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Fotovoltaik ist Konkurrenz für Kohle und Gas Der neue Billigstrom kommt

Sie galt als teure Nischentechnik – aber ein Preisrutsch und neue Technologien machen die Fotovoltaik zu einer ernsthaften Konkurrenz für Kohle und Gas. Sogar Fenster, Autos und Smartphones erzeugen bald Sonnenstrom – ganz ohne Subventionen.

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Schöne neue Solarwelt

Fotovoltaik wird zum Milliardengrab. Pleitewelle erfasst Modulhersteller. Handelskrieg mit China. Die Schlagzeilen könnten schlechter kaum sein. Eben noch als Zukunftstechnik bejubelt, gilt die Fotovoltaikindustrie nun als Totengräber der Energiewende.

Tatsächlich steckt die Solarbranche in ihrer größten Krise. Das Modulangebot ist doppelt so hoch, wie der Markt nachfragt. Die Hersteller verschleudern ihre Ware unter Produktionskosten. Zudem sei der Ausbau der Fotovoltaik zu teuer, wettern Politiker und Ökonomen, zu ineffizient die Technik, zu unsozial die Förderung.

Neuer Rückschlag für Solarworld
SolarworldDer Bonner Solarmodulhersteller kommt nach seinem scharfen Kapital- und Schuldenschnitt vom Frühjahr nur langsam wieder in Tritt. Die konzernweite Absatzmenge sei im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen zwar um mehr als die Hälfte auf 357 Megawatt gestiegen, teilte Solarworld mit. Hierzu habe aber vor allem das Auslandsgeschäft beigetragen. In Deutschland sei der Markt weiter schwach. Das Umsatzziel für 2014 von mehr als 680 Millionen Euro werde deshalb wahrscheinlich nicht erreicht. In den ersten sechs Monaten wuchs der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro, blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen des Unternehmens. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie bereinigt um Sondereffekte des internen Umbaus kam Solarworld auf einen leichten Gewinn von einer Million Euro (Vorjahreshalbjahr: -37 Millionen Euro). Ein insgesamt positives operatives Ergebnis erwartet das Unternehmen weiterhin für 2015. Mit der Restrukturierung hatte Solarworld seinen Schuldenberg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro verringert. Dabei mussten Aktionäre und Gläubiger hohe Verluste hinnehmen. Erst vor kurzem hatte sich der Konzern mit einem wichtigen Rohstoff-Lieferanten auf neue Verträge geeinigt - musste im Gegenzug aber viel Geld in den Wind schreiben. Quelle: dpa
Nordex Der Windkraftanlagenbauer Nordex will seine Geschäfte in Südamerika ausbauen. Schon heute verkaufe Nordex vor allem in Uruguay mit einigem Erfolg, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Auch in Chile werde Nordex aktiv sein. „Diese Länder haben einen ungestillten Hunger nach Energie und zahlen für Strom aus heimischen Kraftwerken gutes Geld.“ In den USA habe sich Nordex dagegen bescheidene Ziele gesteckt. „Ich würde nicht so weit gehen, diese Strategie "Rosinen picken" zu nennen, aber dem härtesten Wettbewerb gehen wir so aus dem Weg“, sagte Zeschky. Der Umsatzanteil Amerikas liege bei 18 Prozent. Nach einem guten ersten Quartal hatte Nordex seine Prognose für 2014 zuletzt angehoben. Erwartet werden nun ein Auftragseingang von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatz von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge für 2014 - also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz - wird laut Zeschky 4 bis 5 Prozent betragen. Nordex werde sein Werk in Rostock für rund 25 Millionen Euro ausbauen, kündigte Zeschky an. Dort sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt wolle Nordex bis 2016 rund 50 Millionen Euro in seine Kerntechnologie „Rotorblatt“ investieren. Hintergrund sind die größeren Dimensionen der Rotorblätter und zugehörigen Werkzeuge, die den Umbau der bestehenden Produktionshallen notwendig machen. Quelle: dpa
SolarworldDie Sanierung ist planmäßig abgeschlossen, die Verluste sind eingedämmt (auf 427 Mio. Euro) - jetzt müssen nur noch die Umsätze wieder fließen. Der Photovoltaikkonzern Solarworld sieht sich nach dem drastischen Kapital- und Schuldenschnitt wieder gut aufgestellt. „Wir kommen nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, wir nehmen auch massiv Fahrt auf“, sagte Konzernchef Frank Asbeck im Mai bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn. Solarworld profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar sowie von der Übernahme von Fertigungskapazitäten von Bosch in Thüringen. Der Unternehmenschef geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in dem rückläufigen Markt Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird. Quelle: dpa
