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Ernst Ulrich von Weizsäcker "Die Ausplünderung des Planeten stoppen"

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"Der Unterschied zwischen Kollaps und Stabilisierung"

Die nachhaltigsten Unternehmen
Innenansicht einer Filiale der Drogerie-Kette dm Quelle: AP
Ein Mann lehnt an einer Wand, unter dem Logo von Mercedes Benz Quelle: REUTERS
Palina Rojinski bei der Pressepäsentation zum OTTO Saisonstart 2012 in Hamburg Quelle: Morris Mac Matzen
Ein Audi A1 Quattro in der Produktion Quelle: dpa
Ein Marmeladenglas der Sorte Landliebe Quelle: dpa/dpaweb
Produkte der Bärenmarke Quelle: AP
Ein Mitarbeiterin von Miele montiert eine Waschmaschine Quelle: dpa

Haben Sie ein Beispiel?

Eine Möglichkeit wäre die Kooperation mit Investmentfonds, die ihr Geld nach strengen ökologischen Kriterien anlegen. Das hätte großen Einfluss auf die Märkte.

Und die anderen Reformschritte?

Wir müssen, wie das auch die OECD fordert, weltweit für Regierungen wie Unternehmen verbindliche Regeln einführen, die der Ausplünderung des Planeten ein Ende bereiten. Und schließlich will ich fünftens die Nachwuchsorganisation des Clubs wiederbeleben. Sie soll die modernen Kommunikationsströme nutzen und sich verstärkt in die Diskussion in sozialen Medien wie Facebook und Twitter einschalten.

Soll sich der Club auch in die gesellschaftliche Breite öffnen?

Bisher galt das ungeschriebene Gesetz, dass der Club nie mehr als 100 Mitglieder haben darf. Aber wenn wir künftig ein halbes Dutzend Programme vorantreiben, dann kann es auch Projekt-, Unternehmens- oder Jugendmitgliedschaften geben. So können wir unsere Aktivität sinnvoll verstärken.

Gehen wir in die Details. Welche umweltverträgliche Wachstumsoption schwebt Ihnen denn vor?

Ich behaupte, wir schaffen mehr Wohlstand mit den gegebenen bekannten Ressourcen, wenn wir lernen, diese dramatisch effizienter einzusetzen. Es ist schon mit den heute verfügbaren Technologien möglich, jede Einheit Wohlstand mit einem Fünftel des jetzigen Ressourcenverzehrs zu erzeugen. Langfristig halte ich auch eine Verzwanzigfachung für realistisch. Das würde die Ausplünderung unseres Planeten endlich stoppen.

Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Eine einzige Maßnahme rettet die Welt?

Erstaunlich, nicht wahr! Aber es ist so. Noch als Leiter des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie habe ich ausrechnen lassen, wie es sich im Modell des Club of Rome auswirkt, wenn die Ressourcenproduktivität jedes Jahr um vier Prozent steigt. Was war die Folge? Stabilisierung! Der ganze Unterschied zwischen Kollaps und Stabilisierung ist eine Steigerung der Ressourcenproduktivität um vier Prozent pro Jahr.

Und wie bekommen wir diese dauerhafte Steigerung hin?

Indem wir die Preise für Energie und Rohstoffe in Höhe des jährlichen Fortschritts bei der Ressourcenproduktivität per Steuer kontinuierlich erhöhen. Das setzt Hersteller, Handel und Verbraucher unter Handlungszwang.

Industrie und Verbraucher ächzen doch jetzt schon unter galoppierenden Energie- und Rohstoffpreisen. Strom würde für Geringverdiener unbezahlbar, und es gingen Arbeitsplätze verloren.

Mitnichten. Der Ansatz wird weder zu sozialem Elend noch zu Auswanderung von Unternehmen führen – wenn zwei Nebenbedingungen eingehalten werden. Das eine ist ein bezahlbarer Sockeltarif, damit nicht die Hartz-IV-Empfänger die Zeche zahlen. Das Zweite eine Aufkommensneutralität für gefährdete Branchen: Sie bekommen zurückgefüttert, was sie vorher eingezahlt haben.

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