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Fossile Energie Deutschlands Alternativen zu Russlands Gas

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Unternehmen suchen nach sauberem Fracking

Erschlösse aber Europa seine Schiefergasreserven, wäre die EU in den Machtspielen um den wertvollen Energieträger nicht mehr erpressbar – frack you, Putin! Und es wäre auch weniger auf Flüssiggas angewiesen, das per Tanker aus Nordafrika oder dem Nahen und Mittleren Osten kommt. Auch alles andere als politisch stabile Regionen.

Zudem könnte das europäische Schiefergaspotenzial nicht nur russische Importe rund 100 Jahre lang ersetzen. In den USA hat der Schiefergasboom zudem durch niedrige Energiepreise Hunderttausende neuer Jobs geschaffen. Zusätzlich verdrängt das Erdgas dort die schmutzigere Kohle aus den Kraftwerken. Auch Europa könnte seine Klimabilanz mit dem vergleichsweise umweltfreundlichen Energieträger aufpolieren.

Versorgungssicherheit, Klimaschutz, Wirtschaftswachstum – die europäischen Schiefergasvorkommen stellen ein gewaltiges Versprechen dar.

Flüssiggas: Fakten über die Fracking-Alternative

Ob es sich einlösen lässt, ist noch nicht sicher. „Wie viel des Gases sich an die Oberfläche holen lässt, weiß derzeit niemand genau“, sagt Alexandra Vetter, Schiefergasexpertin am Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. Dafür habe es zu wenige Probebohrungen gegeben. Die Explorationsmaulwürfe in Nordpolen machen gerade erst den Anfang.

Aber nicht nur die geologischen Bedingungen bieten Anlass für reichlich Fragen. Auch die möglichen Folgen des Frackings für die Umwelt sind noch nicht absehbar.

Das Verfahren verbraucht nicht nur immense Mengen Wasser. Mit ihm pumpen die Rohstoffjäger auch Chemikalien in den Boden – und mit dem Gas kommen Giftstoffe aus dem Erdreich an die Oberfläche.

Immerhin versuchen die Unternehmen, die Risiken für die Natur zu reduzieren. In Deutschland ist das allen voran der Ableger des US-Ölriesen ExxonMobil. Dessen Vertreter verweisen darauf, dass schon seit 1961 in deutschem Sandstein gefrackt werde, rund 320 Mal bisher. Allerdings: Um das extrem dichte Schiefergestein aufzusprengen, ist sechs Mal mehr Wasser nötig als in den Tight-Gas-Lagerstätten aus porösem Sandstein. Entsprechend mehr Lkws müssen Wasser heranschaffen und abtransportieren, wenn es zurück an die Oberfläche kommt.

Um die Fördermethode umweltverträglicher zu machen, haben Chemiker im Auftrag von ExxonMobil in den vergangenen Monaten versucht, die giftigen Substanzen im Fracking-Gemisch zu ersetzen. Bisher sorgten rund 25 mögliche chemische Zusätze unter anderem dafür, die Flüssigkeit anzudicken, damit sie sich leichter ins Bohrloch bringen lässt. Mit ihrer Hilfe flutschen zudem Sand oder Keramikkügelchen besser in die Risse im Schiefer und halten diese so offen. Andere Zusätze lösen dieses Gel später wieder auf.

Im Labor entwickelten die Chemiker eine Mixtur, die viele Zusätze überflüssig machen soll. Nur noch zwei Additive will ExxonMobil künftig für Schiefergasprojekte in Deutschland einsetzen. Und die beiden sind laut EU-Klassifizierung weder giftig noch gesundheitsgefährdend. Damit wäre die Grundwassergefahr gebannt – und das Fracking im Sandstein schmutziger als sein Pendant im Schiefergestein.

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