SMA SolarSchlechter Start ins Jahr 2014: Im ersten Quartal stand beim operativen Ergebnis des Solar-Technikherstellers ein Minus von 22 Millionen Euro in den Büchern - nach einem Verlust von 8 Millionen Euro Anfang 2013. Zudem brach der Umsatz deutlich ein. Grund dafür seien zum einen Unsicherheiten in Europa wegen der Ukraine-Krise, aber auch Projektverschiebungen in Nordamerika und Währungsturbulenzen in Indien, heißt es offiziell von SMA Solar. Auf der Hauptversammlung 2014 wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende auszuschütten. Große Probleme hat das Unternehmen aber schon länger. Der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern hatte 2013 einen Verlust von rund 67 Millionen Euro eingefahren - nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro 2012. Mit weiteren Sparmaßnahmen will SMA Solar nun wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Schon im Jahr 2013 hat der Wechselrichter-Hersteller seine Kosten um 180 bis 200 Millionen Euro gesenkt. Zudem will das Unternehmen in Zukunft neue Märkte erschließen und neue Produkte einführen. „Im besten Fall“, so Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon, soll 2014 ein Ergebnisplus von 20 Millionen Euro erreicht werden. Ende Mai gab SMA Solar bekannt, das Solar-Wechselrichter-Geschäft vom Mitbewerber Danfoss komplett zu kaufen und eine strategische Partnerschaft anzustreben. Quelle: dpa
SunwaysBeim Fotovoltaik-Unternehmen aus Konstanz läuft seit Ende April das offizielle Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter hat damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Als ersten Schritt zur Liquidierung beantragte Sunways am 19. Mai den Widerruf der Börsenzulassung an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Gleichzeitig trat der Vorstandsvorsitzende Hoong Khoeng Cheong zurück .Das Geschäft mit Wechselrichtern und gebäudeintegrierter Photovoltaik hat bereits der chinesische Solarkonzern Shunfeng übernommen. 40 Mitarbeiter können deshalb ihren Arbeitsplatz behalten. Alle anderen hätten ihre Kündigung bereits erhalten, teilte ein Sprecher mit. Ende 2012 waren bei Sunways noch 265 Menschen beschäftigt. Die Aktionäre müssen davon ausgehen, bei der Insolvenz komplett leer auszugehen. Sunways schrieb seit Jahren rote Zahlen und wies hohe Verluste aus. Wie im Mai bekannt wurde, waren die Geschäfte des Unternehmens schon mehrere Monate vor der Zahlungsunfähigkeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Bereits 2013 befand sich das Unternehmen einmal in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem mehrere Banken dem Unternehmen Kredite in Millionenhöhe gekündigt hatten. Durch eine Vergleichsvereinbarung wurde das eigentliche Insolvenzverfahren damals jedoch abgewendet. Quelle: dpa
S.A.G. Solarstrom AGDie Solarkrise hat den Anlagenbauer in die Knie gezwungen. Das Unternehmen stellte am 13. Dezember 2013 einen Insolvenzantrag. Die Solarstrom AG kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber gerettet werden. Mit einer Zerschlagung des Solarunternehmens sei derzeit nicht zu rechnen, teilte eine Firmensprecherin am 16. Mai am Rande einer Gläubigerversammlung mit. Die Sanierung und die Suche nach Investoren laufe positiv und werde fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Einzelheiten hierzu nannte er nicht. Nerlich erwartet den Angaben zufolge eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent. Ob Aktionäre Geld zurück erhalten können, sei aber weiter offen. Das Freiburger Unternehmen mit heute rund 170 Mitarbeitern zählt zu den Pionieren der Solarbranche. Es war 1999 eine der ersten börsennotierten Solarfirmen in Deutschland. Quelle: dpa
ProkonDer Windkraftanlagen-Finanzierer hat im Januar beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde Anfang Mai eröffnet. Die Zukunft für die insgesamt rund 1300 Beschäftigten ist ungewiss. Gut 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie müssen sich auf schmerzvolle Verluste einstellen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schätzt, dass sie zwischen 40 und 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren werden. Das Geschäftsmodell des von Carsten Rodbertus 1995 gegründeten Windparkbetreibers stand seit langem in der Kritik. Quelle: dpa

Das ist alles richtig. Und falsch zugleich. Denn was da ausgefochten wird, sind Debatten von gestern. Während Politik und Verbände immer aufs Neue über die Einspeisevergütungen streiten, ist die Solartechnik längst einen Schritt weiter: Sie steht vor ihrem eigentlichen Durchbruch.

Schon heute kostet Sonnenstrom vom Dach in 102 Ländern weniger als der Strom vom Versorger – auch in Deutschland. Große Solarkraftwerke in den USA liefern Energie sogar bereits ab umgerechnet 6,4 Cent pro Kilowattstunde – fast so preiswert wie Kohlekraftwerke. Und die Kosten für Solar sinken weiter.

