York schwer traf, kam so heraus, das es billiger ist, Eigentümer von Wohnungen und Geschäften in den von Sturmfluten bedrohten Bezirken umzusiedeln, anstatt an der Küste für viel Geld Dämme zu bauen.

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Anderswo wiederum kann ihre Aufschüttung durchaus sinnvoll sein. Laut einer britischen Studie können höhere Dämme, Frühwarnsysteme für Krankheiten und neue Ackerbaumethoden die Folgekosten des Klimawandels regional um bis zu einem Drittel reduzieren.

Der kanadische Web-Visionär Don Tapscott traut dem Internet eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel zu. In Hunderten Projekten weltweit organisierten sich Menschen über das Netz, um den CO2-Ausstoß in lokalen Initiativen zu senken. Tapscott ist überzeugt: „Das ist wirkungsvoller als jeder politische Gipfel.“

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