Möglich macht das ein atemberaubender Innovations- und Technologieschub: Er bahnt den Weg dafür, dass sich die mit einem Marktanteil von 85 Prozent heute dominanten Siliziummodule auch ohne staatliche Förderung verkaufen lassen. Zugleich erschließen sich bald ganz neue Anwendungen, die gestern noch utopisch erschienen. So haben Forscher Solarzellen entwickelt, die sie wie Farbe auf Glas sprühen, auf Stahl lackieren oder auf Papier drucken. Es entstehen völlig neue Kleinstkraftwerke: Balkonbrüstungen, Fenster oder Vorhänge, die Strom erzeugen und in die Steckdose speisen.

Damit wird die Technik bald allgegenwärtig. Analysten der Schweizer Großbank UBS sprechen bereits von einer Revolution des subventionsfreien Sonnenstroms. Sie gehen davon aus, dass Hausbesitzer und Unternehmen in wenigen Jahren geradezu gezwungen sind, eine Fotovoltaikanlage zu installieren – weil der Strom vom Dach viel preiswerter wird als der aus der Steckdose. Und mit Batteriespeichern im Keller, die die Solarenergie für den Abend speichern, wird es sogar noch lukrativer, seinen eigenen Strom zu produzieren. Mit der Folge, dass Subventionen in den Ausbau komplett wegfallen können.

Zugleich erfasst das Fotovoltaikfieber nicht nur wohlhabende Hausbesitzer mit genügend Dachfläche. Auch Mehrfamilienhäuser und Bürotürme werden mit Balkon-Panels oder Strom erzeugenden Fassaden zu Kraftwerken. Jeder kann künftig Sonnenenergie gewinnen – und sich die Installation der neuartigen Fotovoltaiksysteme, die künftig gar als Strom-Rollo oder energieliefernde Fensterfolie daherkommen, wohl auch leisten.

Kennzahlen zu Solarstrom

Das wird den Zubau an Solarsystemen noch weit stärker beschleunigen, als es jede staatliche Subvention vorher konnte. Heute sind weltweit mehr als 100.000 Megawatt Solaranlagen installiert, schätzt die Internationale Energieagentur – das entspricht in etwa der Leistung von 100 großen Atomkraftwerken. Und allein im Jahr 2017 sollen Prognosen zufolge rund 50.000 Megawatt dazukommen. Schon drängt sich die Frage auf: Wohin eines Tages mit all dem Sonnenstrom?

Solarenergie wird für viele Verbraucher zum neuen Billigstrom – und die Welt steht vor einer Sonnenwende. Welche Techniken sie befeuern, wie das die Märkte verändern wird und wie preiswert Sonnenstrom wirklich wird, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Technik - Solarzellen zum Auflackieren

Die Sonnenkönige der Solarbranche
Wer hat auf dem schrumpfenden Solarmarkt noch eine Chance? Das Zentrum für Solarmarktforschung (ZFS) hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die Zukunftssaussichten der deutschen Solarindustrie unter die Lupe genommen. Und das ist das Ergebnis.... Quelle: dpa
CENTROTHERM Quelle: dpa
MANZ Quelle: Presse
SMA Quelle: dpa
SOLARWORLD Quelle: dpa
SUNWAYS Quelle: dpa
ALEO SOLAR Quelle: Pressebild

Wer heute Solarzellen herstellen will, braucht wahres High-Tech-Equipment: Schmelzöfen und Präzisionssägen, Roboter und Beschichtungsanlagen. Fotovoltaikfabriken sind teuer, komplex, und sie schlucken enorme Mengen Energie.

Nicht so bei Arved Hübler. Wenn er neue Solarmodule braucht, drucken seine Mitarbeiter einfach welche aus. Dafür reichen dem Leiter des Instituts für Print- und Medientechnik der TU Chemnitz eine Druckmaschine, Spezialtinte und eine Rolle Papier. „Fast so wie die Verpackungsindustrie Pralinenschachteln herstellt“, sagt Hübler, „stellen wir Solarzellen her.“

In seinem Labor hat der Solarforscher schon kilometerlange Papierrollen an einem Stück in Sonnenkraftwerke verwandelt. In Stücke geschnitten und mit Kontakten versehen, kann damit selbst gewöhnliches Büropapier Strom produzieren. Die Zellulosezellen halten nur rund drei Monate, sind aber spottbillig – und lassen sich wie jeder Pappkarton recyceln.

Bald sollen Hinterhofdruckereien in Indien Fotovoltaikkartons fertigen, so der Plan des Chemnitzers. Selbst die Ärmsten können sich dann kleine Kraftwerke auf ihre Hütten legen – vielleicht finanziert durch Werbung auf der Rückseite. „Zwei Din-A3-Bögen reichen, um ein Handy zu laden“, sagt Hübler. „Und ein Filmplakat, um einen Schreibtisch zu beleuchten.“

Nicht nur in Indien steht die Fotovoltaik vor einem technischen Wandel: Weltweit erhalten die starren blauen Solarmodule aus Silizium bald Konkurrenz von dünnen, flexiblen Zellen, gefertigt aus Plastik oder sogar Papier. Auch auf Glasscheiben und Stahlbleche lassen sich neuartige Solarzellen lackieren. Forscher sprechen von der dritten Generation der Fotovoltaik – nach Siliziummodulen und Dünnschichtsolarzellen. Sie könnte Sonnenstrom noch preiswerter machen – und allgegenwärtig.

Die Top-Ten-Hersteller kristalliner Solarmodule

Aufsehen erregen derzeit sogenannte Farbstoffsolarzellen. Sie nutzen statt Silizium spezielle Farbstoffe, um Sonnenlicht in Strom zu verwandeln. Anders als ihre Siliziumpendants erzeugen die bunten Zellen auch dann reichlich Strom, wenn sie nicht direkt in die Sonne gerichtet sind – was sie ideal für den Einbau in Hausfassaden macht. Zudem sind sie dünn, leicht und flexibel – und lassen sich mit Druckmaschinen auf Stahl oder Glas auftragen.

Oft werden die Zellen Grätzel-Zellen genannt – nach ihrem Erfinder, dem Chemiker Michael Grätzel von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne. Seit mehr als 20 Jahren forscht er daran, nun ist ihm ein Durchbruch gelungen: In seinem Labor erreichte er den Rekordwirkungsgrad von 14,1 Prozent. „Das ist ein Durchbruch, wie Forscher ihn selten erleben“, sagt Grätzel. Siliziumzellen haben zwar noch höhere Wirkungsgrade – sind aber viel teurer.

Möglich wurde der Rekord dank neuer Mineralien, Perowskite genannt. Mit ihnen leisten Farbstoffzellen nicht nur mehr, sie werden auch widerstandsfähiger und preiswerter. Denn das Material ist spottbillig, und eine Schicht von einem tausendstel Millimeter reicht für den Bau einer Solarzelle. Für ein Zehn-Megawatt-Kraftwerk, schätzt Toby Meyer, Gründer des Schweizer Solar-Startups Solaronix, brauche man nur 30 Kilogramm der Mineralien. „Das ist nicht low-cost“, sagt er, „das ist no-cost.“

Kevin Arthur, Chef des britischen Solar-Startups Oxford-PV, glaubt, dass Module aus Farbstoffsolarzellen nur 30 Cent pro Watt kosten – weniger als halb so viel wie heute. Zudem sollen die Zellen, gedruckt auf Fensterscheiben oder Stahlfassaden, Teile von Gebäuden ersetzen, für die Bauherren ohnehin Geld ausgeben. Und es soll noch billiger gehen: „Die Technik wird mit der Zeit einen Wirkungsgrad von 20 Prozent erreichen“, sagt Arthur. Das schaffen heute nur Spitzensiliziummodule.

Die Top-Ten-Hersteller von Dünnschicht-Solarmodulen

Aber auch die herkömmliche Technik ist lange nicht an ihren Grenzen. Mit immer neuen Tricks machen die Hersteller Siliziummodule effizienter: Sie schneiden die Wafer – den Rohstoff für die Zellen – immer dünner, ersetzen teures Silber in den Leiterbahnen durch Kupfer oder stapeln mehrere Zellen übereinander, um das gesamte Wellenspektrum des Lichts auszunutzen.

Mit solchen Sandwich-Solarzellen will Martin Green, einer der renommiertesten Solarforscher, die Wirkungsgrade der Siliziumzellen erheblich steigern. „In den nächsten 20 bis 30 Jahren sind bis zu 50 Prozent machbar“, sagt der Leiter des ARC Photovoltaics Centre of Excellence an der University of New South Wales in Sydney.

Teure Materialien erlauben solche hohen Wirkungsgrade sogar heute schon: Kürzlich haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg mit einer Zelle aus Gallium und Arsen 43,6 Prozent erzielt – Weltrekord. Dabei bündeln die Forscher das Sonnenlicht mit einer Linse auf eine Hochleistungssolarzelle, die nur so klein wie ein Fingernagel ist. Das senkt die Kosten.

Die konzentrierte Fotovoltaik, für die der Heilbronner Solarhersteller Azur Space High-Tech-Zellen fertigt, könnte schon bald den preiswertesten Sonnenstrom liefern. Zwar eignet sie sich nicht für Deutschland, denn sobald sich ein Wölkchen vor die Sonne schiebt, erzeugt die Konzentratorzelle fast keinen Strom mehr. In sonnenreichen Regionen wie Kalifornien, Nordafrika oder Saudi-Arabien aber lassen sich damit Riesenanlagen errichten.

Produkte - Fensterfronten erzeugen Strom

Kuriose Energiefresser
Beheizbare KlobrillenJapaner und Südkoreaner lieben es, wenn der Sitz auf dem stillen Örtchen wohlig warm wird. Besonders luxuriöse Varianten duschen und föhnen auch noch mit anschließender Massage. Sechs Prozent des Stromverbrauchs gehen in Südkorea allein für beheizbare Klobrillen drauf. In Deutschland sind die Edel-Klobrillen inzwischen auch erhältlich, die meisten Haushalte begnügen sich aber weiterhin mit einem kalten Toilettensitz. Quelle: Reuters
Heizdecken.... verursachten in Südkorea regelmäßig Stromausfälle, denn große Teile der Bevölkerung drehten nachts gleichzeitig den Regler hoch. In Deutschland sind sie dank gut beheizter Wohnungen weniger begehrt.
Ja, für gewöhnlich ist es in Regionen mit Schnee kalt - sehr kalt. Beheizbare Handschuhe und Skischuhe halten die Gliedmaßen bis zu 18 Stunden warm - dafür sorgt ein aufladbarer Akku. Für passionierte Wintersportler sind diese High-tech-Kleidungsstücke sicherlich praktisch - in puncto Energieverbrauch aber auch ein verzichtbarer Luxus. Quelle: dpa
Der Clou für Menschen, die unter akuter Morgenmüdigkeit leiden oder schlicht zu faul sind einen Löffel aus der Schublade zu holen - die selbst umrührende Tasse. Ein eingebauter Quirl wirbelt Milch und Zucker durcheinander. Sieht aus wie von Zauberhand, ist aber batteriebetrieben. Bei derartiger Energieverschwendung könnte einem glatt schwindlig werden. Quelle: PR
Vorbei die Zeiten als Männer gemütlich ein Pfeifchen schmauchten - jetzt kommt die E-Pfeife. Hier glimmt allerdings kein Tabak. Mittels eines Verdampfers lassen sich verschiedene Geschmacksrichtungen wie Vanille, Schokolade, Kirsche oder Café in die Luft pusten. Ober man dafür tatsächlich Akkus laden muss... Quelle: PR
Computermäuse lassen sich per USB-Kabel über den Computer beheizen und über ein kleines Rädchen regulieren. Zwar verbrauchen die beheizbaren Mäuschen allein nicht viel Strom, aber ganz ehrlich - wirklich brauchen tut sie keiner. Man könnte die klammen Fingerchen auch einfach zwischendurch ordentlich gegeneinander reiben - ganz ohne Strom.

Wer Solarstrom erzeugen will, kauft sich heute ein paar Module und bestellt einen Spezialhandwerker, der sie aufs Dach montiert. Das Ergebnis ist mal mehr, mal weniger architektonisch wertvoll. Meistens weniger.

Richard Caldwell glaubt, dass die Dachmodule bald veraltet sind. „Solarzellen werden künftig auf Stahl- und Glasfassaden laminiert“, sagt der Chef des australischen Startups Dyesol, „sodass man sie kaum noch sieht.“ Die Australier entwickeln zusammen mit dem indischen Stahlkonzern Tata bunte Metallfassaden, die ab Werk eine Schicht aus Farbstoffsolarzellen tragen. Die Entscheidung über eine Massenproduktion soll bis Ende Juli fallen.

Es wäre womöglich der Durchbruch für die sogenannte Gebäudeintegrierte Fotovoltaik – für Solarmodule also, die Teil der Gebäudehülle sind. Zwar erzeugen heute schon Glasdächer mit integrierten Siliziummodulen Strom, etwa im Berliner Hauptbahnhof; aber die Technik ist noch teuer. Solarzellen zum Auflackieren hingegen könnten das preiswerter erledigen. Ganze Häuser würden zu Kraftwerken.

Das Startup Oxford PV will Anfang 2014 eine Pilotfertigung für Strom erzeugendes Glas mit Farbstoffsolarzellen starten und schon ein Jahr später zwei Meter lange Glasmodule verkaufen, aus denen sich Gebäudefassaden, Balkonbrüstungen und Fenster herstellen lassen. Auch das US-Startup New Energy Technologies arbeitet an durchsichtigen Fenstern, auf die Solarzellen aufgesprüht sind.

Das US-Solarunternehmen Pvilion will auch Zeltdächer und Sonnenblenden zu Kraftwerken machen – und baut dazu flexible Solarzellen in Textilien ein. Demnächst statten die Unternehmer ein Hochhaus in Manhattan mit dreieinhalb Meter hohen Solarvorhängen aus, die Strom für die gesamte Beleuchtung des Gebäudes liefern.

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

Damit zeichnet sich ab: Solarstrom wird bald nicht nur auf Hausdächern verfügbar sein, sondern nahezu überall in Gebäuden. Das Fotovoltaikunternehmen Minijoule im schleswig-holsteinischen Reußenköge etwa verkauft Solarmodule, die jedermann auf den Balkon stellen kann und die Strom via Steckdose in das Hausnetz einspeisen.

„Solche Solaranlagen gibt es künftig palettenweise beim Discounter“, glaubt der Solarexperte Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW). Denkbar sind Strom erzeugende Vorhänge, Dachpappen, Fensterfolien oder Pavillondächer.

Und warum bei Häusern bleiben? BMW und das Dresdner Solarunternehmen Solarwatt verkaufen bald Carports mit Solardach, in denen Autofahrer ihre Elektroautos laden. Der Autozulieferer Webasto aus Stockdorf wiederum stellt eine neue Generation von Solardächern her, die Autos mit Hybridantrieb im Stand mit Strom versorgen können. Und eine durchsichtige Solarzelle des französischen Unternehmens Sunpartner soll bald auf Smartphone-Displays Strom erzeugen. Sechs Stunden Sonne machen den Akku wieder fit.

Kosten - Sonnenstrom billig wie Kohle

13 bittere Wahrheiten über den Strompreis
Stromzähler Quelle: dpa
Ein Mann arbeitet in der Industrie Quelle: dapd
Rauchende Schornsteine Quelle: dpa
Ein Offshore-Windpark Quelle: dpa
Ein Windpark Quelle: dpa
Vormontierte Teile von Windkraftanlagen Quelle: dpa
Solaranlage Quelle: dpa

Als die frühen Grünstrompioniere im Jahr 2000 sich Solaranlagen aufs Dach montieren ließen, war das ein sündhaft teures Unterfangen: Mehr als 70 Cent kostete die Kilowattstunde Sonnenstrom – 20 Mal so viel wie Strom aus Steinkohle. Fotovoltaikanlagen verbreiteten sich nur, weil üppige Fördergelder flossen.

Heute, wenige Jahre später, sieht die Rechnung ganz anders aus. Wer sich aktuell ein Sonnenkraftwerk baut, kann Strom für weniger als 15 Cent pro Kilowattstunde erzeugen. Der Strom aus der Steckdose dagegen kostet inzwischen mehr als 27 Cent.

Wie schnell die Preise für Solaranlagen und Batteriespeicher sinken Quelle: EuPD

Die Zahlen zeigen: Solarenergie ist in den vergangenen Jahren erheblich preiswerter geworden, sogar in Deutschland. Privatverbraucher benötigen schon in naher Zukunft gar keine Vergütungen für ihren Solarstrom mehr, um die Anlagen rentabel betreiben zu können. Sie verbrauchen ihren Sonnenstrom dann selbst – und senken damit ihre Stromkosten.

Die Rechnung geht allerdings nur auf, weil der Haushaltsstrompreis durch Steuern, Netzentgelte und Grünstrom-Abgaben in die Höhe getrieben wird. Vergleicht man die reinen Produktionskosten, dann ist Solarenergie noch teurer als Energie aus Kohle: Ein neues Kohlekraftwerk erzeugt Strom für etwa sechs Cent pro Kilowattstunde, alte Kraftwerke sind noch billiger.

Aber viele Experten glauben, dass Solarstrom noch deutlich preiswerter wird. Kostete eine Dachanlage Anfang 2012 noch 2095 Euro pro Kilowatt Spitzenleistung, so wird der Preis laut Prognosen des Bonner Marktforschungsinstituts EuPD im Jahr 2016 auf unter 1200 Euro sinken. Die Kilowattstunde hausgemachten Stroms kostet dann nur zwölf Cent.

Und auch nach 2016 sollen die Kosten auf allen Stufen des Solaranlagenbaus sinken. Führende Solarhersteller glauben, dass die Modulpreise bis 2020 so stark sinken werden, dass sich Solarstrom vom Dach der Marke von zehn Cent pro Kilowattstunde nähert. Große Solarkraftwerke sind noch preiswerter und ziehen laut einer Fraunhofer-Studie bis spätestens 2022 mit den Kosten fossiler Energieträger gleich.

In südlichen Regionen sind Solarkraftwerke heute schon spottbillig: Der US-Solarhersteller First Solar hat gerade mit einem Stromversorger in New Mexico einen Vertrag für ein neues Großkraftwerk abgeschlossen, das laut GTM Research Strom für umgerechnet 6,4 Euro Cent liefern soll.

Mit solchen Niedrigpreisen werden Fotovoltaikkraftwerke schon heute zur Alternative für Kohle – vor allem in sonnenreichen Ländern wie China, Südafrika oder Marokko, in denen der Strombedarf massiv wächst. Selbst Saudi-Arabien schwenkt jetzt um: Bis 2032 will der Ölstaat rund 45 Milliarden Euro in neue Solarkraftwerke investieren.

Markt - Solarboom ganz ohne Subvention

Grüne Gadgets für den Alltag
FairphoneDer niederländische Mobiltelefonhersteller Fairphone hat seine Pre-Order-Kampagne für "faire Handys" gestartet. Quelle: Fairphone.com Quelle: Presse
Solar-AkkuMit Changers können die Nutzer ihren Strom ganz einfach selber machen. Die ersten beiden Geräte des Starter-Kits sind der Solar-Akku „Kalhuofummi“ und das Solarmodul „Maroshi“. Das Solarmodul lässt sich einfach an einem Rucksack anbringen. Die Sonnenenergie wird in Strom umgewandelt und direkt in dem Akku gespeichert. Das kleine Gerät misst auch den Wert der eignen Energieproduktion und die damit verbundenen CO2-Speicherung. Er speichert die Daten und ordnet sie einer User-ID zu. Die Werte lassen sich dann im Changers-Account oder auf Facebook und Twitter hochladen.  Quelle: changers.com Quelle: Screenshot
Solar-Hülle für den KindleElektronische Lesegeräte sind enorm sparsam, aber nach ein paar tausend geblätterten Seiten geht auch dem Kindle von Amazon die Batterie leer. Wer sich den Gang zur Steckdose sparen möchte, kann seinen eigenen grünen Strom für den E-Reader herstellen: Das Solar Lighted Cover des US-Anbieters SolarFocus lädt tagsüber Sonnenstrom in eine eingebaute Batterie, die wiederum nicht nur den Kindle mit Strom versorgt, sondern auch eine eingebaute LED-Leselampe für die Nacht. Quelle: Solarmio.com
Solar-SteckdoseDie Idee, über eine Solarzelle das eigene Smartphone zu laden, haben die Designer KyuhoSong und Boa Oh ganz neu verpackt. Ihre Idee basiert auf einer runden Solarzelle, die unter einem Saugnapf angebracht ist. Mit dem lässt sich das Gerät einfach an ein Fenster anbringen. Die Rückseite des kreisrunden Geräts in den Farben weiß/grün bietet lediglich zwei Löcher, eben wie eine Steckdose. Dort hinein kann man dann auch jeden handelsüblichen Stecker schieben. Die Solarzelle auf der Rückseite versorgt dann den Verbraucher am anderen Ende, vorausgesetzt die Sonne hinter dem Fenster scheint. Im Inneren der Fenster-Steckdose steckt eine Batterie mit 1000 Milliampere Leistung. Genug also, um das Handy mal ein wenig aufzuladen, für größere Stromfresser wie den Laptop reicht das Gerät allerdings nicht. Dazu ist auch die Solarzelle viel zu klein. Dennoch ist das Konzept beeindruckend: Zum einen sieht es wirklich gut aus, zum anderen ist es sehr einfach zu bedienen. Wann die kabellose Solarsteckdose allerdings auf den Markt kommt, ist bisher nicht bekannt, ebenso wie der Preis. Quelle: yankodesign.com Quelle: Presse
Solar-LadegerätNie wieder Akku leer: Mit dem Solar Changer Kit des US-Anbieter Voltaic haben Nutzer elektronischer Geräte immer ihr eigenes Kraftwerk dabei. Das Solarpanel speist einen Akku, der genug Leistung für Laptops, Tablets und Handys bereitstellen kann. Quelle: Voltaic Systems Quelle: Presse
Tado - HeizungsreglerHeizen leicht gemacht: Die App Tado auf dem Smartphone erkennt ohne Zutun ob deren Besitzer als Letzter das Haus verlässt. Daraufhin sendet die App ein Signal an das Heizungsthermostat, worauf die Temperatur nach unten geregelt wird. Macht sich der Tado-Besitzer wieder auf den Weg nach Hause, wärmt sich die Wohnung auf die Wunschtemperatur auf. Auch nachts reagiert die App und reguliert die Temperatur wieder nach unten. Besonders charmant: Tado ist schlau. So lernt die Technik in den ersten Tagen wie schnell sich die Wohnung abkühlt und wie sich die Sonneneinstrahlung auf die Innenraumtemperatur auswirkt. Quelle: tado.com Quelle: Presse
Sunrocket -ThermosflascheDas Sunrocket ist ein tragbarer Heißwasser-Kessel und eine 500 ml fassende Thermosflasche. Mit Hilfe einer Vakuum-Röhre, an der Solar-Panels angebracht sind, wird Sonnenenergie gebündelt. Diese erwärmt das Wasser in der Flasche. Die perfekte Alternative für Camper. Quelle: sunkettle.com Quelle: Screenshot

Der 8. Juni war einer dieser gefürchteten Tage. Von der Ostsee bis zum Bodensee speisten Zehntausende Solaranlagen bei blauem Himmel unermüdlich Elektrizität in die Netze. Zur Mittagszeit brachten sie es auf eine Leistung von gut 20.000 Megawatt – das entspricht der Kapazität von 20 Kohlekraftwerken. Gebraucht werden in Deutschland an Samstagen wie dem 8. Juni in der Spitze rund 45.000 Megawatt. Die Sonne deckte also schon fast die Hälfte des Strombedarfs, wenn auch nur für wenige Stunden.

Ein Ausreißer – noch. Denn zunehmend verdrängen Watt und Volt aus erneuerbaren Quellen den Strom aus konventioneller Erzeugung. Und diese Entwicklung beschleunigt sich. Am 18. April dieses Jahres produzierten Windräder und Solarpanele erstmals mehr Strom als fossile Kraftwerke.

Deren Betreiber – E.On & Co. – müssen dann wegen der vorrangigen Einspeisung des Ökostroms ihre Kapazitäten drosseln – und verlieren Geld. Auch für die Stromkunden wird es an solchen Tagen teuer.

Selbst produzierter Solarstrom wird konkurrenzlos billig Quelle: UBS

Denn ein großes Grünstrom-Angebot drückt den Preis je Kilowattstunde (kWh) an der Leipziger Strombörse regelmäßig von durchschnittlich derzeit knapp vier auf zwei Cent und weniger. Manchmal muss die Energie sogar verschenkt werden. Die Differenz zur Einspeisevergütung für die Produzenten müssen aber alle Stromkunden über die EEG-Umlage ausgleichen. Umweltminister Peter Altmaier befürchtet, dass sie nächstes Jahr von jetzt 5,3 auf mehr als 6,0 Cent je kWh steigen wird.

Tage mit hohem Sonnenstromangebot werden laut einer Studie der UBS zunehmend Alltag. Die Folge: Die konventionellen Kraftwerksbetreiber geraten noch mehr unter Druck. Die Subventionslasten für die Verbraucher hingegen werden abgemildert. Der Grund: Weil es selbst im sonnenarmen Deutschland inzwischen billiger ist, Strom auf dem Dach selbst zu produzieren, als ihn bei einem Energieversorger einzukaufen, werden sich laut UBS in den nächsten Jahren Zehntausende weitere Hausbesitzer eine Fotovoltaikanlage bestellen. „Das werden sie wegen des Spareffekts sogar tun, wenn es von morgen an keine garantierte Einspeisevergütung mehr gibt“, sagt deren Energieexperte Patrick Hummel. Aus dem gleichen Grund, so Hummel, werden auch immer mehr Dienstleister und Gewerbebetriebe Solaranlagen installieren.

Das aber bedeutet nicht weniger als einen Epochenwechsel. „Es beginnt das unsubventionierte Solarzeitalter“, schreiben die UBS-Analysten:

  • Bis 2020 entstehen allein in Deutschland, Italien und Spanien zusätzliche Solarstromkapazitäten von 43.000 Megawatt – gänzlich ohne öffentliche Förderung.
  • Im gleichen Jahr erzeugen private Haushalte in Deutschland schon fast ein Drittel ihres jährlichen Strombedarfs solar selbst.
  • Die Nachfrage nach Elektrizität aus Kohle- und Gaskraftwerken sinkt wegen dieses Solarbooms um sechs Prozent.

Die Konsequenzen aus dieser Entwicklung bergen Zündstoff. Die Gewinne vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) von Energieriesen wie RWE halbieren sich durchschnittlich bis 2020, prognostizieren die Schweizer.

Am kräftigsten wächst der Fotovoltaikmarkt in Nord- und Südamerika Quelle: Epia

Dagegen eröffnen sich für die Hersteller der Solaranlagen neue Chancen. Denn mit jedem Cent, den die Eigenproduktion gegenüber dem Stromeinkauf günstiger wird, wächst die Nachfrage. Hausbesitzer, die etwa 30 Prozent ihres jährlichen Elektrizitätsbedarfs mit einem eigenen Dachkraftwerk produzieren, zahlen 2020 schon rund vier Cent je kWh weniger, als würden sie ihren gesamten Strom vom Versorger beziehen. Die Anschaffung würde sich laut UBS nach spätestens elfeinhalb Jahren amortisieren – ohne jede Subvention. Ergänzen Anwender die Solarmodule um eine Batterie, sparen sie 2020 sogar knapp neun Cent je kWh gegenüber dem reinen Strombezug vom Versorger.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen die Marktforscher des Bonner Unternehmens EuPD: Danach lassen sich mit dem Kauf solarer Komplettsysteme inklusive Speicher schon Ende nächsten Jahres Renditen von sechs bis acht Prozent erzielen. Das ist in etwa so viel, wie reine Solaranlagen heute mithilfe der EEG-Vergütung einbringen. Deren Renditen sinken wegen der ständigen Förderkürzungen jedoch absehbar.

In Arbeit
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EuPD-Analyst Martin Ammon rät den deutschen Modul- und Zellherstellern, sich auf solche spezialisierten Komplettangebote zu konzentrieren. Dazu gehört auch eine Energiemanagement-Software, die den Eigenverbrauch optimiert, zum Beispiel indem sie Waschmaschine und Trockner einstellt, wenn die Dachanlage auf Hochtouren läuft. „Diese Komplexität beherrschen sie besser als chinesische Massenanbieter.“

Es ist die Chance für die deutsche Solarindustrie, vom globalen Fotovoltaikboom zu profitieren. Der Verband der europäischen Solarindustrie (Epia) schätzt, dass 2017 weltweit Anlagen mit einer Kapazität von mehr als 48.000 Megawatt installiert werden – gegenüber knapp 28.000 MW dieses Jahr.

Somit ist klar: Sonnenstrom wird zu einer tragenden Säule der weltweiten Energieversorgung – die Abgesänge waren verfrüht. Und sogar deutsche Hersteller können Hoffnung schöpfen.

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